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1.4.2004 | Von:
Werner Heinz
Nicole Langel
Walter Leitermann

Kooperationsbeziehungen zwischen deutschen Städten und Kommunen in Entwicklungsländern

Die Verstädterung in den Entwicklungsländern hat dazu geführt, dass den Städten bei der Entwicklungszusammenarbeit wachsende Bedeutung beigemessen wird. Entsprechend haben auch die entwicklungspolitischen Aktivitäten des Deutschen Städtetags zugenommen.

Entwicklungspartnerschaften als Teil der Entwicklungszusammenarbeit

Allgemeiner Hintergrund

Bis Ende der neunziger Jahre war die Diskussion des Globalisierungsprozesses und seiner Folgen in der Bundesrepublik weitgehend durch neoliberale Positionen gekennzeichnet, wobei vor allem die Chancen und Vorteile dieses Prozesses betont wurden. Nach den Gipfeltreffen von Welthandelsorganisation (WTO), Internationalem Währungsfonds (IWF) und G 8 in Göteborg, Prag und Genua und vor allem nach den Terroranschlägen in den USA am 11. September 2001 scheint jedoch allmählich eine differenziertere Sichtweise Platz zu greifen.[1]









Nun werden auch die negativen Seiten einer vor allem ökonomisch definierten und in starkem Maße an den Interessen ihrer Protagonisten orientierten Globalisierung stärker beleuchtet: Hierzu gehört vor allem die Tatsache, dass den Gewinnern dieses Prozesses eine große Zahl von Verlierern gegenübersteht und dass im Zuge der Globalisierung bestehende großräumige Disparitäten weniger abgebaut als vielmehr weiter verschärft werden.

Bedeutungsgewinn der Entwicklungsländer

Als negativ vom Globalisierungsprozess Betroffene erfahren nun insbesondere jene Staaten zunehmende Aufmerksamkeit, die als Dritte-Welt- oder Entwicklungsländer bezeichnet werden. Der erste dieser beiden Begriffe ist infolge der politischen und ökonomischen Umbrüche in den früheren Ostblock-Staaten - also infolge des "Verschwindens" der Zweiten Welt - inzwischen obsolet geworden. Der Terminus Entwicklungsländer wird hingegen weiterhin verwandt, auch wenn er keineswegs unumstritten ist, da er allein die Perspektive der entwickelten Industrieländer widerspiegelt und ihr spezifisches Entwicklungsmodell zum verbindlichen Vorbild und Maßstab für alle Staaten dieser Welt erhebt.[2] Unstrittig ist hingegen, dass die meisten der so genannten Entwicklungsländer trotz aller regionalen Besonderheiten und unterschiedlichster historischer, ethnischer und kultureller Voraussetzungen mehrere Gemeinsamkeiten teilen: ihre koloniale Vergangenheit, eine oft weit reichende Abhängigkeit von den hoch entwickelten Industrieländern sowie eine Reihe ähnlicher Strukturmerkmale (wenn auch in jeweils unterschiedlicher Ausprägung und Intensität).

Diese Merkmale reichen von extremen Ungleichheiten in der Einkommens- und Vermögensverteilung (mit ausgeprägter Armut bei großen Bevölkerungsteilen) über die Beschränkung der wirtschaftlichen Aktivitäten auf nur wenige Exportgüter und eine hohe Auslandsverschuldung bis zur ungenügenden Versorgung großer Teile der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sowie einem starken Bevölkerungswachstum bei oft nur geringer Lebenserwartung.[3] Einigkeit darüber, welche dieser Merkmale maßgebliche Kriterien für die Definition von Entwicklungsländern sein sollten, besteht nicht. Folglich liegt keine einheitliche, allgemein anerkannte Liste der Entwicklungsländer vor; dennoch werden gegenwärtig ungeachtet aller definitorischen Differenzen etwa 160 Staaten - verteilt auf die Kontinente Afrika, Asien und Südamerika - zu den Entwicklungsländern gezählt.

