BUNDESTAGSWAHL 2021 Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild
1|2|3|4|5|6|7|8 Auf einer Seite lesen

5.6.2002 | Von:
Thomas Meyer

Moderne Elternschaft - neue Erwartungen, neue Ansprüche

Die Institution der Elternschaft ist nachhaltigen Veränderungsprozessen unterworfen. Für breite Kreise aus den "modernen", "gebildeten" Mittelschichten gilt, dass die Ausgestaltung der Elternrollen anspruchsvoller geworden ist.

Einleitung

Die Zeit wird kommen, in der das Kind als heilig angesehen wird.(Ellen Key 1902)

I. Einleitung

Während bei Sachbuchautoren Erziehungs- und Elternfragen gerade wieder einmal Konjunktur haben, finden diese in der sozialwissenschaftlichen Familienforschung der letzten Jahre nur eine vergleichsweise geringe Aufmerksamkeit. Ausnahmen [1] scheinen hier nur die Regel zu bestätigen. Bestimmend bleibt der Eindruck, dass in weiten Teilen der einschlägigen Literatur Gedanken zur familialen Erziehung fast immer wie nachträglich hinzugefügt wirken. Damit ist der Ansatzpunkt meines Beitrags benannt: In seinem Mittelpunkt steht die Institution der "Elternschaft", wobei meine schon im Titel angezeigte Leitthese lautet: Das Geschäft der Elternschaft und Erziehung ist nachhaltigen Wandlungsprozessen unterworfen. Für breite Kreise der "modernen", "gebildeten" Mittelschichten ist die Ausgestaltung der Elternrolle - für Mütter, zunehmend aber auch für Väter - umfangreicher, anspruchsvoller und schwieriger geworden.

Zur Begründung meiner These, die dem aktuellen populärwissenschaftlichen Diskurs über eine Vernachlässigung der Erziehung widerstreitet, werde ich nachfolgend einige ausgewählte Befunde aus der Kindheits-, Frauen- und Schulforschung zusammenführen. Dabei soll es um fünf Beobachtungen gehen. Den Abschluss meines Beitrages bildet eine knappe theoretische Deutung meiner Beobachtungen. Dabei werde ich von der Perspektive ausgehen, dass es in Anbetracht der Wandlungen des Eltern-Kind-Systems immer problematischer erscheint, die Familie als Inbegriff der Privatheit zu verstehen, die das Gegenprinzip der rationalen und instrumentell orientierten Organisationswelt der Öffentlichkeit verkörpert.

II. Vorverlagerte Elternschaft

Zum Signum der modernen Elternfamilie gehört es, dass das mit ihr verbundene Hochleistungsprogramm nicht nur auf die nachgeburtliche Phase aktiver Elternschaft beschränkt ist. [2] Vielmehr sind es mittlerweile schon die werdenden Eltern, die vom "Kontrollregime" medizinischer und psychologischer Experten erfasst werden. Jedenfalls scheinen die Zeiten vorbei zu sein, als die Eltern einfach nur neun Monate in "froher Erwartung" waren und Schwangerschaft und Geburt sich im Rahmen überlieferter Traditionen und Gewohnheiten gleichsam naturwüchsig vollzogen.

Im Namen der Wissenschaft entwickeln sich heute Standards, denen zufolge Schwangerschaft und Geburt zusehends als Risikofaktoren betrachtet und die Eltern nicht nur dafür verantwortlich gemacht werden, wie viele Kinder sie bekommen, sondern auch dafür, dass diese gesund sind. Das Netz an Kontrollen und Anordnungen, welches über die Eltern gestülpt wird, wird immer dichter. So findet sich in Deutschland das weltweit dichteste System einer technisch-apparativen Versorgung von Schwangeren. Seit der Reform der Mutterschaftsrichtlinien im Jahr 1979 haben sich Art und Umfang der Vorsorgeuntersuchungen ständig ausgeweitet. Die Zahl der empfohlenen Kontrolluntersuchungen hat sich von anfangs 10 auf mittlerweile 14 erhöht, wobei drei obligatorische Ultraschalluntersuchungen zum Standardprogramm gynäkologischer Praxen gehören, ohne dass dies indessen im europäischen Vergleich zu sonderlich herausragenden Ergebnissen geführt hätte. Bemerkenswert ist, dass ca. 70 bis 80 Prozent aller Schwangerschaften von "ärztlicher Seite als kontrollbedürftige Risikofälle" definiert werden. In den Niederlanden ist das Verhältnis umgekehrt: 70 Prozent gelten als nicht mit Risiken behaftet und gelangen deshalb auch nicht in das fachärztliche Kontrollkuratel. [3] Im Klartext: In Deutschland werden auch jene Schwangeren immer intensiver überwacht, die eigentlich nicht besonders gefährdet sind.

