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28.5.2004 | Von:
Sigrid Graumann
Andreas Poltermann

Klonen: ein Schlüssel zur Heilung oder eine Verletzung der Menschenwürde?

Wie in der Stammzellenforschung, so scheiden sich auch beim Klonen die Geister. Hier wird zwischen Fortpflanzungs- und dem Forschungs-Klonen unterschieden. Auf europäischer und UN-Ebene gibt noch keine einheitliche Meinung dazu.

Einleitung

Seit der Geburt des Klon-Schafes Dolly im Jahr 1996 steht fest, dass es prinzipiell möglich ist, auch geklonte Menschen zu schaffen. Seitdem nimmt die Debatte über das "Baby-Klonen" kein Ende: Immer wieder gelingt es dem italienischen Gynäkologen Severino Antinori, seinem US-Kollegen Panayiotis Zavos sowie Mitgliedern der Sekte Raël mit ihrer Firma Clonaid, Schlagzeilen zu machen mit Ankündigungen, Babies klonen zu wollen oder dies gar schon erfolgreich getan zu haben. Von seriöseren Wissenschaftlern wie Ian Wilmut, dem "Schöpfer" des Klon-Schafes Dolly, wird deren Ansinnen regelmäßig als "inhuman" und "kriminell" verurteilt. Wilmut dagegen setzte und setzt sich dafür ein, geklonte Embryonen für die Herstellung von embryonalen Stammzelllinien verwenden zu dürfen, um damit Zellersatztherapien zu entwickeln. Dieses Werben war offensichtlich erfolgreich: In Großbritannien ist das Forschungs-Klonen mittlerweile erlaubt.[1]



Schon seit 1990 ist in Großbritannien die Forschung mit menschlichen Embryonen bis zum 14. Tag der Entwicklung zur Verbesserung von fortpflanzungsmedizinischen Behandlungsmethoden rechtlich zulässig. Im Dezember 1998 wurden die Empfehlungen der Human Fertilisation and Embryology Authority und der Human Genetics Advisory Commission publiziert, denen zufolge das Klonen für die Forschung, nicht aber für die Fortpflanzung zugelassen werden solle. Im Dezember 2000 fiel dann die Entscheidung im britischen Parlament, die embryonale Stammzellforschung und das Forschungs-Klonen zuzulassen. Das Fortpflanzungs-Klonen wurde mit dem Gesetz verboten.




In Deutschland dagegen verbietet das Embryonenschutzgesetz von 1990 jegliche Form der Verwendung von Embryonen für die Forschung. Zudem verstößt das Klonen von Embryonen unabhängig von dessen Zielsetzung grundsätzlich gegen das im Embryonenschutzgesetz verankerte Klonverbot (§ 6). Die britische Entscheidung hat aber auch in Deutschland eine neue Debatte über den Embryonenschutz und das Klonen ausgelöst. Bundeskanzler Gerhard Schröder reagierte mit seinem "Beitrag zur Gentechnik" auf die britische Entscheidung, in dem er schrieb: "Eine Politik ideologischer Scheuklappen und grundsätzlicher Verbote wäre nicht nur unrealistisch. Sie wäre auch unverantwortlich. Eine Selbstbescheidung Deutschlands auf Lizenzfertigungen und Anwenderlösungen würde im Zeitalter von Binnenmarkt und Internet nur dazu führen, dass wir das importieren, was bei uns verboten, aber in unseren Nachbarländern erlaubt ist."[2] In der anschließenden Mediendebatte wurde in erster Linie die Schutzwürdigkeit menschlicher Embryonen im Kontext der embryonalen Stammzellforschung kontrovers diskutiert. Mit dem jetzt zwei Jahre alten Stammzellgesetz sind Import von und Forschung mit embryonalen Stammzelllinien, die bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes existierten, in Deutschland erlaubt. Auch wenn diese Regelung von vielen als moralisch doppelbödig angesehen wird: Die Schutzstandards des Embryonenschutzgesetzes wurden damit nicht verändert. Das Forschungs-Klonen stand bislang, auch wenn einzelne Stimmen dies immer wieder forderten, in Deutschland politisch nicht zur Debatte - weder bei Frauen- noch bei Patientengruppen. Unüberhörbar ist auch das "Nein" der Bundesforschungsministerin und des Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Forschungs-Klonen nach den jüngsten Veröffentlichungen einer südkoreanischen Forschungsgruppe im Februar diesen Jahres.


Fußnoten

1.
Wir verwenden hier die Begriffe "Forschungs-Klonen" und "Fortpflanzungs-Klonen" statt der eingeführten Begriffe "therapeutisches Klonen" und "reproduktives Klonen", um nicht den Eindruck zu erwecken, als ginge es heute schon um entwickelte therapeutische Optionen. Vgl. Dietmar Mieth, Die Diktatur der Gene. Biotechnik zwischen Machbarkeit und Menschenwürde, Freiburg i.Br. 2001.
2.
Der Artikel erschien in der Wochenzeitung Die Woche vom 20. 12. 2000.