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5.6.2002 | Von:
Jutta Ecarius

Ostdeutsche Kindheiten im sozialgeschichtlichen Wandel

Familiale Generationenlinien der Jahrgänge 1908 - 1929, 1939 - 1953 und 1968 - 1975

III. Sozialgeschichtliche Kindheitsräume und soziale Typisierungen

Biografische Erfahrungen und der sozialgeschichtlich strukturierte Raum ergeben zusammen das, was man als Kindheitserfahrungen bezeichnen kann und was das Spezifische einer Generation ausmacht. Vorstellungen von Kindheit fließen in Erziehungskonzepte ein und beeinflussen die Art und Weise der Generationsbeziehungen sowie die Gestaltungs- und Lebensräume der Kinder. An Kinder werden von der älteren Generation sowie den spezifischen institutionellen Einrichtungen und deren professionellen Vertretern ganz konkrete Anforderungen des Handelns und der Bildung gestellt. Wie Mead [6] herausstellt, entsteht das Selbst in Auseinandersetzung mit anderen. Verhaltensmuster, die jedes Kind erst langsam erlernt, bilden sich durch die antizipative Übernahme der Sicht sowie der Erwartungen anderer heraus: der Angehörigen der älteren Generationen. Zu Beginn des Lebens sind es konkrete Personen wie die Eltern, Großeltern, Geschwister, Freunde sowie professionelle ErzieherInnen, die dem Kind eine bestimmte soziale Welt präsentieren. Interaktionspartner, soziale Beziehungsschemata der Familie sowie anderer sind zentrale Hintergrundbedingungen, die das Kinderleben und damit den Prozess des Aufwachsens und der Erfahrungen beeinflussen.

Familie und damit Familienerziehung [7] ist vielfach strukturiert [8] . Familie als eine Lebensform unter anderen, die nicht auf einen Haushalt beschränkt ist, besteht aus mehreren Generationen. Während Familie auf der mikrostrukturellen Ebene individuell gestaltbar und an der Befriedigung subjektiver Bedürfnisse orientiert ist, ist sie auf der makrostrukturellen Ebene mit soziokulturellen, politischen und ökonomischen Strukturen einer Gesellschaft verknüpft. Hierzu gehören die Bedingungen des Arbeitsmarktes und des Berufslebens, das Geschlechter- und Generationenverhältnis sowie die normativen und gesellschaftspolitischen Bestimmungen der Institution Familie. [9] Hinzu kommen sozialpolitische Entscheidungen des Wohlfahrtsstaates, die allgemeine Schulpflicht, das Kindergeld etc. und rechtliche Regelungen der Familie. In der Familie verschränken sich individuelle Lebensmuster mit makrogesellschaftlichen Strukturen, wobei in der Regel mehrere Generationen über Verwandtschaftsgrade aufeinander bezogen sind. In der Familie sind die Generationenbeziehungen nicht freiwillig zusammengesetzt. Sie sind weder frei wählbar, noch sind sie prinzipiell aufkündbar. Elternschaft lässt sich nicht beenden, und jede/r ist ihr/sein Leben lang das Kind ihrer/seiner Eltern. Das Gleiche gilt für die Großeltern-Enkel-Beziehung. Familiale Generationsbeziehungen sind in ihrer Struktur von Ambivalenz gekennzeichnet: [10] Neben Übereinstimmungen gibt es immer auch unterschiedliche Auffassungen. Abhängigkeit und Unabhängigkeit sowie Nähe und Distanz prägen gleichermaßen die interaktiven Beziehungen.

Die Familie besteht vor allem aus drei Generationen. Während in der ältesten Generation die Kinder die Großeltern als Teil des Familienverbandes erleben, werden sie in der mittleren und noch stärker in der jüngsten Generation zu Erziehungspersonen. Die Bildungsmöglichkeiten für Frauen, die Berufstätigkeit und vielfältigen Angebote zur Weiterbildung führen dazu, dass die Großeltern stärker in der Familienerziehung eingebunden sind. Mit der Übernahme von Erziehungsaufgaben werden sie neben den Eltern zu primären Personen der Familienerziehung. Die Kinder der mittleren und vor allem jüngsten Generation skizzieren Großeltern, von denen sie betreut werden, die mit ihnen spielen und Hausaufgaben erledigen. Die Großväter werden als Vertreter von Familientraditionen erlebt, an denen sie sich, wenn eine positive Bindung besteht, orientieren. Auffällig ist, dass die Großeltern den Prozess der Modernisierung mitgehen. Auf diese Weise bleiben sie attraktive Gesprächspartner für die Enkel.

