Die durch den China-Afrika-Entwicklungsfonds finanzierte Wanbao-Reisplantage in Mosambik

19.10.2018 | Von:
Marcus Kaplan
Christoph Hartmann
Magdalena Orth
Kirsten Vorwerk

Partnerschaft mit Zukunft? Privatunternehmen in der Entwicklungszusammenarbeit

Wirkungen und Risiken

Da es sich bei der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft um eine vergleichsweise neue Herangehensweise handelt, ist die Zahl unabhängiger Studien dazu noch relativ gering.[18] Einige Erkenntnisse bezüglich der Wirkungen verschiedener Maßnahmen der Technischen und der Finanziellen Zusammenarbeit können aber hervorgehoben werden.

So hat sich gezeigt, dass die Umsetzung gemeinsamer Projekte mit der Privatwirtschaft zu einem Transfer innovativer Erfahrungen und Technologien in die Partnerländer beiträgt. Über die Projekte können zum Beispiel neue, ökologisch wertvolle Produkte in Entwicklungs- und Schwellenländern eingeführt oder neue landwirtschaftliche Anbaumethoden verbreitet werden. Auch werden viele Projektaktivitäten nach Projektende von den Partnern vor Ort weitergeführt. Ein Grund dafür ist, dass Unternehmen häufig auch nach Projektende ein Eigeninteresse an der Fortführung der Aktivitäten haben. Dies zeigt sich zum Beispiel beim Aufbau einer landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette in Ostafrika. In dem Projekt wurden Trainings für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern angeboten, um qualitativ hochwertige Baumwolle unter Berücksichtigung von Sozial- und Umweltstandards zu produzieren. Die neuen Produktionsmethoden wurden erfolgreich verbreitet – innerhalb von drei Jahren übernahmen 12.000 Bäuerinnen und Bauern die neuen Techniken. Durch langfristige Abnahmegarantien des Unternehmens und höhere Erlöse für die so produzierten Ernten wurde eine nachhaltige Wertschöpfungskette aufgebaut, die zu Einkommenssteigerungen bei den beteiligten kleinbäuerlichen Betrieben führte.

Es wird aber auch deutlich, dass die sehr hohen Ansprüche und Erwartungen, die an die Kooperationen zwischen EZ und Privatwirtschaft gestellt werden, bisher nicht erfüllt werden können. So werden beispielsweise Projektaktivitäten mit besonderem entwicklungspolitischem Stellenwert, etwa die Wissensweitergabe von Lernerfahrungen im Bereich von Mikroversicherung an Konkurrenzunternehmen, mit Ende der Projektlaufzeit häufig eingestellt.[19] Eine Verbreitung der eingeführten Innovationen über die direkt am Projekt beteiligten Zielgruppen hinaus gelingt daher eher selten und liegt nicht immer im Eigeninteresse der Unternehmen. Die Erwartung, mit den oft kleinteiligen Projekten breitenwirksame Veränderungen in den Partnerländern zu erzielen, kann daher zumeist als unrealistisch eingestuft werden.[20]

So kann beispielsweise nicht angenommen werden, dass mit einem einzelnen Projekt zur Nahrungsmittelanreicherung die Ernährungssituation der gesamten ugandischen Bevölkerung verbessert und zudem das Bewusstsein für gesunde Ernährung in der Gesellschaft gesteigert wird. Zwar wurde im vorliegenden Beispiel die Nahrungsmittelanreicherung erfolgreich realisiert, allerdings nur ein kleiner Teil der Bevölkerung hat Zugriff auf das Produkt. Auch die angestrebte Sensibilisierung der Bevölkerung für gesunde Ernährung blieb begrenzt.

Auch Multi-Akteurs-Partnerschaften wird großes Potenzial zugeschrieben, Lösungen für komplexe gesellschaftliche Herausforderungen herbeizuführen. Die unterschiedlichen Partner aus Staat, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft bringen ihre jeweiligen Sichtweisen, Expertisen und Interessen ein und fördern somit über eine systemische Herangehensweise auch gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Lernprozesse. Kritische Stimmen hingegen befürchten, dass die Multi-Akteurs-Partnerschaften in erster Linie Unternehmensinteressen dienen und somit zulasten der entwicklungspolitischen Zielgruppen gehen.[21]

In der Finanziellen Zusammenarbeit zeigt der Blick auf die bisherige Nutzung innovativer Finanzierungsinstrumente, dass diese häufig in Sektoren eingesetzt werden, in denen profitable Business-Modelle leicht zu etablieren sind. Zum Beispiel hat eine Umfrage der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ergeben, dass sich die Blended-Finance-Fazilitäten am stärksten auf Themen wie Wirtschaftswachstum und Beschäftigung, Infrastruktur und Klimawandel konzentrieren. Weitere Bereiche nachhaltiger Entwicklung werden hingegen kaum adressiert.

