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13.9.2004 | Von:
Konrad H. Jarausch

Zeitgeschichte zwischen Nation und Europa

Eine transnationale Herausforderung

Ziel der Überlegungen zum europäischen Erinnerungsdefizit ist es, eine Diskussion über das Geschichtsbild eines zusammenwachsenden Europas anzuregen. Der überfällige Abschied von der Nation darf nicht zu einer unkritischen Affirmation des europäischen Projekts führen.

Einleitung

Das Thema Europa geistert durch die Medien meist in Form von moralischen Appellen zur überfälligen Überwindung des Nationalstaats.[1] In Sonntagsreden entwerfen Politiker wie Joschka Fischer grandiose Visionen eines vereinigten Europas, das stark genug für eine einheitliche Außen- und Sicherheitspolitik und vielfältig genug für die Bewahrung kultureller Unterschiede sein soll. Dagegen zeigt sich die Öffentlichkeit eher desinteressiert, während Intellektuelle über die Probleme des Integrationsprozesses wie das Demokratiedefizit der "Brüsseler Bürokratie" diskutieren.[2] Deswegen fordert der Regensburger Politologe Jerzy Mackow analog zur Entwicklung des Nationalismus im 19. Jahrhundert den Entwurf einer "europäischen Idee", die er "Europäismus" nennt: Um durch Rückgriff auf die Geschichte eine gemeinsame Identität jenseits von "einem Haufen von nationalen Erzählungen und Legenden" zu schaffen, "müssen die Europäer europäische Geschichte lernen und verstehen".[3]




Die Europäische Union (EU) hat die Strategie einer Legitimation von Integration durch Stiftung eines gemeinsamen Geschichtsbildes bisher kaum berücksichtigt. Zwar handelten die Gründungsväter aus dem expliziten Wunsch, die Wiederholung der historischen Katastrophen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch Schaffung von Gemeinsamkeiten jenseits des Nationalstaats zu verhindern.[4] Aber der Verfassungsentwurf des Europäischen Konvents vom Sommer 2003 enthält nur vage Anspielungen auf die "kulturellen, religiösen und humanistischen Überlieferungen", die eine Wertegemeinschaft begründen, sowie auf die Notwendigkeit, trotz des Stolzes auf die "nationale Identität und Geschichte (...) die alten Trennungen zu überwinden". Es fehlt jede Erwähnung der Nationalitätenkonflikte, ethnischen Säuberungen, Weltkriege sowie Genozide. Der Abschnitt über Kultur enthält nur eine Absichtserklärung, zur "Verbesserung der Kenntnis und Verbreitung der Kultur und Geschichte der europäischen Völker" einen Beitrag leisten zu wollen.[5]

Auch die Subdisziplin der Zeitgeschichte ist denkbar schlecht dafür gerüstet, die Erarbeitung eines europäischen Geschichtsbildes in Angriff zu nehmen, da sie noch immer primär nationalhistorisch ausgerichtet ist. Grundsätzliche Überlegungen zu ihrer Entwicklung und Periodisierung von Hans-Günter Hockerts und anderen sind hauptsächlich auf die Aufarbeitung der NS-Diktatur sowie das langsame Entstehen einer eigenständigen Nachkriegsgeschichte fokussiert.[6] Durch den Zusammenbruch des Kommunismus kam das Thema der zweiten deutschen Diktatur hinzu, so dass die Zeitgeschichte sich mit einer "doppelten Vergangenheitsbewältigung" herumschlagen muss.[7] Erst in letzter Zeit haben einige Autoren wie Christoph Kleßmann "Europäische Zeitgeschichte als Problem" erkannt und auf die Notwendigkeit einer systematischeren Auseinandersetzung mit dem westlichen und östlichen Kontext sowie dem europäischen Integrationsprozess hingewiesen.[8] Inhaltliche Konsequenzen haben diese Aufrufe jedoch kaum gehabt.

Wie sollen Zeithistoriker mit der Treitschke-Versuchung umgehen, den Integrationsprozess durch die Konstruktion einer europäischen Meistererzählung zu rechtfertigen? Der Kölner Historiker Jürgen Elwert beantwortet diese Frage eindeutig positiv: "So wie die Nationalhistorie des 19. Jahrhunderts wesentliche Teile des Stoffes geliefert hatte, aus der die nationalen Identitäten gemacht wurden, muss eine moderne europäische Geschichtsforschung dazu beitragen, den europäischen Integrationsprozess flankierend-argumentativ zu unterstützen."[9] Jedoch warnen Euroskeptiker vor einer vorzeitigen Verabschiedung vom Nationalstaat und einer weiteren politischen Selbstinstrumentalisierung der Geschichtswissenschaft.[10] Um Distanz für eine selbstreflexive Beurteilung zu gewinnen, werden die folgenden Bemerkungen zunächst einige Defizite des Geschichtsbildes andeuten, sodann die fehlende Resonanz der Europaforschung thematisieren, noch zu lösende intellektuelle Probleme ansprechen und schließlich inhaltliche wie methodische Alternativen skizzieren.