Die hier angedeutete Problematik lässt sich auch am Beispiel der Pränatal- und Gendiagnostik veranschaulichen. So hat sich die Zahl der Frauen, die seit der Einführung des Ultraschalls vor 30 Jahren vorgeburtliche diagnostische Maßnahmen über sich ergehen lassen, stetig erhöht. Aber nicht nur das - die betroffenen Frauen sind durchschnittlich auch immer jünger geworden; gegenwärtig sind es mehr als die Hälfte der über 35-jährigen Schwangeren, die ihre Kinder auf genetische Abweichungen untersuchen lassen. Ohne Übertreibung lässt sich daher die Pränataldiagnostik heute auch als eine Art Routineuntersuchung im Rahmen der üblichen Schwangerschaftsvorsorge betrachten. Die sich hinter dieser Entwicklung verbergenden Motive sind klar: Es ist der Wunsch nach einem gesunden Kind oder, schärfer formuliert, der Zwang zum unbehinderten Kind. Ganz in diesem Sinn bemerkt auch Bob Edwards, einer der wissenschaftlichen Väter des ersten Retortenbabys, dass es bald eine Sünde sein wird, wenn Eltern ein Kind mit schweren Behinderungen zur Welt bringen. [4] Neu daran ist, dass es nie zuvor eine Gesellschaft gab, in der sich alle schwangeren Frauen auf eine Abweichung von Chromosomen von der Norm, also auf eine, wie Barbara Duden [5] formuliert, "wissenschaftliche Wahrsagerei", einrichten mussten. Damit ist das verschwunden, was früher "gute Hoffnung" hieß. Mit jedem Test, so Duden, wird "der schwangeren Frau eingeredet, ja physisch eingetrichtert, dass sie sich ängstigen muss - für sich und das kommende Kind. Die Folge: Sie ist "diagnosebedürftig, wenn nicht diagnosesüchtig geworden".

Es ist freilich nicht das medizinisch-ärztliche Kontrollsystem allein, dem die zu beobachtende verstärkte Inregienahme der Schwangerschaft zu verdanken ist. Hinzu treten neuerdings auch die Botschaften der Pränatalpsychologie, einer boomenden Disziplin, die den Folgen pränataler Ablehnungen und Belastungen für die Kindesentwicklung nachspürt. Ihr zentraler Appell lautet, möglichst schon zum vorgeburtlichen Kind eine Beziehung aufzubauen und es keinesfalls allein der medizinischen Observation zu überlassen. Passend hierzu wird in einer Elterninformationsbroschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 1995 geraten: "Versuchen Sie, schon in der Schwangerschaft eine Beziehung zu ihrem Baby zu finden. Es ist Ihr Kind von Anfang an, und es spürt, ob Sie mit liebevollen, nur sorgenvollen oder gar keinen Gedanken bei ihm sind."

Erwähnt werden sollte noch, dass die werdenden Väter seit geraumer Zeit ebenso selbstverständlich wie die werdenden Mütter von den neuen Geboten einer "beziehungsorientierten Schwangerschafts- und Geburtskultur" (Ludwig Janus) in Beschlag genommen werden. So ist beispielsweise der normative Druck für Männer, Vorsorgeuntersuchungen und Vorbereitungskurse gemeinsam mit ihrer Frau zu organisieren und zu besuchen, in den letzten Jahren enorm gewachsen. Erst recht gilt dies für die Aufforderung, dem Ereignis der Geburt beizuwohnen. Die Abweichung von diesem Imperativ kommt mittlerweile einem Tabubruch gleich. Nicht nur üblich, sondern kulturell erwartet und erwünscht ist es mittlerweile, Schwangerschaft und Geburt als eine bewusste, gemeinsam gewollte und geteilte Erfahrung anzusehen. Hierzu gehört aber auch die an beide Elternteile adressierte Erwartung, sich in punkto Schwangerschaft, Geburtsvorgang, Entbindung und Säuglingspflege zu Experten zu machen und gemeinsam das Wo und Wie der Entbindung (Klinikgeburt, Hausgeburt, "sanfte Geburt"u. ä.) abzuklären.

III. Professionalisierte Elternschaft

Vor allem jüngeren Studien aus der Familien- und Frauenforschung ist zu entnehmen, dass sich gegenwärtig schon mit dem Säuglings- und Kleinkindalter der Kinder für die Eltern, insbesondere die Mütter, ein historisch beispielloses Anforderungsprogramm verbindet. Angefeuert von einer "Je-früher-desto-besser-Psychologie", die eine defizitäre Frühförderung mit verpassten Entwicklungschancen gleichsetzt, lautet die an die Eltern gerichtete Erwartungshaltung, die Fähigkeiten des Nachwuchses vom ersten Tag an voll zu entfalten. Die Norm bestmöglicher Förderung verpflichtet die Eltern, ihren Kindern durch Erziehung die optimalen Startchancen für Selbstverwirklichung und sozialen Aufstieg zu eröffnen. Nach einer Studie von Thomas Fuhr [6] ist es ein 14 Punkte umfassender Minimalkatalog, dem sich heutige Eltern zu stellen haben: ".... . . der kognitiven, sozialen, emotionalen und sprachlichen Förderung, der Sexualerziehung, der Medienerziehung, der Förderung der Erkundungsfreude, der motorischen Fähigkeiten, der Wahrnehmungsfähigkeiten, des Gedächtnisses, des Spiels, der Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit, eines bestimmten Umgangs mit der Geschlechterfrage und der Entwicklung stabiler Beziehungen zu den Eltern."

