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6.5.2003 | Von:
Alexandra Caspari
Paul Kevenhörster
Reinhard Stockmann

Das Schweigen des Parlaments

Die vergessene Frage der Nachhaltigkeit deutscher Entwicklungszusammenarbeit

III. Der weitere Weg: Vorbereitungen zur BMZ-Studie

Hat die parlamentarische Entwicklungsgeschichte der Frage nach der Nachhaltigkeit deutscher EZ-Projekte von der ersten Kleinen Anfrage im Bundestag 1989 bis zum Beschluss des Deutschen Bundestages und dem Auftrag an das BMZ im Jahre 1998 bereits neun Jahre benötigt, so sollte eine Beantwortung der Frage durch das Ministerium weitere Jahre dauern. Jedoch muss festgehalten werden, dass der folgende langwierige Prozess im BMZ - im Gegensatz zum parlamentarischen Hergang - als Indiz sorgfältiger Vorbereitung und Durchführung zu sehen ist: So stellte das BMZ bereits 1997 erste Überlegungen zur Durchführung einer breit angelegten Wirkungsuntersuchung an. Ziel war es, erstmalig anhand einer breit angelegten Studie empirisch abgesicherte Aussagen zur Wirksamkeit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu gewinnen. In Zusammenarbeit mit einer wissenschaftlichen Beratergruppe[9] wurden Fragen zur Stichprobe, zur Nachhaltigkeitsdefinition und zur Erhebungsmethode diskutiert. Problem war, dass das bisherige Evaluierungsraster des BMZ auf die Evaluation laufender Projekte ausgerichtet ist und daher nicht die notwendige methodische Vorgehensweise zur Untersuchung insbesondere der Nachhaltigkeit der deutschen EZ-Projekte abdecken konnte. Es wurde daher auf eine speziell für Ex-post-Evaluationen entwickelte Untersuchungskonzeption zurückgegriffen, deren Grundlage ein an theoretischen Überlegungen ausgerichteter Leitfaden ist.[10] Man verständigte sich ferner darauf, zur Erhebung der relevanten Daten auch quantitative Methoden zu nutzen, was für deutsche Evaluationen bisher eher unüblich war. 1998 wurden dann die zu evaluierenden Projekte auf Basis folgender Kriterien ausgewählt:[11]

- Ausgehend von der Annahme, dass die Bedürfnisbefriedigung ärmerer Bevölkerungsgruppen seit den siebziger Jahren zu den vorrangigen Zielen der EZ gehört, wurden Projekte der Sektoren Basisgesundheit, Landwirtschaft, Wasserversorgung sowie Grundbildung ausgewählt, da diese wesentlich zur Erreichung dieses Ziels beitragen sollen.

- Da die langfristigen Wirkungen von Projekten bzw. deren Nachhaltigkeit untersucht werden sollten, wurden nur solche ausgewählt, die bereits seit mindestens fünf Jahren abgeschlossen waren.

- Da die Projekte aber auch eine gewisse Zeitnähe haben sollten, um relevante Schlussfolgerungen ableiten zu können, wurden nur Projekte berücksichtigt, die frühestens in den achtziger Jahren durchgeführt worden waren.

- Es wurden sowohl Projekte der Technischen Zusammenarbeit (TZ) als auch der Finanziellen Zusammenarbeit (FZ) ausgewählt.

Für die Untersuchung kamen somit 34 Projekte aus 19 Ländern in Frage, die das nach Förderbereichen (FZ/TZ) und Weltregionen unterschiedliche Engagement der deutschen EZ in den achtziger und in der ersten Hälfte der neunziger Jahre gut repräsentieren.[12]

Im August 1998 wurde ein Methodenworkshop zur Vorbereitung des anschließenden Testlaufes von vier Einzelevaluationen durchgeführt, dessen Ergebnisse im Rahmen eines Evaluierungsworkshops diskutiert wurden. Des Weiteren wurde ein Manual mit Bearbeitungshinweisen zum Analyseleitfaden erarbeitet, das neben Erläuterungen zur Anwendung des Leitfadens auch zentrale im Leitfaden enthaltene Begriffe definiert und Hinweise zu den zu nutzenden Methoden aufführt. Nach einer Gutachterschulung wurden schließlich zwischen Februar und Juni 1999 30 weitere Einzelevaluationen realisiert.[13] Vom August 1999 bis zum März 2000 folgte die Querschnittsauswertung der 32 Einzelevaluationen. Diese Vorgehensweise ist insoweit bemerkenswert, weil sie eine bis dahin nicht gekannte methodische Sorgfalt an den Tag legt.


Fußnoten

9.
Dieser Beratergruppe haben die Verfasser dieses Beitrages vom November 1997 bis zum Abschluss der Querschnittsauswertung im März 2000 angehört.
10.
Vgl. Reinhard Stockmann, Die Nachhaltigkeit von Entwicklungsprojekten, Opladen 1992, S. 17ff.; ders. (Anm. 5), S. 66ff.
11.
Abgebrochene Projekte sowie Projekte in Nicht-Entwicklungsländern (Israel, Portugal) wurden per Definition ausgeschlossen.
12.
Dementsprechend machen FZ-Projekte 37,5 % und Landwirtschaftsprojekte 50 % der Untersuchungspopulation aus. Die Förderlaufzeit der untersuchten Projekte variiert zwischen knapp zwei Jahren bis hin zu 21 Jahren. Die Spannweite der Fördervolumina der einzelnen Projekte reicht von knapp 2 Mio. DM bis 30 Mio. DM.
13.
Von den ursprünglich 32 geplanten Einzelevaluationen des Hauptlaufs konnten zwei aus organisatorischen Gründen nicht realisiert werden. Inklusive der vier Ex-post-Evaluationen des Pretests standen somit insgesamt 32 evaluierte Projekte zur Auswertung zur Verfügung.