Defizite eines europäischen Geschichtsbewusstseins

Auch wenn europäische Schulbücher ein halbes Dutzend gleicher Bilder zur Illustration von dramatischen Momenten der Geschichte verwenden - ein gemeinsames "europäisches Geschichtsbild" belegen solche Überlappungen nicht. Susanne Popp hat in einer verdienstvollen Untersuchung festgestellt, dass etwa Davids Tuschezeichnung des Ballhausschwurs oder Goyas Ölbild der Erschießung der rebellierenden Madrilenen in vielen Lehrbüchern auftauchen, aber die 15 häufigsten Repräsentationen zu einem "Kanon" zu erklären, ist, gelinde gesagt, eine Überinterpretation.[11] Schon der Fehlschlag der EU bei der Bebilderung der gemeinsamen Währung sollte eine Warnung sein. Wenn ein entstehendes Gemeinwesen sich weder auf führende kulturelle Gestalten Europas wie Michelangelo, Shakespeare, Molière und Goethe oder wenigstens auf hervorragende Bauwerke einigen kann und letztere nur in abstrahierenden Architektenzeichnungen wiedergibt, kann man nicht von einer transnationalen, verbindlichen Erinnerungskultur sprechen.[12]

Die Millionen von Touristen, die in den europäischen Hauptstädten in Kirchen, Schlösser und Museen pilgern, begegnen meist einer nationalen Verherrlichung der Vergangenheit, obwohl die bestaunten Artefakte oft das Produkt prä- oder transnationaler Beziehungen sind. So sind viele der herrlichen Kunstwerke in Prag während des Vielvölkerstaats der Habsburger entstanden, der Künstler aus Italien, Frankreich und Deutschland anzog, um repräsentative Gebäude auszuschmücken. Auch wenn die Herkunft der Schöpfer erwähnt wird, werden ihre Werke doch in ein Narrativ tschechischer Nationswerdung eingebettet, das europäische Bezüge zugunsten der Betonung des Nationalstaats weitgehend unterschlägt. Statt als europäische Stadt stellt sich Prag in populären Broschüren als Hauptstadt Tschechiens dar - zutreffend für die Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert, aber irreführend für die Epochen davor, die von anderen dynastischen, kirchlichen und ständischen Traditionen geprägt sind.[13]

Der Eklat auf der jüngsten Leipziger Buchmesse über die Gleichsetzung von Hitlers und Stalins Verbrechen zeigte, wie weit Ost- und Westeuropäer von einer "gemeinsamen Erinnerungskultur" entfernt sind. Als die lettische EU-Kommissarin Sandra Kalniete behauptete, "die beiden Totalitarismen - Nazismus und Kommunismus - waren gleichermaßen verbrecherisch", verließ Salomon Korn, Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, demonstrativ den Saal, weil er die Behauptung als Affront empfand.[14] Während Westeuropäer das normative Axiom der Singularität des rassistischen Holocausts betonen und aus dem Leiden der Weltkriege den Versuch politischer Integration ableiten, sind viele Osteuropäer mit der Aufarbeitung des anderen, auf Klassenbasis verübten Unrechts der kommunistischen Diktatur beschäftigt und um die Rechtfertigung nationaler Unabhängigkeit bemüht. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet nur größere Offenheit: "Es muss beides gelernt werden: das eigene Leid zu artikulieren und an das fremde zu erinnern."[15]

Auch die Ausstellung des Deutschen Historischen Museums über "Die Idee Europas" im vergangenen Jahr zeigte, wie schwierig die musealische Repräsentation eines europäischen Geschichtsbildes ist. Die Plastiken und Malereien mögen den"Europa-Mythos" anschaulich repräsentieren, jedoch werfen schon die alten Landkarten das Problem der Abgrenzung des Kontinents auf. Zwar lassen sich Gemeinsamkeiten wie die Glaubenseinheit im römischen Christentum oder die politischen Einigungsversuche im Kaisertum graphisch illustrieren, aber die Entwicklung von Souveränität belegt eher das Ausmaß territorialer Zersplitterung. Die Geschichte des Aufstiegs der Nationalstaaten weist auf die Desintegration des Kontinents, während gegenläufige Entwürfe von Ordnungen eines "ewigen Friedens" eher Hoffnungen auf Pazifizierung der ganzen damaligen Welt belegen. Die im letzten Ausstellungsraum vorgestellten Artefakte des Einigungswillens sind Zeugnisse einer allzu knappen Gegenreaktion auf Jahrhunderte der Zwietracht und des Krieges.[16]

Erste These: Ein gemeinsames europäisches Geschichtsbewusstsein ist bestenfalls in ersten Ansätzen vorhanden.

Paradoxe von Forschung ohne Resonanz

Ein kurzer Überblick der wissenschaftlichen Bemühungen um das Europathema ergibt ein widersprüchliches Bild intensiver Bemühungen und fehlender Resonanz. Leitdisziplin ist die Politikwissenschaft, die schon Ende der fünfziger Jahre mit Forschern wie Ernst B. Haas eine europäische Integrationsforschung entwickelt hat.[17] Als Teil der Vergleichenden Regierungslehre hat diese Richtung durch die Gründung von European-Studies-Zentren an führenden amerikanischen Universitäten einen rapiden Aufschwung genommen und sogar eine European Community Studies Association hervor gebracht. In den vergangenen Jahren sind politologische Beschreibungen der emerging European polity immer komplexer geworden und haben sich durch Umfrageforschung (Eurobarometer) auch qualitativen Fragen kultureller Identität zugewandt. Allerdings besteht ein Grundproblem darin, dass sich viele Wissenschaftler als teilnehmende Beobachter verstehen, die den Integrationsprozess vorantreiben wollen, also Analyse und Politikberatung vermischen.[18]

Im Bereich der Geschichte bemühen sich vor allem Schulbuchautoren, durch den Abbau von nationalen Stereotypen zu einem europaverträglicheren Geschichtsbild zu gelangen. Schon in den fünfziger Jahren rang eine deutsch-französische Schulbuchkommission um die Formulierung einer gemeinsamen Erklärung zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die vom Verdikt des Versailler Vertrages abrückte.[19] Unterstützt vom Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig haben in den letzten Jahrzehnten ähnliche Verhandlungen mit den ostmitteleuropäischen Staaten stattgefunden, um gegenseitige Feindbilder abzubauen. Anfang der neunziger Jahre versuchte ein Projekt sogar, ein "europäisches Schulbuch" zu entwerfen, während einzelne Autoren Direktiven für eine nationenübergreifende Darstellung ausgearbeitet haben.[20] Initiativen wie der Schülerwettbewerb der Körber-Stiftung haben dazu beigetragen, die Darstellung vieler Konflikte zu entschärfen, aber trotzdem perpetuieren die meisten Curricula weiterhin nationale Bilder der Vergangenheit.

