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2.7.2004 | Von:
Mona Granato
Karin Schittenhelm

Junge Frauen: Bessere Schulabschlüsse - aber weniger Chancen beim Übergang in die Berufsausbildung

Berufsorientierung und Berufsfindung junger Frauen

Ausbildung und Beruf haben für junge Frauen einen hohen Stellenwert. Eine qualifizierte berufliche Ausbildung ist für sie die Voraussetzung für ihre spätere Erwerbstätigkeit, denn die Mehrheit plant eine dauerhafte Beteiligung am Erwerbsleben. Diese hohe Bedeutung von Ausbildung und Beruf im Leben junger Frauen wird durch eine Reihe von Untersuchungen belegt.[1] Eignung für den Beruf, Leistung, aber auch die Aussicht auf einen Arbeitsplatz bzw. einen angemessenen Verdienst sind jungen Frauen als Kriterien für den künftigen Beruf ähnlich wichtig wie jungen Männern.[2] Bei der Berufsfindung geht es ihnen jedoch nicht nur darum, einen Weg in Ausbildung und Beruf zu finden, sondern einen Lebensentwurf zu realisieren, der auch die private Lebensführung, wie z.B. eine künftige Familiengründung umfasst. Ein "doppelter Lebensentwurf" - die gleichzeitige Orientierung an Beruf und Familie - galt lange Zeit als eine Besonderheit der weiblichen Lebensplanung. Doch sehen bei weitem nicht alle jungen Frauen heute eine Familiengründung vor.[3] Ausbildungsinteressierte junge Frauen neigen außerdem dazu, Mutterschaft und Familie auf eine spätere Lebensphase zu verschieben. Nach Abschluss der Schule tritt die Frage der Familiengründung zugunsten der beruflichen Qualifizierung zunächst in den Hintergrund. Diese zeitliche Verschiebung hängt nicht zuletzt davon ab, wie jungen Frauen der Einstieg in eine qualifizierte Berufsarbeit gelingt. Für ihre Zukunft erwägen jene mit Kinderwunsch unterschiedliche - zeitliche und familiäre - Konstellationen, um Beruf und Familie in Einklang bringen.

Die Suche nach einer Ausbildung stellt junge Frauen vor hohe Anforderungen. Schulabgängerinnen setzen sich mit unterschiedlichen Strategien für die Realisierung ihrer beruflichen Ziele ein. Aufgrund ihrer geringeren Chancen auf dem Ausbildungsmarkt sind sie - gezwungenermaßen - meist aktiver und flexibler als junge Männer. Sie versenden mehr Bewerbungen, nehmen häufiger an Bewerbungsgesprächen teil und bewerben sich eher in mehreren Berufen und auch außerhalb der eigenen Region; lediglich direkt bei Betrieben fragen junge Männer häufiger nach.[4]

Angesichts der schwierigen Lage auf dem Ausbildungsmarkt kann es bei jungen Frauen auch zu einer Zurücknahme bisheriger Ziele kommen: Ursprüngliche Berufswünsche geraten dann angesichts der Schwierigkeiten und Misserfolge auf dem Ausbildungsmarkt zunehmend in den Hintergrund.[5] Auf der Grundlage positiver Erfahrungen und erster Erfolge können junge Frauen dagegen in ihrem Engagement für eine Ausbildung bestärkt werden. Der Ablauf der einzelnen Etappen und die Art und Weise, wie diese bisherige Erfahrungen verarbeiten, ist entscheidend dafür, wie sie die weiteren Schritte des Übergangs bewältigen. Für diesen Verlauf ist maßgeblich, ob der Einstieg in den Ausbildungsmarkt mit dem Verlust von Vertrauen in die eigenen Handlungschancen einhergeht oder trotz Einschränkungen auch mit Erfahrungen verbunden ist, die das eigene Selbstvertrauen stärken. So gibt es junge Frauen, die ungeachtet erfahrener Schwierigkeiten an der ersten Schwelle an ihrem Ausbildungsziel festhalten und z.B. über Umwege wie Praktika, vorbereitende Lehrgänge etc. versuchen, eine Ausbildung nach ihren Interessen zu erreichen.


Fußnoten

1.
Zu Ergebnissen zur Gestaltung beruflicher und familiärer Lebensformen vgl. die Auswertung vorhandener Studien durch Waltraud Cornelißen u.a., Die Lebenssituation und die Perspektiven junger Frauen und Männer in Deutschland. Eine sekundärstatistische Auswertung vorhandener Umfragedaten, in: Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.), Das Forschungsjahr 2001, München 2002.
2.
Vgl. Ursula Nissen u.a., Berufsfindungsprozesse von Mädchen und jungen Frauen. Empirische Befunde und theoretische Erklärungsansätze, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.), Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2000.
3.
Vgl. Barbara Keddi u.a., Lebensthemen junger Frauen. Die andere Vielfalt weiblicher Lebensentwürfe, Opladen 1999.
4.
Vgl. Joachim Gerd Ulrich/ Bettina Ehrenthal, Verlauf der Lehrstellensuche und Verbleib der Ausbildungsstellenbewerber des Jahres 2002, in: Informationen für die Vermittlungs- und Beratungsdienste der Bundesanstalt für Arbeit (ibv), (2003) 13.
5.
Vgl. zu Übergangsprozessen und ihre Bewältigung durch eine Neuorientierung Karin Schittenhelm, Soziale Lagen im Übergang. Statuspassagen junger Frauen zwischen Schule und beruflicher Ausbildung im interkulturellen Vergleich, Opladen 2004 (i.E.).