Kindheit war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eng in den Familienalltag eingewoben. Man kann hier von einer Verdichtung von sozialen Strukturen sprechen: Die Haus- und Lebensgemeinschaft war in vielen Familien auf die agrarische Reproduktion bezogen, und Kinder lernten früh, sich in die zeitlichen Rhythmen des Tages einzufinden und mitzuhelfen. Unterordnung und Religiosität sind Selbstverständlichkeiten kindlichen Lebens. Den Kindern wurde kein eigener Raum und damit keine eigene Zeitlichkeit zugestanden. Sie hatten sich in den Familienalltag, die Notwendigkeiten familialer Reproduktion wie die Mithilfe auf dem Bauern- oder Gutshof einzuflechten. Die kindlichen Räume der Arbeiterschicht waren von Not und spezifischen Freizeitformen gekennzeichnet, während Kinder auf Gutshöfen früh die agrarische Reproduktion miterlebten. [11] Weniger verständlich war ihnen die geschlechtsspezifische Erziehung mit ihren Beschränkungen und Disziplinierungen.

Die Kindergeneration, die um 1945 geboren ist, erfährt wie ihre Elterngeneration eine traditionelle Erziehung. Feste Regeln, Unterordnung, Befehle befolgen, die Wahrheit sagen, Mithilfe im Haushalt sowie Ordnung und Christlichkeit sind kindliche Alltagserfahrungen. Historische Großereignisse wie die Kriegs- und Nachkriegszeit wirken sich auf die Kindheitserfahrungen in der Regel nicht negativ aus, auch wenn von Hunger und Not berichtet wird. Erziehung und Aufwachsen vollziehen sich im Kontext von drei Generationen oder gar der gesamten Verwandtschaft. Die Heranwachsenden der 1945er Generation zeichnen in ihren Kindheitserinnerungen ein Bild von Großfamilie, in denen z. B. Cousinen zu Schwestern werden oder die Tante zur Mutter wird. Hier ist interessant, dass die Nachkriegszeit dazu dient, die alltäglichen Erfahrungen als Normalität zu beschreiben. Auch hat die Kindergeneration um 1945 das kennen gelernt, was Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim [12] für moderne Familien beschreiben. Sie war früh mit Trennungen in der Familie konfrontiert und musste lernen, was Verlassenwerden und Abschiednehmen bedeuten. Auch wenn die Ursachen andere waren und keine modernen Erklärungsmuster zur Verfügung standen, hatte sich diese Kindergeneration mit Trennungen auseinanderzusetzen. Die Nachkriegsgeneration, so geht aus dem Material hervor, deutet diese Erfahrungen im Rahmen eines Ausnahmezustands als Normalfall, während gegenwärtig ganz andere Interpretationsmuster, die der Pluralisierung von Familie und der Auflösung der traditionellen Familienstruktur, zur Verfügung stehen. Die Normalitätskonstruktionen sind somit andere, auch wenn die Strukturen des Verlassenwerdens in beiden Generationen zum Prozess des Aufwachsens gehören. Der Nachkriegszustand erlaubt, unterschiedliche Familienkonstellationen, die nicht dem Standardmodell entsprechen, in positiver Weise als Normalität im Sinne eines ‘"Das war halt so‘" zu erinnern. Auf diese Weise verspüren sie keinen Plausibilitätsdruck.

Kindheit nach 1945 heißt aber in der SBZ bzw. späteren DDR auch, mit einem kindlichen Raum konfrontiert zu sein, der sozialistische Inhalte und eine sozialistische Erziehung zum Ziel hat. Dabei erleben sie, dass die Eltern, die um 1908 - 1929 geborenen sind, an Vorstellungen ihres Sozialmilieus ansetzen und versuchen, sie entsprechend zu beeinflussen. Der Besuch der Oberschule wird von Eltern mit bürgerlichem Hintergrund als selbstverständlich erachtet, auch wenn sie in der Schule Ausgrenzungen erfahren. Während innerhalb der Familie Muster sozialer Segregation weiterhin transportiert werden und die Anforderungen an ihre Kinder in Bezug auf die schulische Laufbahn sowie die Freizeitgestaltung ihrem Herkunftsmilieu entsprechen, versuchen die öffentlichen Institutionen, diese Muster kindlicher Raumgestaltung zu durchbrechen. Dadurch erleben Kinder mit bürgerlichem und christlichem familialen Hintergrund Widersprüche und Ausgrenzungen. Diese werden zu typischen Erfahrungen von Kindheit der um 1945 Geborenen.

