APUZ Dossier Bild

13.9.2004 | Von:
Ute Planert

Nation und Nationalismus in der deutschen Geschichte

Krieg, Partizipation und Ausgrenzung

Führt man sich die Geschichte des deutschen Nationalismus von den Anfängen bis zur Ausformulierung des nationalen Paradigmas in der "Sattelzeit" um 1800 vor Augen, so zeigen sich drei Prämissen, über die auch in der Forschung Einigkeit besteht.

Zum einen scheint sicher, dass es sein Gleichheits- und Partizipationsversprechen war, das dem Nationalismus in Deutschland wie anderswo zu seinem einzigartigen Aufstieg verhalf. Zum zweiten erfuhren nationale Vorstellungen in Kriegszeiten die größte Verbreitung. Drittens ging der Anspruch auf Mitwirkung im Innern mit der Abgrenzung gegenüber allen einher, die nicht der nationalen Gemeinschaft zugerechnet wurden. Ausgrenzung fungierte als Bestandteil der Selbstkonstitution. Diese Grenzziehung implizierte in aller Regel Aggressivität - entweder gegenüber einem äußeren Gegner oder gegen einen hypostasierten "Feind" im Innern.

Welche dieser ambivalenten Tendenzen zwischen "Partizipation und Aggression"[27] stärker in den Vordergrund trat, konnte je nach spezifischer Konstellation ganz verschieden ausfallen. Der nationale "Völkerfrühling" des Vormärz war ungleich stärker von liberaldemokratischen Vorstellungen getragen als der expansive Nationalismus des Kaiserreichs - aber auch er gelangte in den nationalen Widersprüchen der Revolution von 1848/49 und den kriegerischen Ereignissen um Schleswig-Holstein schnell an seine Grenzen. Wie sich der Anspruch auf politische Partizipation im Innern mit Aggression nach außen verband, soll abschließend am Beispiel der nationalen Frauenbewegung im 19. und frühen 20. Jahrhundert gezeigt werden.[28]


Fußnoten

27.
Vgl. Dieter Langewiesche, Nationalismus im 19. und 20. Jahrhundert: Zwischen Partizipation und Aggression, Bonn 1994.
28.
Die komplexe Politisierung des weiblichen Geschlechts durch Nationalismus kann hier nur ganz knapp dargestellt werden. Vgl. dazu ausführlich U. Planert (Hrsg.) (Anm. 18); dies., Zwischen Partizipation und Restriktion: Frauenemanzipation und nationales Paradigma von der Aufklärung bis zum Ersten Weltkrieg, in: D. Langewiesche/G. Schmidt (Anm. 1), S. 387 - 428.