Es kann nun als charakteristisch gelten, dass die Eltern zur Bewältigung dieses ohne Anspruch auf Vollständigkeit referierten Aufgabenkatalogs ihr Handeln - teils bewusst, teils unbewusst - an dem pädagogisierten und psychologisierten Wissen so genannter Erziehungsexperten ausrichten. Daher erscheint es auch kaum übertrieben, von einer Semiprofessionalisierung der Elternschaft zu reden. Hier ist nicht nur an den Einfluss der verschiedenen Formen sozialpädagogischer Familienhilfe, professioneller Erziehungsberatungsstellen und Elternbildungsprogramme zu denken. Wichtiger noch sind angesichts ihrer Reichweite die zahllosen Elternzeitschriften, Ratgeber, Elternbriefe, Fernseh- und Radiosendungen sowie die von Familien- und Gesundheitsministerien, Krankenkassen und Verbänden kostenlos verbreiteten Informationsbroschüren, die allesamt mehr oder weniger stark von einem pädagogisch-populärwissenschaftlichen Gestus präformiert sind. Deren Botschaft lässt sich, unbeschadet aller Unterschiede im Detail, in einem Satz zusammenfassen: Es geht darum, das Wohlergehen und Glück der Kinder, ihre Personwerdung, Identitätsbildung und Individualitätsansprüche mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu fördern; die Kinder in ihrer Eigenart wahrzunehmen und anzusprechen, ihre Wünsche zu achten, und das alles auch dann, wenn sich dies mit dem Zurückstellen eigener Begehrlichkeiten verbindet.

Ganz in diesem Sinn heißt es in der von der Techniker-Krankenkasse herausgegebenen Ratgeberbroschüre "Kleinkind" aus dem Jahr 1997 zum Thema Babyschreien: "Dies ist bereits biologisch festgelegt, denn Babys schreien nie ohne Grund: Hunger, Durst, Frieren, Schwitzen, Nässe, Einsamkeit und Angst sind Gefühle und Bedürfnisse, die Babys ihren Eltern durch Schreien mitzuteilen versuchen. Kinder unter einem Jahr sollte man daher weder tagsüber noch nachts schreien lassen, sondern sich immer bemühen, den Grund herauszufinden. Das hat nichts mit Verwöhnen zu tun, sondern es vermittelt Babys das notwendige Grundvertrauen in die Welt, damit sie diese möglichst angstfrei entdecken und erleben können." Zu den Begleiterscheinungen dieser Devisen gehört die von klein auf gehegte Erwartung der Kinder, von ihren Eltern stets berücksichtigt zu werden, im Mittelpunkt zu stehen und eine möglichst sofortige Befriedigung all ihrer Wünsche zu erfahren.

IV. Bildungsengagierte Elternschaft

Mehr noch als alles andere scheint es mir der säkulare Bedeutungsanstieg der Schule zu sein, der die Eltern unter einen erhöhten Anforderungsdruck stellt. Spätestens seit der politischen Bildungswerbung und Bildungsexpansion der sechziger und siebziger Jahre kommt der Schülerrolle nunmehr auch familienintern ein überragender Stellenwert zu. In dem Maße, in dem der erreichte Schulabschluss und mit ihm die Erziehung zum Schlüsselbegriff für gesellschaftlichen Erfolg oder Misserfolg wurde, ist das Ideal der bestmöglichen Entwicklung aller kindlichen Fähigkeiten zum allgemeinen Leitwert avanciert. Gleichgültige Erziehungsstile sind im Rückschritt begriffen.

Selbst Elterngruppen, die bislang dem Bildungssystem eher reserviert gegenüberstanden, ist die Bedeutung der Schule als die zentrale Zuweisungsstelle von sozialen Lebenschancen präsent. Dementsprechend ist die Bereitschaft und die Kompetenz der Eltern zu umfassend erzieherisch-reflektiertem Verhalten erheblich gestiegen. Heutzutage leistet es sich nur noch eine Minderheit, die Schule auf die leichte Schulter zu nehmen. In Deutschland sind es laut Heidrun Bründel und Klaus Hurrelmann [7] ungefähr ein Fünftel der Kinder, die in ihren Familien häufig auf Gleichgültigkeit stoßen und eine dementsprechend geringe Förderung erhalten. Für die große Mehrheit lautet das einhellige Credo, allen Kindern, d. h. den traditionell hintangestellten Mädchen ebenso wie den Jungen, eine möglichst optimale Mitgift für ihren schulischen Werdegang zukommen zu lassen - eine Entwicklung, die dadurch noch forciert wird, dass weiterführende Schulabschlüsse im Rahmen der Bildungsexpansion und eines anhaltend prekären Arbeitsmarktes ihre Rolle als sichere Statusgaranten eingebüßt haben, so dass viele Eltern ihre Kinder noch mehr anspornen, um durch gesteigerte Anstrengungen ihre individuellen Chancen zu verbessern.

