APUZ Dossier Bild

11.6.2004 | Von:
Michael Leszczensky

Paradigmenwechsel in der Hochschulfinanzierung

Im internationalen Vergleich verfügen die deutschen Hochschulen über keine besonders gute finanzielle Ausstattung. Doch es zeigen sich erste Ansätze für einen Paradigmenwechsel in der Hochschulfinanzierung.

Einleitung

Ausgaben für den Bildungssektor, insbesondere für die Hochschulen, werden in modernen Wissensgesellschaften als zentrale Investitionen in die Zukunft eines Landes betrachtet. Mit Blick auf den nachhaltigen Einfluss dieser Investitionen auf die ökonomische, technologische und kulturelle Leistungsfähigkeit von Gesellschaften ist allerdings nicht nur ihre Größenordnung von Belang, sondern auch die Effizienz in der Umsetzung der zur Verfügung gestellten Ressourcen in Lehr- und Forschungsleistungen. Insofern geht es beim Thema Hochschulfinanzierung heute nicht nur um die Höhe staatlicher Zuschüsse und weiterer Einnahmen, sondern auch um die Frage der Wirksamkeit, mit der die den Hochschulen verfügbaren Ressourcen in Leistungen umgesetzt werden.




Eine Grundidee des New Public Management - in Deutschland unter dem Terminus "Neue Steuerungsmodelle" im öffentlichen Sektor diskutiert - ist es, wirtschaftlicher mit Ressourcen umzugehen und dadurch Effektivitäts- und Effizienzgewinne zu erzielen. Um dies zu erreichen - so die Überzeugung -, müssen Aufgaben, Entscheidungskompetenzen und Verantwortung vom Staat auf die Hochschulen verlagert werden, weil "an der Basis" das notwendige Know-how eher vorhanden sei als in der Ministerialbürokratie. Die mittlerweile erweiterte Autonomie von Hochschulen, selbst schon Ergebnis neuer Steuerungsphilosophie, wird nun ihrerseits zum Motor eines Paradigmenwechsels in der Hochschulfinanzierung.

Für diesen Paradigmenwechsel ist der Leistungsbezug der Budgets und die Funktion von Finanzzuweisungsverfahren als Anreizinstrumente zur Steigerung der Effizienz von Bedeutung. Daher soll in Kapitel 1 zunächst der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich die staatliche Steuerung der Hochschulbudgets bereits in Richtung einer stärkeren Leistungsorientierung gewandelt hat.

Dessen ungeachtet hat das Niveau der Hochschulfinanzierung etwas mit der Dringlichkeit zu tun, mit der dieses Thema in einer modernen Wissensgesellschaft verfolgt wird. Daran knüpft letztlich auch die Frage der "kritischen Masse" an: Müssen Hochschulen über eine Mindestausstattung verfügen, um für den internationalen Wettbewerb optimale Voraussetzungen mitzubringen? In Kapitel 2 wird untersucht, wie die Ausstattung der deutschen Hochschulen zu bewerten ist.

Die Etablierung des Leistungs- und Wettbewerbsgedankens bei der Einwerbung von Mitteln seitens der Hochschulen hat auch etwas mit der Struktur bzw. den Quellen der Hochschulfinanzierung zu tun. In den USA ist z.B. der Anteil der wettbewerblich eingeworbenen Mittel an den Hochschulhaushalten traditionell höher als in Deutschland und vielen anderen Ländern. Ein Paradigmenwechsel in Richtung auf mehr Leistungsorientierung ist daher nicht auf den Aspekt der Bemessung des staatlichen Zuschusses zu beschränken. In Kapitel 3 werden weitere Möglichkeiten der Hochschulen diskutiert, sich im Wettbewerb um zusätzliche Einnahmequellen zu positionieren.