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15.7.2002 | Von:
Gerhard Neuweiler

Von Reformansätzen zur Reform?

Zur Situation der Hochschulen nach der 5. Novelle zum Hochschulrahmengesetz

Die 5. Novelle zum Hochschulrahmengesetz wird als erster ernsthafter Versuch einer Hochschulreform beschrieben. Universitäten und Forschungsinstitute könnten so im internationalen Wettbewerb um die besten Wissenschaftler wieder konkurrenzfähig werden.

Einleitung

In den frühen siebziger Jahren wandelten sich unsere Universitäten von Lehr- und Forschungsstätten für eine kleine Minderheit zu akademischen Lehranstalten für einen stetig wachsenden Anteil junger Menschen. 1999 erhielten immerhin 38 Prozent eines Jahrgangs die Berechtigung für ein Hochschulstudium. Das ist im internationalen Vergleich und für eine hoch technisierte, global vernetzte Gesellschaft, in der die Wissenschaften alle Bereiche des Alltags durchdringen, immer noch zu wenig.


Seit drei Jahrzehnten wächst der Bedarf an wissenschaftlicher Ausbildung für alte und neue Berufe. Wir stehen vor der Notwendigkeit, das Hochschulsystem an die inhaltlich und vor allem quantitativ veränderten Lehraufgaben anzupassen. Inzwischen haben sich Regale mit Reformvorschlägen gefüllt, die darauf zielen, das tertiäre Bildungssystem für eine effiziente wissenschaftliche Massenausbildung bei Wahrung hoch qualifizierter Forschung fit zu machen. Die meisten dieser wohl durchdachten Konzepte verstauben in den Dienststuben der Hochschulen und Ministerien.

Die Politik hat auf die Ausweitung der akademischen Bildungsanforderungen mit der Gründung neuer Hochschulen geantwortet und über Kapazitätsverordnungen die Zahl der Lehrenden an die Anzahl der Studenten gekoppelt, die den Hochschulen in den Massenfächern über die Zentrale Verteilungsstelle nach weitgehend fachunspezifischen Kriterien zugewiesen werden. Allen Professoren wird eine einheitliche Stundenzahl an Lehre verordnet, deren Erfüllung Semester für Semester von einer aufwändigen Bürokratie kontrolliert wird. In diesem gewaltig angewachsenen Lehrkörper hat jeder Professor das Recht, selbstbestimmt und nach Gutdünken zu forschen. Im Gegensatz zur Lehre bleiben die Forschungsintensität und -qualität bis zum heutigen Tag unkontrolliert. Mit diesen undifferenzierten Regeln einer staatlichen Mangelbewirtschaftung des tertiären Bildungssektors wurde jede - Lehre oder Forschung gewichtende - Binnendifferenzierung des Lehrkörpers unterbunden.

Die kürzlich in Kraft getretene 5. Novelle zum Hochschulrahmengesetz ist der erste ernsthafte Reformversuch, dieses lähmende Vorschriftennetz für die Professoren durch differenzierende Anreize zu durchbrechen und unsere Universitäten und Forschungsinstitute im internationalen Wettbewerb um die besten Wissenschaftler konkurrenzfähig zu machen.

Die Reform umfasst erstens die Einführung der selbstständigen Juniorprofessur zur Förderung der Besten unter dem wissenschaftlichen Nachwuchs und zweitens die Einführung von leistungsbezogenen Vergütungselementen bei der Professorenbesoldung.