Auch Fachhistoriker haben dem Europathema Aufmerksamkeit gewidmet, ohne aber die Mehrheit ihrer Kollegen dafür begeistern zu können. Einige Verlage haben Buchreihen wie "Europa bauen" aufgelegt, und der Beck-Verlag hat eine polyglotte Zeitschrift mit dem nicht ganz originellen Titel "Journal of Modern European History" gegründet.[21] Die ersten empirischen Forschungen und Quelleneditionen der Integrationsgeschichte gehen bis in die fünfziger Jahre zurück, und mittlerweile hat das Europäische Hochschulinstitut in Florenz diesen Sektor erheblich belebt.[22] Allerdings gibt es kaum kritische Untersuchungen wie die Studie von John Gillingham, die nicht nur Erfolge, sondern auch Fehlschläge des Einigungsprozesses analysieren. Ebenso haben über die Geschichte der internationalen Beziehungen und Kriege hinausgehende, transnationale Untersuchungen zur europäischen Sozial- oder Wirtschaftsgeschichte bisher Seltenheitswert.[23]

In der Teildisziplin Zeitgeschichte ist die Lage noch problematischer, da ihre Entstehung eng mit der Verarbeitung der ideologischen Diktaturen im 20. Jahrhundert zusammenhängt, die erhebliche Disparitäten in Entwicklung und Thematik hervorgebracht hat. Während in den postfaschistischen Demokratien Zeitgeschichte als Reaktion auf die eigene Vergangenheit entstand, ging es bei den westeuropäischen Ländern eher um den Zweiten Weltkrieg und die NS-Repression; in Ostmitteleuropa hingegen steckt die Aufarbeitung des Kommunismus noch in den Anfängen. Daher sind die Periodisierungen disparat, die in Mitteleuropa meist mit dem Ersten Weltkrieg beginnen, in Frankreich aber schon mit der Revolution von 1789 einsetzen, während sie sich in Osteuropa eher auf die Zeit nach 1945 beziehen.[24] Statt die Großkatastrophen der ersten Jahrhunderthälfte transnational zu erforschen und auch den Kalten Krieg als Teilung Europas zu begreifen, bewegen sich die meisten Zeithistoriker noch immer in einem nationalen Referenzrahmen, um ihrer eigenen Leidens-, Kollaborations- oder Tätergeschichte gerecht zu werden.

Zweite These: Die wissenschaftliche Forschung zeigt eine paradoxe Diskrepanz zwischen intensiver Arbeit in einigen Bereichen und Defiziten in anderen wie der Zeitgeschichte sowie zwischen hoher politischer Aufmerksamkeit und enttäuschender öffentlicher Resonanz.

Ungelöste inhaltliche Probleme

Eine der Hauptursachen für das verbreitete Desinteresse sind ungelöste inhaltliche Fragen, mit denen sich jede Konzipierung einer europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert auseinandersetzen muss. Ein Blick in ein halbes Dutzend neuer amerikanischer Lehrbücher deckt die neuralgischen Punkte auf. Die erste Schwierigkeit ist die Unbestimmtheit der Grenzen Europas, von denen eine positive Beurteilung seiner "Wiedergeburt" oder eine negative Einschätzung des "dunklen Kontinents" abhängt.[25] Aufgrund eines Selbstverständnisses, das Europa mit Zivilisation und Fortschritt gleichsetzt, gehen die Darstellungen meist von denWeltkriegsallianzen mit Großbritannien und Frankreich aus, die auch die kleineren westeuropäischen Staaten einschließen. Der zweimalige Kriegsgegner Deutschland und die mitteleuropäischen Staaten passen nur als das "nahe Andere" in dieses Schema, denn ihr Rückfall in die NS-Barbarei ist eigentlich unverständlich. Fast ganz übersehen wird Ostmitteleuropa, da es hinter dem Eisernen Vorhang lag, und auch die Rolle Russlands innerhalb oder außerhalb Europas bleibt unbestimmt.[26]

Ein zweiter Problemkomplex betrifft den von unterschiedlichen methodischen Perspektiven gesponnenen thematischen Faden oder in postmoderner Terminologie die Metanarrative, die eine Darstellung interpretatorisch zusammenhält. Reicht es, wie in Handbüchern eine Geschichte der internationalen Beziehungen, der Kriege und Friedensschlüsse vorzulegen, die durch länderspezifische Kapitel zur Innenpolitik komplettiert wird?[27] Soll sich die Präsentation auf den sozialen Prozess der Modernisierung konzentrieren und die Entwicklung Europas als zivilisatorischen Fortschritt feiern, der nur von schwer zu erklärenden Krisen unterbrochen wird?[28] Oder müsste es eher um die Konkurrenz ideologischer Großordnungen von Kommunismus, Faschismus und Demokratie gehen, welche die äußere wie die innere Politik der europäischen Staaten zwischen 1917 und 1992 bestimmt hat?[29] Ist schließlich trotz aller Hinweise auf Repression die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft zu Konsum und Populärkultur das blockübergreifende Hauptthema?[30]

