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25.11.2004 | Von:
Dominik von König

Kulturstiftungen in Deutschland

Ohne Kulturstiftungen wäre die Kulturszene erheblich ärmer. Sie sichern und beleben die Vielfalt. Den Staat bei seinen Aufgaben in der Kultur ernsthaft entlasten können sie allerdings nicht. Dazu fehlt ihnen in der Regel die finanzielle Ausstattung.

Einleitung

Die Wurzeln unseres heutigen Stiftungswesens liegen im religiös geprägten Mittelalter. Die Sorge um das persönliche Seelenheil, die Fürsorge für die Mitmenschen und die Vorsorge für den eigenen Nachruhm auf dieser Welt - das waren die Motive der Stifter. Ihre Stiftungen decken im Wesentlichen die sieben Werke der Barmherzigkeit ab;[1] es waren mildtätige Stiftungen, nicht selten Spitäler. Mit solidem Vermögen - in der Regel Grund und Boden - ausgestattet, haben sie sich vielfach als dauerhafter als Staatengebilde erwiesen. Die älteste noch heute existierende Stiftung, die Vereinigten Pfründner-Häuser Münster, stammt aus der Zeit um 900.






Die erste deutsche nicht mehr religiös gebundene Stiftung entstand im kulturellen Bereich: die Stiftung Städelsches Kunstinstitut in Frankfurt am Main.[2] Ihrer Errichtung im Jahre 1815 ging ein langer Rechtsstreit um die Kernfrage voraus, ob ein Satzungszweck, der eindeutig nicht eine "pia causa" - eine fromme Ursache - habe, stiftungsfähig sei. Die Frage wurde letztendlich bejaht. In der Folge hat sich bis heute die "gemeinnützigkeitskonforme Allzweckstiftung" als herrschender Typus im Stiftungswesen durchgesetzt. Praktisch alle Tatbestände des Gemeinnützigkeitsrechts haben "ihre" Stiftung gefunden.


Fußnoten

1.
Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Tote bestatten (Mat. 25, 31-46).
2.
Eine gute Darstellung von Kulturstiftungen und ihren speziellen Aspekten liefert das Handbuch Kulturstiftungen. Ein Ratgeber für die Praxis, Berlin 2002; zur Stiftung Städelsches Kunstinstitut s.S. 98.