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2.7.2004 | Von:
Volker Baethge-Kinsky
Ruth Holm
Knut Tullius

Berufliche Weiterbildung am Scheideweg

Chancen und Risiken eines neuen Typs

Der oder die Einzelne müssen heute eine höhere Verantwortung für die eigene Erwerbs- und Bildungsbiografie übernehmen. Das ist Chancen und Risiken verbunden, denn bislang fehlen die dafür noch die erforderlichen institutionellen Rahmenbedingungen.

Einleitung

Die Botschaft ist unüberhörbar: Seit den neunziger Jahren haben Beiträge, die sich um "berufliche Weiterbildung", "Kompetenzentwicklung" und "Lebenslanges Lernen" ranken, Hochkonjunktur - sowohl in den politischen als auch in den einschlägigen wissenschaftlichen Debatten.
















Den Hintergrund dafür bilden gravierende sozio-ökonomische Veränderungsprozesse (Stichwort: von der Industrie- zur Wissensgesellschaft), deren Bewältigung - so der einhellige Tenor der Diskussion - nur auf Basis einer neuen Grundlage für die Organisation von und die Teilhabe an Lernprozessen und beruflicher Weiterbildung gelingen kann. Über den Weg dorthin bzw. über die praktische Einlösung dieser konsensualen Diagnose herrscht jedoch erheblicher Dissens.

Unser Argument, das wir in diesem Beitrag[1] vorstellen und in mehreren Schritten prüfen wollen, lautet demgegenüber: Im Laufe der neunziger Jahre bildet sich ein neuer Typus von arbeits- bzw. berufsbezogenem Lernen heraus, der in wesentlichen Merkmalen (zeitliche Struktur, Inhalte und Formen, Stellung des Individuums) vom traditionellen Typus beruflicher Weiterbildung abweicht und mit spezifischen Problemen für die Individuen verknüpft ist. Dieser Typus bildet jedoch bislang allenfalls in Ausschnitten einen systematischen Anknüpfungspunkt für jedwede Regulierungsinitiative, so dass es der weiteren Erforschung seiner Konsequenzen bedarf.


Fußnoten

1.
Dieser basiert auf dem Gutachten: Martin Baethge/ Volker Baethge-Kinsky/Ruth Holm/Knut Tullius, Anforderungen und Probleme beruflicher und betrieblicher Weiterbildung. Expertise im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, Arbeitspapier Nr. 76, Düsseldorf 2003. Dort finden sich weitergehende Literaturangaben.