Ein dritter umstrittener Bereich ist die reale oder wahrgenommene Beziehung Europas zur Außenwelt, da sich das Klischee der "Einheit in der Vielfalt" nur durch den Kontrast mit der Alterität des Anderen erschließen lässt. Meist wird die postkoloniale Dekonstruktion des Eurozentrismus, welche die Leiden des von Europa vorangetriebenen Imperialismus betont, in Überblicksdarstellungen ignoriert, da sie das positive Selbstbild der kulturellen Überlegenheit Westeuropas verdunkeln würde. Verschwammen nicht in der Sicht der Kolonialvölker die sonst so stark betonten nationalen Unterschiede, so dass die Weißen nur als "Europäer" wahrgenommen wurden?[31] Ein ähnliches, selten angesprochenes Problem betrifft das ambivalente Verhältnis Europas zu den englischsprachigen Ländern in Nordamerika und Übersee. Zwar konnte die Verbreitung europäischer Zivilisation anfangs als Projektion nach außen verstanden wurden, aber vor allem in der Neuen Welt wuchs daraus eine dynamischere Alternative heran, die den alten Kontinent in den Weltkriegen retten und danach rehabilitieren musste.[32]

Ein letzter, aber wichtiger Streitpunkt ist die Frage der Grundwerte Europas, die den gemeinsamen Kern dieser faustischen Zivilisation ausmachen. Auch wenn die judäo-christliche Herkunft europäischer Moralbegriffe generell unbestritten ist, widerlegt die Reformation Vorstellungen von katholischer Einheit des Abendlandes - von der fatalen Beimischung des in beiden Konfessionen enthaltenen Antisemitismus ganz zu schweigen.[33] Eine zweite Klammer, die oft erwähnt wird, ist das Erbe der Aufklärung mit seinem Versuch der rationalen Rechtfertigung von politischen Menschenrechten und seinem gleichzeitigen Bemühen um die praktische Verbesserung der Lebensbedingungen. Allerdings hat die postkoloniale wie feministische Kritik auf deren unvollständige Umsetzung hingewiesen und versucht, sie als Rechtfertigung der Dominanz weißer, europäischer Männer zu entlarven.[34] Wie passen die Ideologien des Faschismus und des Kommunismus, die Millionen von Opfern gekostet haben, in dieses eher affirmative Selbstbild der Europäer - waren sie nur atavistische Rückfälle oder nicht doch zentrale Ausdrücke moderner Zivilisation?[35]

Dritte These: Ein wichtiger Grund für die historische Amnesie Europas ist die Ungelöstheit einer Reihe von grundlegenden Interpretationsfragen der europäischen Entwicklung im 20. Jahrhundert.

Ansätze zu einer kritischen Europageschichte

Wie könnte eine kritische Zeitgeschichte Europas jenseits der affirmativen Rhetorik von Sonntagsreden aussehen? Erstens erscheint es notwendig, Europa als Terrain konfligierender Erinnerungen zu verstehen, die sich nicht magisch zu einem einheitlichen Geschichtsbild zusammenfügen lassen. Während sich Pierre Noras Ansatz der französischen lieux de memoire mutatis mutandis noch auf Deutschland übertragen ließ, ist der Versuch, ihn auf Europa auszuweiten, kläglich gescheitert, weil die nationalen Erinnerungskulturen zu disparat sind.[36] Besonders in den Beitrittsländern der EU, die gerade erst ihre Souveränität wiedergewonnen haben, scheint die Legitimation der Unabhängigkeit durch eine Nationalgeschichte noch ziemlich ungebrochen.[37] Erst durch systematische Reflexion über die aus gegenseitigem Leiden entstandenen Verzerrungen und Verengungen wird es möglich sein, aus dem Käfig nationaler Meistererzählungen auszubrechen.[38]

Zweitens wird es notwendig sein, Europa nicht als harmonischen Kontinent, sondern als blutigen Konfliktraum zu betrachten, also seine fast permanente Zwietracht endlich ernst zu nehmen. Religionsstreitigkeiten, Klassenkämpfe, Nationalitätenkonflikte, ethnische Säuberungen, Weltkriege und Genozide sind keine punktuelle Ausnahme, sondern eine zentrale Linie europäischer Entwicklung. Sie haben in den Ruinen der Städte, den Verwüstungen der Landschaften, den ubiquitären Soldatenfriedhöfen und den privaten Fotoalben auf dem ganzen Kontinent ihre Schreckensspuren hinterlassen, die nur eine naiv fortschrittsgläubige Betrachtungsweise leugnen könnte. Zweifellos haben dabei, wie etwa die Aktivitäten der Kriegsgräberfürsorge demonstrieren, die Deutschen als Aggressoren und Unterdrücker eine zentrale Rolle gespielt, aber auch andere Europäer haben weit von ihren Heimatorten entfernt als Täter oder Opfer gehandelt. Die vorherrschende Perspektive nationaler Betroffenheit sollte zu einer breiteren Sicht der europäischen Interaktionen erweitert werden.[39]

Drittens gibt es glücklicherweise auch eine positivere Vergangenheit von transnationalen Transaktionen, die es stärker zu erkunden gilt. Auch wenn sich das europäische Konzert nicht als dauerhaft erwies und politische Initiativen wie die Haager Landkriegsordnung die Konflikte nur kanalisieren konnten, waren in Bereichen wie der Wissenschaft die internationalen Verbindungen viel enger. Ausstellungsprojekte, die um Hauptstädte wie Paris, Berlin und Moskau kreisen, demonstrieren, dass die kulturelle Avantgarde in regem Austausch miteinander lebte, so dass sich Künstler wie Kandinsky nur schwer einem nationalen Kontext zuordnen lassen.[40] Auch auf dem Höhepunkt des Imperialismus Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den führenden europäischen Nationen wesentlich dichter als mit den eigenen oder anderen Kolonien.[41] Die analytische Herausforderung besteht darin, diese transnationalen Netzwerke zu rekonstruieren und den spezifischen Anteil Europas, der anfangs mit der zivilisierten Welt identisch war, aber nach 1945 eigene Konturen gewann, herauszuarbeiten.