Die jüngste Generation, die ihre Kindheit in den siebziger Jahren erlebt, wächst in eigens für sie entwickelten Institutionen auf. Dazu gehören der Kindergarten, die Schule, Freizeitgruppen wie Schwimmen, Volleyball etc., sowie die Pionier- und FDJ-Organisation. Das Ziel der staatlichen Einrichtungen, der Pionierorganisation, die alle Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren erfasste, und des schulischen Bildungswesens war die moralisch sittliche Erziehung zur "sozialistischen Persönlichkeit". Der institutionalisierten Kindheit stand im Bereich der Familie eine intime und moderne Erziehung gegenüber. Die Eltern sind Vertrauenspersonen und die eigene Gestaltung der Freizeit ist selbstverständlich. Die jüngste Generation erlebt eine kindbezogene Familienfreizeit und einen großen Grad der Informalisierung. Aber sie werden aus ihrer Sicht auch zu Ordnung, Pünktlichkeit und teilweise Christlichkeit erzogen, auch wenn sie ihren Freizeitinteressen folgen dürfen, wobei die Großeltern nicht nur Bezugs-, sondern auch Erziehungspersonen sind. [13] Zugleich garantierte die institutionelle Einbindung der Heranwachsenden in das sozialistische Bildungs- und Erziehungssystem eine sozialistische Erziehung. Alle Kinder durchliefen in der DDR gemeinsam die Polytechnische Oberschule. Kindheit war nicht beginnendes Bildungsmoratorium. Das Spielen und der kindliche Gemeinschaftsverband konnten ohne schulisches Konkurrenzgebaren und eine frühzeitige Leistungsorientierung in den Vordergrund gestellt werden.

Aber auch bürgerliche Erziehung wird weiterhin in Familien praktiziert, auch wenn sie ganz auf den privaten Raum der Familie verwiesen ist. Bürgerliche Kindheit ist manchmal eng mit christlicher Kindheit verbunden. Dort bilden sich Enklaven, in denen unter dem Mantel der Christlichkeit bürgerliche Werte in einem geschützten Raum transportiert werden. Die Kinder erlernen eine gewisse Widerstandsfähigkeit und Kritikfähigkeit gegenüber dem politischen System. Die Konstruktion eines feindlichen Außen und intimen, geschützten Innen erleichtert die Identifikation mit der Kirche oder der Gemeinde. Freunde werden ebenfalls innerhalb der Gemeinde gewonnen. Die Eltern unterstützen solche Freundschaften. Die Erziehung ist in der Regel fortschrittlich und diskursiv. Praktiziert wird ein Verhandlungshaushalt an der langen Leine, solange sich die Kinder im Rahmen der Gemeinde bewegen.

Insgesamt kann man von einer Konstruktion von Kindheit und kindlichen Räumen sprechen, die normative Muster des Verhaltens und ganz spezifische Angebote des Lernens sowie der Vorstellung von Kindlichkeit enthalten. [14] Kinder setzen sich sowohl mit den normativen Anforderungen als auch den sozialen Räumen auseinander, bilden ein Selbstkonzept aus und erlangen Handlungskompetenz. Sie übernehmen Muster von Kindheit und integrieren sie in ihr Kinderleben. Kindheit bedeutet zugleich immer auch, Erfahrungen mit elterlicher und großelterlicher Erziehung zu sammeln, emotionale Zuwendung oder Kälte und Distanz bzw. soziale Unterstützung oder Vernachlässigung zu erfahren. Es sind Erfahrungen mit familialen Interaktionsmustern und sozialen Machtstrukturen. Fehlt es an emotionaler Nähe und Geborgenheit, übt selbst die dritte Generation Kritik. Die Familie wird als eine komplexe Lebenswelt und als Lernfeld erlebt, in der diese Kinder auf Unterstützung und Fürsorge angewiesen sind. Den Kindern erscheint die Familie als ein Ensemble interagierender Personen, die durch ihre spezifische Struktur das primäre Lernumfeld abgeben. Erziehung hat darin oft die Struktur von Alltagshandlungen. Die Regeln, die ausgehandelt werden, oder die Befehle, denen sie zu folgen haben, sind in die familiale Interaktion als Teil des Ganzen eingebettet. Innerhalb dessen gestaltet sich Erziehung nicht nur als ausbalancierte Interaktion, sondern sie ist durch das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Bedürfnisse, Interessen und Intentionen immer auch konfliktreich.