Anhaltende Prozesse der Verstädterung in Entwicklungsländern

Seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist es in vielen dieser Länder zu dramatischen demographischen wie auch siedlungsstrukturellen Veränderungen gekommen. Sichtbarster Ausdruck dieser Veränderungen ist eine Verstädterung in bisher nicht gekanntem Ausmaß: Lebte 1975 etwa ein Drittel der Weltbevölkerung in Städten, so konzentrierte sich im Jahre 2000 ein Drittel der Weltbevölkerung allein in den Städten der Entwicklungsländer. Für das Jahr 2025 wird geschätzt, dass dann nahezu 90 Prozent aller Stadtbewohner in Entwicklungsländern leben werden.[4]

Als Folge der in vielen Entwicklungsländern in jüngerer Zeit praktizierten Dezentralisierungspolitiken lässt sich eine "Verstädterung" häufig auch bezüglich der Problembewältigung feststellen. Bisher staatliche Aufgaben und Kompetenzen werden nun auf substaatliche, regionale oder kommunale Ebenen verlagert; eine Dezentralisierung von Entscheidungskompetenzen und Ressourcen, die zur Erfüllung der übertragenen Aufgaben erforderlich wäre, ist damit allerdings nur selten verbunden.[5]

Der externe Unterstützungsbedarf, der aus diesen quantitativen und qualitativen Veränderungen für Städte in Entwicklungsländern resultiert, ist groß und reicht von Fragen des städtischen Managements über sektorale Problemlösungsansätze bis zu situationsadäquaten Finanzierungsstrategien.

Seit den neunziger Jahren spielen viele der früheren, heute als Transformationsstaaten bezeichneten Ostblockländer eine ähnliche Rolle wie Entwicklungsländer. Auch sie orientieren sich bei ihrer Entwicklung vor allem an den westlichen Industriestaaten und deren politischen und ökonomischen Strukturen; zudem weisen sie eine Vielzahl struktureller Probleme und Defizite auf, die denen von Entwicklungsländern oft stark ähneln.

Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit - maßgebliche Akteure auf deutscher Seite

Die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern und ihren Städten ist in Deutschland nicht neu. Sie wird seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts von unterschiedlichen Akteuren der öffentlichen wie auch der privaten Hand mit jeweils unterschiedlichen Interessen und Absichten praktiziert.[6]

Nach dem Grundgesetz liegt die Zuständigkeit für Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit beim Bund. Diesem obliegen nach Art. 32 Abs. 1 Grundgesetz die auswärtigen Beziehungen, und unter diese wird - zumindest in Bezug auf einige Aspekte - auch die Entwicklungspolitik subsumiert.[7] Zuständig ist das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), das 1961 eingerichtet und dessen Bezeichnung erst 1993 um den Zusatz "und Entwicklung" ergänzt wurde.[8] Maßgebliche Instrumente entwicklungspolitischer Zusammenarbeit sind zum einen die Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) und zum anderen die Technische Zusammenarbeit (TZ), die unentgeltlich gewährt wird und "Hilfe zur Selbsthilfe" leisten soll.[9] Als "ausführende Arme" des BMZ bei der Entwicklungszusammenarbeit fungieren insbesondere die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die für die Durchführung der FZ zuständig ist, sowie die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), in deren Kompetenzbereich die Umsetzung der TZ-Maßnahmen liegt.

Staatliche Entwicklungspolitik ist allerdings keine unabhängige Größe, sondern war und ist stets eingebunden in die Gesamtpolitik der jeweils amtierenden Bundesregierung und durch ein komplexes Geflecht unterschiedlicher Partikularinteressen (außen- wie sicherheitspolitischer, wirtschafts- wie sozialpolitischer Art) geprägt. Entwicklungspolitische Konzepte werden folglich immer wieder angepasst und neu akzentuiert. Die gegenwärtige, seit dem Regierungswechsel im Herbst 1998 gültige Entwicklungspolitik versteht sich vor allem als globale Strukturpolitik, die an globalen Rahmenbedingungen ansetzt und neue Schwerpunkte wie Friedenspolitik und Krisenprävention setzt.[10]