Viertens ist es unumgänglich, anhand der EU den spannenden Prozess der Entstehung eines neuen politischen Akteurs zu erforschen, um Chancen und Risiken dieser Staatenbildung besser einzuschätzen. Dabei kann auf eine eindrucksvolle ideengeschichtliche Literatur zurückgegriffen werden, welche die Entwicklung der verschiedenen Europakonzeptionen dokumentiert.[42] Ebenso ist die Integrationsgeschichte im engeren Sinn schon adäquat vertreten, auch wenn manche der englischsprachigen Zusammenfassungen mehr die hehren Absichten von Politikern als die Mühen des europäischen Alltags widerspiegeln.[43] Zur Entwicklung eines unabhängigen Urteils sind eine kritische Analyse der europäischen Einheitsrhetorik, eine schonungslosere Untersuchung der Brüsseler Interessenpolitik und eine stärkere Betonung der periodischen Fehlschläge angesagt, die von Europaenthusiasten oft übergangen werden. Auch sollte bei der Beurteilung der supranationalen und internationalen Elemente von EU-Strukturen mehr Fantasie walten als die letztlich doch nationalstaatliche Fixierung auf die Vereinigten Staaten von Europa.[44]

Vierte These: Als Alternative zur Integrationsrhetorik ist die Entwicklung einer kritischen Europageschichte notwendig, die negative Aspekte wie Differenzen der Erinnerung und blutige Konflikte genauso ernst nimmt wie positive Seiten von Transaktionen und Integrationsprozessen.

Methodische Umsetzung

Da essentialistische Versuche der Konzipierung einer einheitlichen Geschichte Europas immer wieder gescheitert sind, ist es an der Zeit, sich der Vielfalt von europäischen Geschichten zu öffnen. Die Überwölbung von disparaten Nationalgeschichten bleibt ebenso unbefriedigend wie dieteleologische Betonung des "aufklärerische(n) und liberal-demokratische(n) Erbe Europas" oder das Bemühen der Retroprojizierung von Integrationsversuchen in die Periode vor 1945. Gerade weil Erkenntnisinteressen, Wertbezüge und nationale Perspektiven drastisch variieren, ist "die Pluralität der interpretatorischen Ansätze zur europäischen Geschichte gänzlich unvermeidlich". Um nicht in Beliebigkeit zu enden, muss ein solch konstruktivistischer Ansatz auf die Identifizierung der spezifisch europäischen Dimension multipler Entwicklungen zielen. Nach Hannes Siegrist geht es "nicht um Homogenisierung oder gar Harmonisierung der europäischen Geschichte, sondern um Kohärenzbildung und Relationierung von Geschichten, die Europäer gemacht haben".[45]

Ein Königsweg, der es erlaubt, gemeinsame Tendenzen wie individuelle Unterschiede analytisch zu fassen, ist der systematische Vergleich zwischen nationalen, regionalen und lokalen Entwicklungen. Allerdings ist es notwendig, quantitative Indikatorenvergleiche kulturell zu hinterfragen, um der Gefahr ihrer Oberflächlichkeit zu entgehen. Statt Europa normativ zu setzen, könnten empirische Kontrastierungen mit anderen Kontinenten Ähnlichkeiten europäischer Eigenschaften über die nationalen Ausprägungen hinweg identifizieren. Heinz-Gerhard Haupt plädiert für eine kulturelle Erweiterung des sozialwissenschaftlichen Ansatzes zu "diskurs- und ideengeschichtliche(n) Vergleiche(n)". Dadurch wird Europa "aus einer fixen Größe zu einem variablen Ensemble von Zuschreibungen, die sich je nach Interessenlage, Autoren und Konjunktur verändern".[46]

Eine weitere Perspektive, die stärker auf Beziehungen abhebt, ist die "transnationale Geschichte". In seiner Antrittsvorlesung bezieht Kiran Klaus Patel den Begriff auf "Abhängigkeiten und Transfers über (nationale) Grenzen hinweg sowie für die wechselseitigen Wahrnehmungen" und schließlich auf "Formen der Verflechtung", d.h. auch auf strukturelle Verbindungen unterhalb des Nationalstaates und über ihn hinaus. Ein solches Erkenntnisinteresse durchbricht nationalgeschichtliche Mauern, aber im Gegensatz zur internationalen Geschichte zwischen Staaten richtet es sich eher auf soziale Prozesse. Die sich daraus ergebende Thematisierung der Raumvorstellungen, Transferprozesse und Transaktionen könnte sich für eine Analyse der wechselnden Identitätsbilder und Zusammenhänge quer durch Europa als außerordentlich fruchtbar erweisen. Statt eine neue Geschichtsteleologie zu etablieren, "könnte der Ausgangspunkt einer transnationalen Perspektive auf die europäische Einigung die Frage sein, was zu verschiedenen Zeiten überhaupt unter 'Europa' verstanden wurde".[47]

Ein letzter Ansatz könnte eine selbstreflexive Historiographiegeschichte sein, die den Zusammenhang zwischen politischem Anliegen, methodischem Vorgehen und interpretativen Schlussfolgerungen der Historiker zum Thema macht. Ein vergleichendes Nachdenken über die Wirkung von Geschichtsbildern in der Nationswerdung europäischer Staaten hat auf die zentrale Rolle der Historiker als Konstrukteure einer "imaginierten Gemeinschaft" hingewiesen. Auch die Gleichzeitigkeit der wissenschaftlichen Professionalisierung mit der selbst gewählten Prophetenrolle ist über nationale Grenzen hinweg belegt worden.[48] Diese Perspektive wirft beunruhigende Fragen über das Verhältnis von europäischer Integration als politischem Prozess und akademischer Akklamation durch Wissenschaftler auf, die zu einer selbstkritischeren Haltung anregen sollten. Statt Europa als normatives Ziel zu feiern, weist die schlechte Erfahrung des Nationalismus auf die Notwendigkeit hin, das Europathema als kognitives Problem zu behandeln, um der wissenschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.