Der steigenden Bildungssensibilität entspricht, dass sich die Eltern auf breiter Front einen möglichst hochwertigen Schulabschluss für ihre Kinder wünschen. Während der Volks- oder Hauptschulabschluss bis vor wenigen Jahrzehnten die schulische Normqualifikation bedeutete, ist seine Akzeptanz in den letzten 25 Jahren stetig gesunken; dagegen hat der Wunsch nach einem Realschulabschluss oder dem Abitur immer mehr zugenommen. Mittlerweile erwarten ungefähr die Hälfte (westdeutscher) Eltern von ihren Kindern die Hochschulreife als Schulabschluss, bei den Eltern mit Abitur sind es sogar über 90 Prozent. [8] Festzuhalten bleibt, dass sich die kollektiven Definitionsinhalte der Elternrolle nachhaltig in Richtung Schule verschoben haben. Mehr noch: Zumindest mit Blick auf das im Wachsen begriffene Segment einer sehr bildungsehrgeizigen Elternschaft scheint es gerechtfertigt, das Problem einer elterlichern "Über-Erziehung" [9] auf die Tagesordnung zu setzen. Denn nicht nur viele Kinderpsychiater und Familientherapeuten stufen das intensive schulbezogene Elternengagement immer häufiger als "pathogen" ein. Auch sozialwissenschaftliche Studien belegen, dass der "lange Arm" [10] der Schule zusehends in den "Schonraum" Familie eindringt, dass schulische Belange mittlerweile zum beherrschenden Thema des Familienlebens geworden sind und Aspekte, die sich auf die private Lebensführung, Politik oder Religion beziehen, bei weitem übertreffen. [11]

Auffallend ist weiterhin, dass Fragen hinsichtlich des Schulerfolgs und der beruflichen Lebensplanung die Eltern mehr noch als ihre Kinder zu bewegen scheinen. Zahlreiche Eltern fühlen sich aufgerufen, durch stete Informationsarbeit und eine anhaltende Motivations-, Durchhalte- und Platzierungspolitik die mit immer mehr Leistungs- und Qualifikationsanforderungen versehenen und immer längeren Schulkarrieren ihrer Kinder zu stützen. Die sprunghaft verlängerten Ausbildungszeiten tragen das ihre dazu bei, dass sich die Eltern nicht nur viel stärker für die schulischen Belange ihrer Kinder engagieren als je zuvor, sondern als eine Art Karriere- und Laufbahnberater die immer zahlreicher gewordenen Umentscheidungen bezüglich Schule, Ausbildung und Beruf begleiten. [12] Belegt ist ebenfalls, dass viele Migranteneltern - etwa aus der Türkei, vor allem aber aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion - ihre mit der Zuwanderung verbundenen Aufstiegswünsche auf die Bildungskarrieren der Kinder projizieren. Daher überrascht es nicht, dass auch diese Bevölkerungsgruppe eine nachhaltige Intensivierung der elterlichen Erziehungsanforderungen in der deutschen Aufnahmegesellschaft erfährt. [13]

Im Rahmen der hier angesprochenen Problematik ist noch das bekannte Paradox der Bildungsexpansion zu beachten, dass Bildungszertifikate gleichzeitig mehr und weniger wert sind: mehr, weil höhere Abschlüsse immer wichtiger für den Einstieg in viele Berufslaufbahnen werden; weniger, weil sie immer seltener eine attraktive Berufskarriere garantieren. Dabei wirken die Eltern in der Regel weniger als Filter, welche die Leistungsansprüche abmildern, denn als Katalysatoren, welche die Leistungsmotivation antreiben und in Gang halten. [14] Dementsprechend verspüren viele Kinder einen bildungsbezogenen elterlichen Erwartungsdruck, der sich nachweislich oftmals auch in Gesundheitsstress niederschlägt. Zu diesen Befunden passt es, wenn Schulforscher davon berichten, dass Eltern-Kind-Beziehungen vielfach sozusagen in eine Schulbeziehung mutieren, wo Zuneigung nach Schulnoten dosiert und in Form von Geldzuwendungen dosiert wird. Nach dem Motto "Liebe gegen Leistung" gerät die elterliche Wertschätzung in die Abhängigkeit schulischer Erfolgs- und Notenkonjunkturen.

Erwähnenswert ist auch die Beobachtung, dass bei bildungsengagierten Familien vielfach sogar der Freizeitbereich - der aufgrund des deutschen "Vormittagsschulsystems" im Vergleich zu anderen Ländern außerordentlich umfangreich ausfällt - von dem selbst auferlegten Erziehungsanspruch durchzogen bleibt, "etwas Sinnvolles" [15] für den Nachwuchs arrangieren zu müssen. Vor allem wenn das Grundschulalter überschritten ist, werden die Kinder permanent in Trab gehalten, um Wettbewerbsvorteile im kulturellen Konkurrenzkampf zu erlangen. Die Eltern treten gleichsam als pädagogische Freizeitunternehmer auf den Plan, die, getrieben von der Norm, etwas möglichst "Vernünftiges" zu tun, immerfort Anregungen geben.

