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12.11.2004 | Von:
Carsten Schymik

Nordische Sonderwege nach Europa

Island

Island ist das nordische Land, das sich in quasi natürlicher Distanz zur EU entwickelt hat. Weder 1972 noch 1994 sah die isländische Regierung einen hinreichenden Anreiz für einen Beitritt zur EG/EU, vor allem, weil dies die Selbstverwaltung der nationalen Fischgründe gefährdet hätte, die von überragender Bedeutung für Islands Volkswirtschaft sind, insofern Frischfisch und bearbeitete Fischereiprodukte rund 75 Prozent aller Exporte des Landes ausmachen. Solange die EU nicht von dem Anspruch abrückt, die Fischereiressourcen aller Mitgliedstaaten auf übernationaler Ebene zu verwalten und durch die Zuteilung nationaler Fangquoten zu regulieren, wird Island wohl auch in Zukunft keinen EU-Beitritt anstreben.

Allerdings ist Island heute ebenso wie Norwegen über den EWR an den Binnenmarkt und durch die Schengen-Verträge von 1996 und 1999 an die Grenz- und Polizeizusammenarbeit der EU angeschlossen, mitsamt den eher unvorteilhaften Teilnahmebedingungen, wie sie bereits im norwegischen Fall dargestellt worden sind. Freilich hat Island eine gewisse Wahlfreiheit im Hinblick auf Schengen gewahrt, da es im Fall der Kündigung der vertraglichen Zusammenarbeit keine Festlandsgrenze gibt, die zu befestigen wäre.[19]


Fußnoten

19.
Vgl. auch den Beitrag von Frauke Rubart in diesem Heft sowie dies., Auf Stimmenfang im Nordatlantik - Parteiensystem und politische Macht in Island, Bremen 2004 (im Internet unter: www2.hu-berlin.de/for:n/).