Fünfte These: Ein konstruktivistisches Geschichtsverständnis verlangt die Pluralisierung von Europavorstellungen sowie die Anwendung von Methoden des Vergleichs, der transnationalen Geschichte und der historiographischen Selbstreflexion.

Herausforderungen der Europäisierung

Ziel dieser Überlegungen zum europäischen Erinnerungsdefizit ist es, eine Diskussion über das Geschichtsbild Europas anzuregen. Dabei ist Stephan Martens' Warnung aus Anlass der EU-Osterweiterung zu beherzigen: "Phantastische Visionen und ahistorisches Denken der politischen Elite, insbesondere der deutsch-französischen, sollten Europas Zukunft nicht aufs Spiel setzen." Der technokratische Pragmatismus der Europapolitiker und der Brüsseler Bürokraten, der hauptsächlich um die Lösung gegenwärtiger Integrationsprobleme ringt, greift zu kurz, denn er vernachlässigt die auf gegensätzlichen historischen Selbstbildern aufbauenden Identitätsvorstellungen der Mitgliedernationen. Dafür sind die aus zwei Weltkriegen und dem verlorenen Weltreich stammenden Ressentiments der Briten gegen ein Engagement auf dem Kontinent ein schlagendes Beispiel, denn das angekündigte Referendum könnte das ganze Verfassungsprojekt gefährden. Die von Hubert Markl vorgeschlagene "Kultur des Vergessens" ist ebenso problematisch, weil sie eine Auseinandersetzung mit der Geschichte verhindert.[49]

Voraussetzung für die diskursive Erarbeitung einer "gemeinsamen Erinnerungskultur" ist ein Perspektivenwechsel der Zeithistoriker von der Ausrichtung auf die Nation zu breiteren europäischen Bezügen hin. Gerade die verständliche Fixierung auf die eigene Opferrolle sollte die Notwendigkeit einer solchen Veränderung deutlich machen, da Krieg und Unterdrückung einen "Anderen" als Täter implizieren, der häufig im Namen einer feindlichen Nation handelte. Eigenes und fremdes Leiden sind meist interdependent, werfen also Fragen auf, die über den nationalen Horizont hinausgehen.[50] Ein weiterer notwendiger Blickwechsel ist die Distanzierung von einem flachen, harmonisierenden Europabild zu einem Verständnis des alten Kontinents als Spannungsfeld zwischen befreienden zivilisatorischen Aspirationen und schrecklichen, menschenverachtenden Verbrechen. Nicht nur der Fortschritt, sondern auch der Genozid ist das Produkt der europäischen Modernisierung, und besonders dieser Widerspruch begründet die Notwendigkeit des friedlichen Zusammenlebens durch den Versuch der Integration.[51]

Voraussetzung für eine europäische Angleichung der Zeitgeschichtsschreibung ist die Erarbeitung einer gemeinsamen Periodisierung des kurzen oder langen 20. Jahrhunderts, für die der Vorschlag von Hans-Peter Schwarz einer Dreiteilung in ältere, neuere und neueste Zeitgeschichte eine flexible Lösung bieten könnte.[52] Ein weiterer Punkt ist die Identifizierung von nationenübergreifenden Großthemen wie der Ordnungskonkurrenz zwischen faschistischen und kommunistischen Diktaturen mit den parlamentarischen Demokratien.[53] Ebenso wichtig ist die Behandlung von Europas Stellung in der Welt, d.h. eine Untersuchung der Ursachen des Verlusts seiner Hegemonie, der Dynamik seiner Selbstzerstörung und der Lehren seiner partiellen Renaissance. Innerhalb des alten Kontinents wären Fragen der habituellen Zersplitterung und Prozesse neuer Vernetzungen von unten zu analysieren.[54]

Es gibt also ein weites Feld von europäischen Themen, die einer transnationalen Diskussion harren. Doch der überfällige Abschied von der Nation darf nicht zu einer unkritischen Affirmation des europäischen Projekts als neuer geschichtspolitischer Norm führen. Die Ersetzung der Nationalgeschichte als Metanarrative durch eine neue Europageschichte brächte Historiker vom Regen in die Traufe, wenn sie von einer ähnlichen Mythologisierung begleitet wäre, denn auch im Namen Europas können Kriege geführt und Menschen unterdrückt werden.[55] Die "vereinende Kraft der kritisch begründungspflichtigen Wahrheitssuche" muss auch für die Europäisierung der Zeitgeschichte eine Richtschnur bleiben, damit Forscher sich nicht wieder einem politischen Projekt unterordnen, dessen Implikationen umstritten sind. Nur der "Geist aufklärender und aufgeklärter Wissenschaft" kann Brücken zwischen den traumatisierten Erinnerungen der Nationen bauen und gleichzeitig vorschnelle Instrumentalisierungen im Namen Europas verhindern.[56] Die Bewahrung des europäischen Erbes der Menschenrechte verlangt daher vor allem auch von Zeithistorikern die Fähigkeit zur reflexiven Selbstkritik.