Pointiert schreibt Elisabeth Beck-Gernsheim zum immer anspruchsvoller werdenden Konzept von Elternschaft: "Das Kind darf immer weniger hingenommen werden, so wie es ist, mit seinen körperlichen und geistigen Eigenheiten, vielleicht auch Mängeln. Es wird vielmehr zum Zielpunkt vielfältiger Bemühungen. Möglichst alle Mängel sollen korrigiert werden (nur kein Schielen, Stottern, Bettnässen mehr), möglichst alle Anlagen sollen entwickelt werden (Konjunktur für Klavierstunden, Sprachferien, Tennis im Sommer und Skikurs im Winter). Ein neuer Markt entsteht, mit immer neuen Programmen für das allseitig zu fördernde Kind. Und schnell nehmen die neuen Möglichkeiten den Charakter neuer Pflichten an. Denn die Eltern können nicht nur, nein: sie sollen nun auch das Kind mit Zahnspange und orthopädischen Einlagen, mit Skikurs und Sprachferien versorgen." [16]

V. Kommunikative Elternschaft

Der nicht nur zwischen den Eheleuten, sondern auch zwischen Eltern und ihren Kindern seit geraumer Zeit zu beobachtende Abbau familialer Machtstrukturen, die so genannte "Emanzipation des Kindes" [17] , ist ein weiteres Merkmal, das zur Komplizierung des aktuellen Erziehungsgeschehens beiträgt. Gemäß dem kulturellen Klima unserer Zeit, welches dabei ist, das "Erziehungsverhältnis" zwischen Eltern und Kindern in ein "Beziehungsverhältnis" zu transformieren, sind die Eltern immer stärker aufgefordert, Verständnis für ihre Kinder zu zeigen und ihnen primär als Freunde und Partner und immer weniger als Autoritätsperson gegenüberzutreten. Der Nachwuchs wird schon sehr früh nicht nur als autonome Persönlichkeit mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen akzeptiert, sondern auch als eine solche erwünscht. Gerade in den "modern-aufgeklärten" Sozialmilieus heißt es jetzt: Das Kind und die Entwicklung seiner Identität ist auf dialogische Sozialbeziehungen angewiesen; es ist in seiner Selbstständigkeit und Individualität ernst zu nehmen, und ihm sind als gleichberechtigtem Partner legitime Mitsprache- und Einspruchsrechte in mehr oder weniger allen Belangen, die es berühren, einzuräumen. Argumentationsbeschränkungen mit dem Alter begründen zu wollen gilt immer weniger als opportun. Im Gegenteil: Schon Kleinkindern wird das ausdrückliche Recht zugestanden, sich ihrer Interessen zu vergewissern und diese argumentativ zu vertreten.

In einem Wort: Mutter- und Vaterschaft ist weitaus mehr als früher ein interaktives Geschehen. Soll die Herstellung familialer Gemeinsamkeit jetzt noch gelingen, sind immer mehr Aushandlungs- und Abstimmungsprozeduren vonnöten. Wobei der neue Habitus des Sichaussprechens und Miteinanderredens, einschließlich seiner alltäglichen Befindlichkeits-, Identitäts- und Lebenslaufdiskurse [18] , die Erziehungsarbeit vor qualitativ völlig neuartige Kommunikationsanforderungen wie etwa Gesprächs- und Beratungs-, aber auch psychologische Einfühlungskompetenzen stellt. Die Aussage ist klar: Gerade das hohe Maß an unterstellter Selbstständigkeit, zugestandener Mitsprache- und Autonomierechte lässt das Erziehungshandeln heute oftmals so schwierig und anstrengend erscheinen. Immer seltener reicht es aus, Forderungen aufzustellen und durchzusetzen. Verlangt wird - unter weitgehendem Verzicht auf autoritäre Maßnahmen -, die diffizile Balance zwischen zugestandenen Freiräumen und legitimen Geboten, zwischen Autonomieprojekten der Kinder und Entwicklungsprojekten der Eltern herzustellen. [19]

VI. Organisierende Elternschaft

Geht man dem veränderten elterlichen Anforderungsprofil weiter nach, empfiehlt es sich, zwei von der jüngeren Kindheitsforschung hervorgehobene zentrale gesellschaftliche Entwicklungsprozesse anzusprechen - einerseits den zivilisationsgeschichtlichen Prozess der Verhäuslichung und andererseits denjenigen der Verinselung der kindlichen Lebensverhältnisse.

Mit dem Prozess der Verhäuslichung ist - um es in einem Satz zu sagen - der Übergang von der "öffentliche Straßen- zur verhäuslichten Familienkindheit" gemeint. [20] Angespielt wird hier u. a. auf den Sachverhalt, dass sich im Zuge des rasant gestiegenen Kraftfahrzeugverkehrs und sich verdichtender Siedlungsgebiete die Zugänglichkeit des Wohnumfeldes für Kinder einschränkt. Zumal in städtischen Regionen, in denen es zumeist an freien Bewegungs- und Spielräumen mangelt und sich die Umgebung immer weniger in Eigenregie entdecken lässt, verlagern die Kinder immer mehr Anteile ihrer freien Zeit von Straße, Hof und Nachbarschaft in den häuslichen Bereich. In Anbetracht geringer Geschwisterzahlen und häufiger Geschwisterlosigkeit bedeutet dies aber nicht nur, dass Eltern vermehrt als Begleit- und Spielpartner gefragt sind. Darüber hinaus ist im Haus nicht nur ein im Vergleich zum Lebensbereich Straße erheblich höheres Maß an disziplinierendem Erziehungshandeln erforderlich. Die Erziehung ist hier aufgerufen, auf eine möglichst frühzeitige Verfeinerung der Körpermotorik sowie auf die selbstdisziplinierte Kontrolle des Affekt- und Gefühlshaushalts der Kinder zu drängen. Hinzu kommt, dass um der Zukunft des Kindes im allgemeinen Wettbewerb willen die Eltern bemüht sind, seine Selbstständigkeit zu fördern. Dabei sind die durch die Erziehung zur Selbstständigkeit erreichten Entlastungseffekte nicht selten als eher gering zu erachten. Denn da der Nachwuchs daran gewöhnt ist, dass ständig jemand für ihn zu Verfügung steht, ist er kaum noch in der Lage, sich allein zu beschäftigen.

