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28.5.2004 | Von:
Christoph Baumgartner

Ethische Aspekte nanotechnologischer Forschung und Entwicklung in der Medizin

Die Nanotechnologie hat in der Medizin die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten erweitert. Welche ethischen Probleme ergeben sich aus dieser Entwicklung?

Einleitung

Nanotechnologie ist ein relativ junges, jedoch zunehmend wichtigeres Forschungsfeld. Seit der Physiker Richard Feynman in einer berühmt gewordenen Rede mit dem Titel "There is Plenty of Room at the Bottom"[1] 1959 erläuterte, warum er die direkte und gezielte Manipulation von Atomen und Molekülen für prinzipiell möglich hielt, und so den historischen Grundstein für die Erforschung des Nanokosmos legte, hat sich die Nanotechnologie derart rasant entwickelt, dass ihr heute der Rang einer Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts zugesprochen wird. Ihr wird das Potenzial zu einer Transformation ganzer Technologiefelder zugetraut. Der von ihr zu erwartende Einfluss auf Gesundheit, Wohlstand und Lebensstandard der Menschen wird von dem Chemie-Nobelpreisträger Richard Smalley, einem der führenden Wissenschaftler im Bereich der Nanotechnologie, mit den Auswirkungen verglichen, die Technologien wie die Mikroelektronik, bildgebende Verfahren in der Medizin und künstliche Polymere gemeinsam im 20. Jahrhundert zeitigten.[2]




Doch was ist unter Nanotechnologie zu verstehen? Für den Begriff Nanotechnologie gibt es zwar keine einheitliche Definition, doch kann festgehalten werden, dass ihr Gegenstand die Erforschung und Entwicklung von Systemen, Strukturen, Oberflächen und anderen funktionalen Elementen in einem Größenbereich von weniger als 100 Nanometern (nm) ist. Ein Nanometer entspricht definitionsgemäß einem milliardstel Meter (= 10-9 m). Zum Vergleich: Eine Linie von zehn aneinander gereihten Wasserstoffatomen (den kleinsten Atomen) ist 1 nm lang; der Durchmesser eines roten Blutkörperchens beträgt ca. 5 000 nm. Das Ziel der Nanotechnologie besteht jedoch nicht einfach in fortschreitender Miniaturisierung. Es geht vielmehr darum, einen Größenbereich dem aktiven und kontrollierten Zugriff zu erschließen und technisch nutzbar zu machen, in dem neue und bislang unzugängliche chemische, elektronische, magnetische, mechanische und optische Eigenschaften auftreten, die insbesondere aus quantenphysikalischen Effekten resultieren.[3]

Gestützt durch eine gezielte weltweite Förderpolitik wurde der Forschungsprozess mittlerweile so weit vorangetrieben, dass die Erkundung des Nanokosmos über reine Grundlagenforschung hinaus geht und zu Recht von Nanotechnologie gesprochen wird. Zahlreiche konkrete Anwendungen befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium des Entwicklungsprozesses und haben zum Teil schon Eingang in die Lebenswelt des Menschen gefunden. Neben Informations- und Datenverarbeitung, Raumfahrt, Landwirtschaft, Umweltschutz und Militär gehört nicht zuletzt der ethisch besonders sensible Bereich der Medizin zu denjenigen Bereichen, in denen man sich entscheidende Entwicklungen von der Nanotechnologie erhofft.


Fußnoten

1.
Deutsch unter dem Titel: Da unten ist jede Menge Platz, in: Richard Feynman, Es ist so einfach. Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken, München 2001, S. 153 - 179.
2.
Vgl. Richard E. Smalley, US Congress Testimony vom 22.Juni 1999. (http://www.house.gov/science/smalley_ 062299.htm).
3.
Vgl. Herbert Paschen u.a., TA-Projekt Nanotechnologie. Endbericht (TAB Arbeitsbericht, Nr. 92), Berlin 2003; Günter Schmid u.a., Small Dimensions and Material Properties. A Definition of Nanotechnology, Bad Neuenahr-Ahrweiler 2003.