Die Familie ist für Kinder ein zentraler Ort erster Erfahrungen und Erlebnisse. Neben der Grundversorgung der Kinder, der Befriedigung elementarer Bedürfnisse wie Ernährung, der emotionalen Zuwendung und der Organisation des kindlichen Alltags "muss die Entwicklung und Entfaltung der Identität und Persönlichkeit des Kindes (Individuation) sowie seine allmähliche Integration in die Gesellschaft durch reflexives Erlernen von Werten, Rollen, Handlungsmustern, Fertigkeiten usw. geleistet werden. Dazu müssen umfangreiche Prozesse der Individuation, Sozialisierung und Enkulturation gewährleistet, Zuständigkeiten festgeschrieben und ihre Einhaltung kontrolliert werden" [15] . Diese Leistungen, die von den Kindern erbracht und von den Erwachsenen unterstützt werden, gehören zu den zentralen Aufgaben und Erfahrungen von Kindheit, Aufwachsen, Erziehung und Familie. Je nach Zeitgeschichte und sozialgeschichtlicher Ausgestaltung von Kindheit finden wir unterschiedliche Akzentuierungen. Die Auflösung der Sozialmilieus, das Ansteigen des Lebensstandards sowie der Wandel von einer frühindustriellen Gesellschaftsstruktur mit Elementen bäuerlicher Reproduktionsstruktur hin zu einer teilmodernisierten Gesellschaftsstruktur der DDR wirken auf die Gestaltung der kindlichen Räume. Die familialen Erziehungskonzepte, der Wandel vom Befehls- zum Verhandlungshaushalt an der kurzen Leine sind Teil dieses sozialgeschichtlichen Wandels. Die Konstitution von Kindheitsräumen kann nicht losgelöst davon betrachtet werden.

Geht man davon aus, dass Kindheitsräume sozial konstruiert sind und entsprechende soziale Normierungen und Typisierungen enthalten, und betrachtet man vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Verständnisses von Kindheit die Erfahrungen und Erinnerungen der älteren Generationen an ihre Kindheit, wird klar, dass sie sich mit unterschiedlichen Bildern von Kindheit auseinander zu setzen haben. Die älteste Generation sieht sich gezwungen, ihre Erfahrungen von Kindheit mit einem modernen Bild von Kindheit zu konfrontieren und sich mit der Andersartigkeit ihrer Kindheitserlebnisse auseinander zu setzen. Die Muster des traditionalen Befehlshaushalts, die Unterordnung und das Befehlen gehören einer zeitgeschichtlichen Vergangenheit an. Eine solche Erziehung wird heute kaum noch praktiziert. Aber auch die Räume von Kindheit sind andere geworden. Traditionelle Muster von Kindheit, wie sie die Kindergeneration der 1908 - 1929 Geborenen erfahren hat, haben für die Gegenwart ihre Legitimation verloren. Ihre Erinnerungen lassen sich nur schwer oder gar nicht in gegenwärtige soziale Typisierungen und das heutige Verständnis von Kindheit einfügen. Selbst in der Kindheitsforschung werden Kinder nicht mehr wie noch in der amtlichen Sozialberichterstattung von 1989 [16] als zukünftige Erwachsene, als kollektives, zukünftiges Humankapital der Gesellschaft, als Anhängsel von Familien, als Element der Lebensqualität der Eltern betrachtet. [17] Vielmehr ist auch hier Kindheit eine eigenständige Lebensphase. [18] Befehlen und Gehorchen werden gegenwärtig mit Vernachlässigung und menschlicher Härte, wenn nicht sogar Grausamkeit assoziiert. Die älteste Generation betont häufig, dass sie trotz Härte und Strenge Liebe und Fürsorge sowie genügend soziale Unterstützung erfahren und sich nicht vernachlässigt gefühlt hat. In den Erzählungen werden an manchen Stellen Naturerlebnisse eingeflochten. Das Spielen im Freien, das Herumstrolchen in Wäldern und die Weite der Natur stehen als Synonym für eine schöne, glückliche und unschuldige Kindheit. Diese Bilder werden vor dem Hintergrund einer modernen Kindheit gezeichnet, wobei ein Gegensatz zwischen "echter", bzw. "natürlicher" Kindheit versus "künstlicher" Kindheit genannt wird. Naturerleben als Sinnbild von wahrer Kindheit wird mit den Elementen des heutigen modernen, zivilisatorischen Lebens - d. h. dem Umgang mit Technik, mit dem Computer, mit dem enorm gewachsenen Verkehr - konfrontiert, die eine traditionale naturverbundene Kindheit verunmöglichten. Solche Argumentationsfiguren legen nahe, Elemente von Kindheit, die das Befehlen und Unterordnen in der familialen Reproduktion betreffen, in den Hintergrund rücken zu lassen. Es wird aber auch explizit auf moderne Kindheit Bezug genommen und die Erziehung zur Sauberkeit, Ordnung, Wahrheitsliebe und zu christlichem Glauben positiv hervorgehoben. Aber auch hier stehen die Kindheitserlebnisse im Kontext gegenwärtiger Konstruktionen von Kindheit.