Auch das mit dem Verhäuslichungsprozess verbundene Phänomen eines "verinselten Lebensraums" [21] bezieht sich auf die Veränderung der sozialräumlichen Lebensbedingungen von Kindern. Während ehemals die Familienwohnung und ihre Umgebung einen intensiv und multifunktional genutzten Raumzusammenhang bildeten, sind die Kinder heute - so die These - immer weniger in ihrem Wohnviertel beheimatet. Nicht nur dass örtlich zerstreute Freundschaften und Spielkontakte üblicher werden; Kinder stoßen auch zunehmend auf eine räumliche Trennung jeweils funktionsspezifisch organisierter und zumeist erwachsenenkontrollierter Räume (Familie, Kindergarten, Spielplatz, Musikschule, Sportverein u. ä.) mit der Folge, dass der kindliche Lebensraum mehr und mehr aus separaten Teilstücken besteht, die wie Inseln verteilt in einem größer gewordenen Gesamtraum liegen.

Das Entscheidende ist, dass sich mit diesem schichtspezifisch unterschiedlich in Erscheinung tretenden Wandlungsprozess nicht nur für die Kinder, sondern - dies wird allzu oft übersehen - auch für die Eltern einschneidende Konsequenzen verbinden. Mütter und Väter sind nunmehr stärker als je zuvor aufgefordert, die Kinder bei der Erschließung ihrer Lebensumwelt zu unterstützen. Ihre Aufgabe ist es, für die Kinder die sozialen Brücken zu den Inseln ihrer außerfamilialen Umwelt aufzubauen. Dabei gilt es, viel Zeit, Energie und Geld zu investieren, um die eigenen Kinder mit anderen Kindern zusammenzubringen [22] und einen abwechslungsreichen und anregenden Alltag sicherzustellen.

Das heißt: Die zersplitterten Orte und Dienstleistungen für Kinder bringen einen in seinen Ausmaßen zumeist unterschätzten Arbeitsaufwand für die Eltern, insbesondere die Mütter mit sich, der ein in dieser Form unbekanntes Ausmaß organisatorischer Steuerungsleistungen erforderlich macht. Dafür spricht auch, dass neben den Weg- und Transportzeiten die unterschiedlichen Tempi und Fristen verschiedener Institutionen wie Spielgruppen, Schwimmbäder, Vereine etc. in Form von Stundenplänen, Öffnungszeiten und Veranstaltungsterminen Zeitzwänge mit sich bringen, welche die Herstellung einer alltäglichen familialen Lebensführung zum Problem machen. Mit Zeitmanagementseminaren werden nicht nur Manager, sondern auch Hausfrauen in der Volkshochschule angesprochen. [23] Daher ist es gerechtfertigt, das "Familienzeitmanagement" als neues integrales Element der modernen Elternrolle herauszustreichen.

Aber auch die Kinder werden durch die Ansprüche der modern-linearen Zeitordnung erfasst. Nicht anders als ihre Eltern stehen sie unter dem Diktat, die "sozialen Zeiten" disparater Handlungsfelder einzuhalten. Es gehört zum Fundus selbstverständlicher Wissens- und Sozialkompetenzen von relativ kleinen Kindern, mit Zeit richtig umzugehen, unterschiedliche Termine und Zeitregeln einzuhalten sowie Unterbrechungen und Verschiebungen aushalten zu können. Dazu passt der verbreitete Besitz von Uhren unter Kindern, der sich zeitlich seit Jahren immer mehr nach vorne verlagert und spätestens mit Beginn der Schulzeit für jedes Kind obligatorisch wird. [24] Vergleichbares gilt inzwischen für Mobiltelefone.

Für die Relevanz dieser Argumentation spricht die zunehmende Selbstverständlichkeit einer doppelten - väterlichen wie auch mütterlichen - Berufstätigkeit sowie die Ausdehnung flexibilisierter Schicht- und Wochenendarbeit. Verstärkt werden die Zeitprobleme der modernen Berufs- und Erziehungsfamilie durch den insbesondere in Westdeutschland bedenklichen Mangel an öffentlicher Kleinkindbetreuung, die restriktiven Öffnungszeiten von Kindergärten sowie den im europäischem Vergleich (abgesehen von Italien) einzigartig kurzen (Halb-) Tagesaufenthalt in der Schule. Festzuhalten bleibt, dass heutzutage vieles vorausgeplant, kalkuliert und abgestimmt werden muss und immer weniger Dinge nach Lust und Laune erledigt oder gar dem Zufall überlassen bleiben. Das heißt aber: Der Familienalltag gestalte sich zunehmend rationaler und arbeitsförmiger, werde immer organisationsähnlicher.