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Fußnoten

1.
Dieser Beitrag ist die überarbeitete Einführung zur Konferenz "Thinking Europe. Towards a Europeanization of Contemporary Histories" in Berlin/Potsdam, 6.-8. Mai 2004. Vgl. auch Europäer, du mußt wandern, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 11. 5. 2004, und Annelie Ramsbrock, Patchwork Europa?, in: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte (8. 6. 2004).
2.
Vgl. Ulrike Ackermann (Hrsg.), Versuchung Europa. Stimmen aus dem europäischen Raum, Frankfurt/M. 2003.
3.
Jerzy Mackow, Europäismus, in: FAZ vom 17. 12. 2003.
4.
Vgl. Helmut Kohl, Erinnerungen 1930 - 1982, München 2004, S. 84ff, 208ff. Vgl. auch Wilfried Loth, Der Weg nach Europa. Geschichte der europäischen Integration 1939 - 1957, Göttingen 19963.
5.
Entwurf. Vertrag über eine Verfassung für Europa vom 18. 7. 2003, S. 3 - 4, 146, zit. nach: http://european-convention.eu.int. Vgl. Entwurf einer Verfassung für Europa, EU-Nachrichten, Themenheft Nr. 6, 2003.
6.
Hans-Günter Hockerts, Zeitgeschichte in Deutschland. Begriff, Methoden, Themenfelder, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), B 29 - 30/1993, S. 3 - 19; Anselm Döring-Manteuffel, Deutsche Zeitgeschichte nach 1945. Entwicklung und Problemlagen der historischen Forschung zur Nachkriegszeit, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (VfZ), 41 (1993), S. 1 - 29; Axel Schildt, Nachkriegszeit. Möglichkeiten und Probleme einer Periodisierung der westdeutschen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg und ihrer Einordnung in die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, 44 (1993), S. 567 - 584.
7.
Konrad H. Jarausch, A Double Burden: The Politics of the Past and German Identity, in: Jörn Leonhard/Lothar Funk (Hrsg.), Ten Years of German Unification: Transfer, Transformation, Incorporation?, Birmingham 2002, S. 98 - 114.
8.
Vgl. Christoph Kleßmann, Zeitgeschichte als wissenschaftliche Aufklärung, in: APuZ, B 51 - 52/2002, S. 3 - 12, sowie Michael Gehler, Zeitgeschichte zwischen Europäisierung und Globalisierung, ebd., S. 23 - 35.
9.
Jürgen Elwert, Vom Nutzen und Nachteil der Nationalhistorie für Europa, Ms., Köln 2002.
10.
Vgl. Tony Judt, A Grand Illusion? An Essay on Europe, New York 1996, und Harold James, Vom Historikerstreit zum Historikerschweigen. Die Wiedergeburt des Nationalstaates, Berlin 1993.
11.
Vgl. Susanne Popp, Auf dem Weg zu einem europäischen "Geschichtsbild", in: APuZ, B 7 - 8/2004, S. 23 - 31.
12.
Vgl. Harold James, Europe Reborn: A History 1914 - 2000, Harlow 2003, S. 442f.
13.
Vgl. Prag - das Herz Europas, info@prag.cz.
14.
Vgl. Christoph von Marschall, Der nächste Osten. Wird der Völkermord zum Aufrechnungs-Exempel? Zum Streit um Hitlers und Stalins Verbrechen im Baltikum, in: Der Tagesspiegel (TSP) vom 1. 4. 2004, und Salomon Korn, NS- und Sowjetverbrechen. Sandra Kalnietes falsche Gleichsetzung, in: Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 31. 3. 2004.
15.
Stéphane Courtois u.a. (Hrsg.), Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdrückung, Verbrechen und Terror, München 1997; vgl. auch Sibylle Quack, Fremdes und eigenes Leid. Europa braucht eine gemeinsame Erinnerungskultur, in: SZ vom 14. 4. 2004.
16.
Vgl. Marie Louise von Plessen, Idee Europa. Entwürfe zum "Ewigen Frieden". Ordnungen und Utopien für die Gestaltung Europas von der pax romana zur Europäischen Union, Berlin 2003, S. 33 - 41.
17.
Vgl. Ernst B. Haas, The Uniting of Europe: Political, Social and Economic Forces, 1950 - 1957, Stanford 1958; und Leon Lindberg, The Political Dynamics of European Economic Integration, Stanford 1963.
18.
Vgl. Gary Marks/Liesbeth Hooge, Multilevel Governance and European Integration, Lanham MD 2000; eigene Erfahrungen am Center for European Studies an der University of North Carolina in Chapel Hill.
19.
In: Dwight E. Lee (Hrsg.), The Outbreak of the First World War: Who Was Responsible?, Lexington, Mass. 1963.
20.
Frederic Delouche u.a., Europäisches Geschichtsbuch. Geschichtliches Unterrichtswerk für Sekundarstufe I und II. Erarbeitet von 12 europäischen Historikern, Stuttgart 1992; Falk Pingel, Macht Europa Schule? Die Darstellung Europas in Schulbüchern der Europäischen Gemeinschaft, Frankfurt/M. 1995; Horst Gies, Nation und Europa in der historisch-politischen Bildung, Schwalbach 1998. Vgl. auch Eustory unter www.stiftung.koerber.de.
21.
Hagen Schulze, Staat und Nation in der europäischen Geschichte, München 1994, S. 4. Vgl. die Verlagsankündigung des Journal of Modern European History, 2003.
22.
Vgl. W. Loth (Anm. 4), S. 141ff.
23.
Vgl. John Gillingham, European Integration: Superstate or New Market Economy, 1950 - 2003, Cambridge 2003. Vgl. Hartmut Kaelble, Auf dem Weg zu einer europäischen Gesellschaft. Eine Sozialgeschichte Westeuropas 1880 - 1980, München 1987; und Gerold Ambrosius, Wirtschaftsraum Europa. Vom Ende der Nationalökonomien, Frankfurt/M. 1996.