Die Möglichkeiten und Räume des Aufwachsens für Kinder sowie die Bilder von Kindheit sind insgesamt eng verwoben mit der jeweiligen sozialen Struktur. Bilder des Selbst entstehen im Kontext der intergenerationalen familialen Interaktionen über mehrere Generationen in Auseinandersetzung mit sozialgesellschaftlichen Ereignissen und dementsprechenden Erfahrungen. Soziale Strukturen, familiale Erziehungspraxis, Kindheitsräume und die Konstitution des Selbst, die Handlungskompetenzen und Lebensvorstellungen sind aufeinander bezogen. Die Subjekte produzieren nicht nur ihre Wirklichkeit, sondern die Bildung des Selbst ist auch beeinflusst von sozialen Interaktionsmustern und Strukturen. [19] Über Erziehungskonzepte werden im intergenerationalen Austausch, in den Eltern und Großeltern involviert sind, Bilder von Kindheit vermittelt, die für Kinder konkret erfahrbar sind; in der Auseinandersetzung mit ihnen entwickeln sie Handlungskompetenz, Kreativität und Eigenständigkeit.

Fußnoten

6.
Vgl. G. H. Mead (Anm. 1).
7.
Vgl. Klaus Mollenhauer/Micha Brumlik/Harald Wudtke, Die Familienerziehung, München 1975.
8.
Vgl. Andreas Lange/Wolfgang Lauterbach, Aufwachsen mit oder ohne Großeltern? Die gesellschaftliche Relevanz multilokaler Mehrgenerationsfamilien, in: Zeitschrift für Sozialpsychologie und Erziehungssoziologie, 18 (1998) 3, S. 227 - 249.
9.
Vgl. Norbert F. Schneider, Familie und private Lebensführung in West- und Ostdeutschland. Eine vergleichende Analyse des Familienlebens 1970 - 1992, Stuttgart 1994.
10.
Vgl. Kurt Lüscher/B. Pajung-Bilger, Forcierte Ambivalenzen. Ehescheidung als Herausforderung an die Generationenbeziehungen unter Erwachsenen, Konstanz 1998.
11.
Vgl. Ingeborg Weber-Kellermann, Kindheit in der Stadt - Kindheit auf dem Lande, in: Christa Berg (Hrsg.), Kinderwelten, Frankfurt/M. 1991, S. 103 - 131.
12.
Vgl. Ulrich Beck/Elisabeth Beck-Gernsheim (Hrsg.), Riskante Freiheiten, Frankfurt/M. 1994.
13.
Vgl. Jutta Ecarius, Erziehung in einer Institution. Drei Generationen in Familien, in: Erhart Liebau/Doris Schuhmacher-Chilla/Christoph Wulf (Hrsg.), Anthropologie pädagogischer Institutionen, Weinheim 2001, S. 309 - 332.
14.
Vgl. Imbke Behnken/Jürgen Zinnecker, Kindheit und Biographie, in: Ralf Bohnsack/Winfried Marotzki (Hrsg.), Biographieforschung und Kulturanalyse, Opladen 1998, S. 152 - 167.
15.
Vgl. K. Mollenhauer/M. Brumlik/H. Wudtke (Anm. 7).
16.
Vgl. Petra Buhr/Angelika Engelbert, Childhood in the Federal Republic of Germany. Trends and Facts. Bielefeld, Institut für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik der Universität Bielefeld, 1989.
17.
Vgl. R. Berger-Schmitt, Arbeitsteilung und subjektives Wohlbefinden von Ehepartnern, in: W. Glatzer/R. Berger-Schmitt (Hrsg.), Haushaltsproduktion und Netzwerkhilfe. Frankfurt/M.-New York 1986, S. 141 - 174.
18.
Vgl. I. Behnken/J. Zinnecker (Anm. 14).
19.
Vgl. Peter L. Berger/Thomas Luckmann, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, Frankfurt/M. 1996.