VII. Fazit und theoretischer Ausblick

Abschließend möchte ich zumindest ansatzweise versuchen, meinen zugegebenermaßen fragmentarischen und vorläufigen Überlegungen eine systematische theoretische Rahmung zu geben.

Seit Heinrich Riehl, einem der Vordenker familiensoziologischen Denkens, ist es üblich, das Verhältnis von Familie und Gesellschaft mit polarisierenden Kategorien von "innen" und "außen" zu beschreiben. Danach stehen der modernen Familie - verstanden als eine kleine private Personengemeinschaft - die strukturell anders verfassten Bereiche der Öffentlichkeit - Politik, Berufs- und Arbeitswelt - diametral gegenüber. Doch eben diese Unterscheidung von "innen" und "außen", welche zumeist die Familie als Bollwerk und Reservat gegen die Zumutungen der Gesellschaft begreift - so meine These -, ist inzwischen zweifelhaft geworden. Folgt man diesem Interpretationsangebot, können die Wandlungsmerkmale moderner Elternschaft wie folgt gedeutet werden: Die in den Kapiteln I bis V diskutierten Phänomene einer "vorverlagerten" und "psychologisierten" Elternschaft demonstrieren, dass bei mehr und mehr Fragen - etwa zu Schwangerschaft, Geburt und Erziehung - auf das Wissen von Ratgebern und Experten zurückgegriffen wird. Das heißt aber nichts anderes, als dass Prinzipien einer (vermeintlich) wissenschaftlich fundierten Handlungsorientierung Raum greifen und die private Lebenswelt ihres überlieferten Traditions- und Sinnzusammenhangs entkleidet wird.

Meine These von der "organisierten Elternschaft" zielt im Lichte der hier vorgeschlagenen Lesart auf den Sachverhalt ab, dass die Gesetze der Logistik und des Zeitmanagements in der Familie immer mehr zum Durchbruch gelangen. Dies bedeutet, dass das familiale Binnenleben an Eigenthematik, Differenz- und Kontrastqualität verliert. Dementsprechend ist Kindheit und Jugend oft kein Schonraum mehr. Junge Menschen werden - um es in Analogie zu Philippe Ariès' Schilderungen des Mittelalters zu sagen - sozusagen zu "kleinen Erwachsenen", die sich schon in frühen Jahren verstärkt dem Ernst des Lebens stellen müssen. [25]

Die unter dem Begriff der "bildungsengagierten Elternschaft" angesprochene Verschulung der Familie weist darauf hin, dass durch die Orientierung an den immer höher getriebenen Lern- und Leistungsmaximen externe Härten wie Erfolgs- und Leistungsdruck sowie Sach- und Rationalitätslogiken vom Inneren der Familie Besitz ergreifen. Und auch die neuen Bildungsnormen im Freizeitbereich signalisieren, dass die Trennlinien zwischen Spielen, Lernen und Arbeit unschärfer werden.

Die These der "kommunizierenden Familie" lässt sich schließlich dahingehend "interpretieren, dass mit dem Übergang vom traditionellen Befehls- zum modernen Verhandlungshaushalt"Abram de Swaan, Vom Ausgehverbot zur Angst vor der Straße, in: Päd. extra, (1982) 2, S. 48 - 55. externe Gleichheits- und Mitbestimmungsprinzipien als Steuerungsgrößen in der Privatheit Einzug halten, die ursprünglich dem politischen Diskursgeschehen entstammen.

Fazit: Der Wandel der Elternschaft, so wie ich ihn sehe, läuft darauf hinaus, dass die Grenze zwischen der Familie und ihrer gesellschaftlichen Umwelt durchlässiger geworden ist. Mehr und mehr dringen Organisationsprinzipien und Wertsysteme in die intimen Verhältnisse der Privatheit ein, die man traditionell als sinnfremd für das Familien- und Erziehungsleben bezeichnet hätte. In einem Satz: Was wir zumindest in Ansätzen beobachten können, ist eine "offene Familie" oder - um es in Anlehnung an Jürgen Habermas auszudrücken - eine zunehmende "Kolonialisierung" der privaten Lebenswelt durch äußere Mächte.
1|2|3|4|5|6|7|8 Auf einer Seite lesen