Die steigende Beliebtheit dieser Instrumente steht bislang relativ wenigen Analysen und Anwendungsbeispielen gegenüber. Nach Angaben der OECD wurden in den vergangenen Jahren sowohl mehr öffentliche Mittel auf das Engagement des privaten Sektors gerichtet als auch mehr private Investitionen für entwicklungspolitische Zwecke gewonnen.[22] Die Wirkungen dieser erhöhten Investitionen werden bisher aber nicht systematisch untersucht. In Einzelfällen zeigen Studien, dass zum Beispiel begleitende technische Unterstützung der Investitionen und Trainings die Qualität der Investitionen erhöhen und mit ihnen verbundene Risiken minimieren können.[23] Allerdings wird kritisch hervorgehoben, dass Fähigkeiten und Kapazitäten der Geberländer im Umgang mit Investitionen des Privatsektors bisher nicht entsprechend ausgebaut wurden.[24] Auch die Infrastruktur in den Entwicklungsländern für Investitionen des privaten Sektors wird als noch inadäquat und die Anzahl an Investoren noch als gering bewertet. Weiterhin mangelt es Unternehmen in Entwicklungsländern nach wie vor an Zugang zu Finanzdienstleistungen und -produkten, beispielsweise an Risikokapital und einer langfristigen Schuldenfinanzierung.[25]

Neben den möglichen positiven Wirkungen birgt die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft auch Risiken. Diese können von Marktverzerrungen bis hin zur Verletzung menschenrechtlicher Standards und Prinzipien reichen. Besonders im Hinblick auf größere, von der deutschen EZ unterstützte Investitionen, etwa im landwirtschaftlichen Bereich, klagen zivilgesellschaftliche Organisationen immer wieder über Menschenrechtsverletzungen durch die beteiligten Unternehmen. Die Zusammenarbeit mit der EZ sollte dazu führen, dass Unternehmen für derartige Risiken ein größeres Bewusstsein entwickeln.

Zu den größten Risiken in der Finanziellen Zusammenarbeit zählen die Verdrängung (crowding-out) von kommerziellen Krediten, zum Beispiel im Falle von Zinsverbilligungen, sowie Marktverzerrrungen. Außerdem besteht das Risiko, mit solchen Instrumenten die Schuldensituation in Entwicklungsländern zu verschlimmern und zu nicht nachhaltigen Schuldenständen beizutragen.

Der Zielkonflikt zwischen Entwicklungszielen und finanziellem Profit erschwert zudem die Um- und Durchsetzung von entwicklungspolitisch sinnvollen Prinzipien in der EZ wie etwa das der Eigenverantwortung der Partnerregierungen und der Ausrichtung der Entwicklungsprogramme an den Strategien der Partner. So wird beispielsweise der Einbezug von lokalen Partnern und Investoren in die Gestaltung der Programme und Instrumente bisher als gering eingeschätzt.[26]

Fußnoten

18.
Vgl. ebd.
19.
Vgl. Christoph Hartmann/Felix Gaisbauer/Kirsten Vorwerk, Evaluierung des develoPPP.de-Programms, hrsg. vom Deutschen Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval), Bonn 2017.
20.
Vgl. ebd.; Erika Bürkle/Markus Palenberg, Evaluierung der Instrumente "Entwicklungspartnerschaften und Unternehmenspartnerschaften" der Austrian Development Agency, Berlin 2009; Ministry of Foreign Affairs of the Netherlands, Policy and Operations Evaluation Department (IOB), In Search of Focus and Effectiveness. Policy Review of Dutch Support for Private Sector Development 2005–2012 (extensive summary), Den Haag 2014.
21.
Vgl. Treichel et al. (Anm. 6); Philipp Pattberg/Oscar Widerberg, Transnational Multistakeholder Partnerships for Sustainable Development: Conditions for Success, in: Ambio 1/2016, S. 42–51.
22.
Vgl. OECD-DAC, Blended Finance for Sustainable Development: Moving the Agenda Forward, Paris 2017.
23.
Vgl. Koenig/Jackson (Anm. 9).
24.
Vgl. OECD-DAC (Anm. 22).
25.
Vgl. Koenig/Jackson (Anm. 9).
26.
Vgl. European Network on Debt and Development (Eurodad), A Dangerous Blend? The EU’s Agenda to "Blend" Public Development Finance with Private Finance, Brüssel 2013; Pedro Morazán et al., "Blending". A New Face in Official Development Finance, Bonn u.a. 2012; UKAN (Anm. 11).
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autoren/-innen: Marcus Kaplan, Christoph Hartmann, Magdalena Orth, Kirsten Vorwerk für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE und der Autoren/-innen teilen.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.