24.
Vgl. Alexander Nützendadel/Wolfgang Schieder (Hrsg.), Zeitgeschichte als Problem. Nationale Traditionen und Perspektiven der Forschung in Europa, Göttingen 2004, S. 7 - 24.
25.
Vgl. die Titel von H. James (Anm. 12) versus Mark Mazower, Der dunkle Kontinent. Europa im 20. Jahrhundert, Berlin 2000.
26.
Stuart Wolf, Europa und seine Historiker, in: Comparativ 14 (2004) 3. Vgl. Karl Schlögel, Die Mitte liegt ostwärts. Die Deutschen, der verlorene Osten und Mitteleuropa, Berlin 1986; Gesine Schwan, Die Tücken der Ortsbestimmung - wo liegt Osteuropa?, in: Osteuropa, 52 (2002) 4, S. 389 - 394.
27.
Vgl. Theodor Schieder (Hrsg.), Handbuch der europäischen Geschichte. 7 Bde., Stuttgart 1967 - 1986; Herrmann Kellenbenz (Hrsg.), Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte. 6 Bde., Stuttgart 1980ff.
28.
Vgl. Spencer M. Di Scala, Twentieth Century Europe. Politics, Society, Culture, Boston 2003.
29.
Als gegensätzliche Deutungsangebote François Furet, The Passing of an Illusion: The Idea of Communism in the Twentieth Century, Chicago 1999; Eric J. Hobsbawm, Age of Extremes: The Short Twentieth Century, 1917 - 1991, London 1994.
30.
Vgl. H. James (Anm. 12), S. 26 ff.
31.
Vgl. Hanna Schissler, Why teach Europe?, Ms., Braunschweig 2001, und Ute Frevert, Eurovisionen. Ansichten guter Europäer, Frankfurt/M. 2003.
32.
Vgl. Volker R. Berghahn, America and the Cultural Cold Wars in Europe: Shepherd Stone between Philanthropy, Academy and Diplomacy, Princeton 2001.
33.
Krystof Pomian, Europa und seine Nationen, Berlin 1990, S. 17ff. huldigt dieser karolingischen Auffassung.
34.
Dagegen: Lynn Hunt (Hrsg.), The French Revolution and Human Rights: A Brief Documentary History, Boston 1996.
35.
Vgl. Zygmunt Bauman, Modernity and the Holocaust, Ithaca NY 2000.
36.
Vgl. Etienne François/Hagen Schulze (Hrsg.), Deutsche Erinnerungsorte, München 2001.
37.
Vgl. Christian Domnitz, Der heimliche Traum von Europa. Die europäische Einigung ist nicht allein eine Erfindung des Westens, in: TSP vom 5. 5. 2004. Vgl. Stefan Berger/Mark Donovan/Kevin Passmore, Writing National Histories: Western Europe Since 1800, London 1999.
38.
Vgl. Martin Sabrow, Abschied von der Nation? Historisches Denken in der Zeit der Europäisierung, in: Gian Enrico Rusconi/Hans Woller (Hrsg.), Italien und Deutschland 1945-2000. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Europäischen Einigung (i. E.).
39.
Vgl. Dan Diner, Das Jahrhundert verstehen. Eine universalhistorische Deutung, München 1999.
40.
Vgl. z.B. den Ausstellungskatalog Berlin-Moskau, 1950 - 2000, Berlin 2003.
41.
Vgl. G. Ambrosius (Anm. 23), S. 10ff.
42.
Vgl. Anthony Pagden (Hrsg.), The Idea of Europe: From Antiquity to the European Union, Cambridge 2002; Wolf Gruner, Die deutsche Frage - ein Problem der europäischen Geschichte, München 1985.
43.
Vgl. Mark Gilbert, Surpassing Realism: The Politics of European Integration since 1945, Lanham MD 2003. Vgl. auch das seit 1995 existierende Journal of European Integration History.
44.
Vortrag von M. Rainer Lepsius im Wissenschaftszentrum Berlin. Vgl. Ludger Kühnhardt, Von Deutschland nach Europa. Geistiger Zusammenhalt und außenpolitischer Kontext, Baden-Baden 2000.
45.
Hannes Siegrist/Rolf Petri, Geschichten Europas. Probleme. Methoden und Perspektiven, in: Comparativ, 14 (2004) 3; vgl. S. Wolf (Anm. 26); Bo Strath/Mikael Malmberg (Hrsg.), The Meaning of Europe: Variety and Contention Within and Between Nations, Oxford 2002.
46.
Heinz-Gerhard Haupt, Die Geschichte Europas als vergleichende Geschichtsschreibung, in: Comparativ, 14 (2004) 3.
47.
Kiran Klaus Patel, Nach der Nationalfixiertheit. Perspektiven einer transnationalen Geschichte (Öffentliche Vorlesungen der Humboldt-Universität 128), Berlin 2004, S. 9ff, 23f.
48.
Vgl. Christoph Conrad/Sebastian Conrad (Hrsg.), Die Nation schreiben. Geschichtswissenschaft im internationalen Vergleich, Göttingen 2002, S. 11ff.
49.
Vgl. Stephan Martens, Das erweiterte Europa, in: APuZ, B 17/2004, S. 3 - 5. Vgl. Hubert Markl, Wo unser Herz schlägt, in: FAZ vom 27. 12. 2003.
50.
Vgl. Holger R. Stunz, German Suffering/Deutsches Leid: Re(-)presentations, Tagungsbericht in: http://hsozkult. geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte (21. 4. 2004).
51.
Vgl. M. Mazower (Anm. 25), S. 559ff. Vgl. auch Konrad H. Jarausch/Michael Geyer, Shattered Past. Reconstructing German Histories, Princeton 2003.
52.
Vgl. Hans-Peter Schwarz, Die neueste Zeitgeschichte, in: VfZ, 52 (2003), S. 5 - 28.
53.
Siehe die Literatur in Fn. 29.
54.
Vgl. Karl Schlögel, Europas Comeback, in: Lettre International, 64 (2004), S. 6 - 10.
55.
Vgl. Wolfgang Schmale, Scheitert Europa an seinem Mythendefizit?, Bochum 1997.
56.
Vgl. H. Markl (Anm. 49) und M. Sabrow (Anm. 38).