Fußnoten

1.
Vgl. etwa Elisabeth Beck-Gernsheim/Ulrich Beck, Das ganz normale Chaos der Liebe, Frankfurt/M. 1990, Kap. IV; Johannes Huinink, Elternschaft in der modernen Gesellschaft, in: Karl A. Gabriel/Klaus Peter Strohmeier (Hrsg.), Modernität und Solidarität, Freiburg 1997.
2.
Vgl. Elisabeth Beck-Gernsheim, Elternschaft zwischen sozialem und genetischem Risiko, in: Thomas Rauschenbach/Hans Gängler (Hrsg.), Soziale Arbeit und Erziehung in der Risikogesellschaft, Neuwied 1992.
3.
Vgl. Beate A. Schücking, Schwangerschaft - (k)eine Krankheit?, in: Zeitschrift für Frauenforschung, (1994) 4, S. 56 - 64.
4.
Vgl. Martin Spiewak/Achim Wüsthof, Die stille Selektion, in: DIE ZEIT vom 29. Dezember 1999, S. 37.
5.
Frauen ohne gute Hoffnung (ein Gespräch mit Barbara Duden), in: DIE ZEIT vom 26. Juli 2001, S. 26.
6.
Thomas Fuhr, Ethik des Erziehens. Pädagogische Handlungsethik und ihre Grundlegung in der elterlichen Erziehung, Weinheim 1998.
7.
Heidrun Bründel/Klaus Hurrelmann, Einführung in die Kindheitsforschung, Weinheim - Basel 1996.
8.
Vgl. Wolfgang Melzer, Elternhaus und Schule - ein Beispiel misslungener und gelungener gesellschaftlicher Partizipation von Familie, in: Lothar Bönisch/Karl Lenz (Hrsg.), Familien. Eine interdisziplinäre Einführung, München 1997.
9.
David Edelkind, Wenn Eltern zu viel fordern. Die Rettung der Kindheit vor leistungsorientierter Früherziehung, Hamburg 1989.
10.
Vgl. Peter Büchner, Das Kind als Schülerin oder Schüler, in: Helga Zeiher/Peter Büchner/Jürgen Zinnecker (Hrsg.), Kinder als Außenseiter. Umbrüche in der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Kindern und Kindheit, Weinheim-München 1996.
11.
Vgl. Heiner Meulemann, Jugend im allgemeinbildenden Schulsystem, in: Manfred Markefka/Rosemarie Nave-Herz (Hrsg.), Handbuch für Familien- und Jugendforschung, Neuwied-Frankfurt/M. 1989.
12.
Vgl. Jürgen Zinnecker, Kindheit, Jugend und soziokultureller Wandel in der Bundesrepublik Deutschland, in: ders./Hein-Hermann Krüger/Lynne Chisholm (Hrsg.), Kindheit und Jugend im interkulturellen Vergleich, Opladen 1990.
13.
Vgl. Leonie Herwartz-Emden (Hrsg.), Einwanderer"familien: Geschlechterverhältnisse, Erziehung und Akkulturation, Osnabrück 2000.
14.
Oftmals besuchen Eltern Volkshochschulkurse, um ihren Kindern helfen zu können. Dass durch die Zurückverlagerung schulischer Funktionen an die Eltern soziale Ungleichheiten verstärkt werden, sei hier nur angemerkt.
15.
Vgl. P. Büchner (Anm. 10), S. 173.
16.
Elisabeth Beck-Gernsheim, Alles aus Liebe zum Kind, in: dies./U. Beck (Anm. 1).
17.
Heinrich Popitz, Phänomene der Macht, Tübingen 1992, S. 135.
18.
Vgl. J. Zinnecker (Anm. 12), S. 31.
19.
Zur Veränderung der Erziehungsarbeit durch die Emanzipation des Kindes sei noch angefügt: Wenn sich Kinder heute überhaupt noch dazu animieren lassen, im Haushalt zu helfen, geschieht dies sehr selten und nur gelegentlich. Die wachsenden Anforderungen an die Elternrolle haben also genau in dem Zeitraum zugenommen, in dem die Bereitschaft und Verpflichtung zur häuslichen Mithilfe der Kinder abgenommen hat. Vgl. Rosemarie Nave-Herz, Zeit"ge"schicht"licher Bedeutungswandel von Ehe und Familie, in: dies. (Hrsg.), Wandel und Kontinuität der Familie in der Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart 1988.
20.
Jürgen Zinnecker, Vom Straßenkind zum verhäuslichten Kind. Kindheitsgeschichte im Prozess der Zivilisation, in: Imke Behnken (Hrsg.), Stadtgesellschaft im Prozess der Zivilisation, Opladen 1990.
21.
Vgl. Hartmut Zeiher/Helga Zeiher, Orte und Zeiten der Kinder. Soziales Leben im Alltag von Großstadtkindern, München 1994.
22.
Die Chancen, mit gleichaltrigen Kindern in der Nachbarschaft aufzuwachsen, sind im Zuge des säkularen Geburtenrückgangs statistisch gesehen signifikant gesunken.
23.
Vgl. Manfred Garhammer, Balanceakt Zeit. Auswirkungen flexibler Arbeitszeiten auf Alltag, Freizeit und Familie, Berlin 1994.
24.
Vgl. Ursula Rabe-Kleberg/Helga Zeiher, Kindheit und Zeit. Über das Eindringen moderner Zeitorganisation in die Lebensbedingungen von Kindern, in: Zeitschrift für Sozialisationsforschung und Erziehungssoziologie, 4 (1984) 1, S. 29 - 43.
25.
Klaus Hurrelmann, Die meisten Kinder sind heute "kleine Erwachsene", in: Medien und Erziehung, (1997) 2, S. 74 - 80.