Auch Städte und Gemeinden sind in der Entwicklungspolitik aktiv; ihre Aktivitäten sind aber rechtlich nicht unumstritten. So sehen weder das Grundgesetz noch die Verfassungen der Bundesländer eine ausdrückliche Ermächtigung der Gemeinden zur Aufnahme von Auslandsbeziehungen vor; diese ließe sich allenfalls aus der Selbstverwaltungsgarantie des Art. 28 Abs. 2 Grundgesetz ableiten.[11] Danach können Gemeinden zwar Auslandsbeziehungen aufnehmen, die kommunale Auslandsarbeit muss aber einige, Akteure und die Art der Aktivitäten betreffende Grundvoraussetzungen erfüllen.[12]

Faktisch spielt die Entwicklungszusammenarbeit in den Kooperationsbeziehungen deutscher Kommunen mit Städten des Auslands nur eine vergleichsweise geringe Rolle. Im Vordergrund standen und stehen Partnerschaften mit Gemeinden in westeuropäischen Staaten. 1998 belief sich die Gesamtzahl der Partnerschaften deutscher Städte, Gemeinden und Kreise mit Kommunen in Entwicklungsländern auf 183 (dies waren nur knapp drei Prozent aller 1998 unterhaltenen Städtepartnerschaften).[13]

Die von kommunaler Seite ausgehende Zusammenarbeit mit Städten in Entwicklungsländern beschränkt sich allerdings nicht allein auf offizielle Partnerschaften; sie wird vielmehr ergänzt durch ein breites Spektrum von Aktivitäten unterschiedlichster (privater) Institutionen und Organisationen - von Nord-Süd-Foren bis zu Eine-Welt-Büros-, die allerdings häufig von kommunaler Seite unterstützt werden.

Kommunale Entwicklungspartnerschaften: Ergebnisse einer Untersuchung

Staatliche Entwicklungspolitik und kommunale Entwicklungszusammenarbeit erfolgten bisher weitgehend unkoordiniert und unabgestimmt. Die anhaltende Verstädterung in den Entwicklungsländern führte - bei gleichzeitiger Verlagerung der dortigen Probleme in die Städte - zusammen mit dem dezentralisierungsbedingten Kompetenzgewinn vieler Kommunen jedoch dazu, dass Städten auch in der Entwicklungszusammenarbeit des Bundes wachsende Bedeutung beigemessen wird.

Diese Entwicklung, eine nur knappe Finanzausstattung auf Seiten staatlicher Entwicklungspolitik und ein zunehmendes Interesse staatlicher Akteure an einer Bündelung, Vernetzung und Effektivierung bestehender entwicklungspolitischer Aktivitäten haben die GTZ als so genannte Vorfeldorganisation des BMZ[14] veranlasst, Mitte 2001 das Deutsche Institut für Urbanistik mit einer Untersuchung zum Thema kommunale Entwicklungszusammenarbeit zu beauftragen. In dieser ging es zum einen um eine exemplarische Bestandsaufnahme des aktuellen Standes "kommunaler Entwicklungspartnerschaften"[15] und zum andern um die Auseinandersetzung mit der Frage, ob und in welchen Aufgabenfeldern auf kommunaler Seite Interesse an einer engeren Kooperation mit den entwicklungspolitischen Akteuren des Bundes besteht.

Rahmenbedingungen und Anlässe für die Einrichtung von Entwicklungspartnerschaften

Rahmengebend für die räumlichen und sektoralen Schwerpunktsetzungen partnerschaftlicher Aktivitäten sind zunächst die allgemeinen innen- und außenpolitischen Bedingungen und Entwicklungen in der Bundesrepublik. So standen in einer ersten, bis in die späten sechziger Jahre reichenden Phase Partnerschaften mit westlichen Nachbarstaaten im Vordergrund, die mit Zielen der Versöhnung und Völkerverständigung einhergingen. In den siebziger und achtziger Jahren zeigte sich dann im Kontext von De-Kolonialisierung und der Herausbildung unabhängiger Nationalstaaten in der südlichen Hemisphäre ein steigendes kommunales Interesse an Partnerschaften mit Städten in Entwicklungsländern. Und mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der sozialistischen Staaten Osteuropas rückten in den neunziger Jahren die Kommunen dieser (Transformations-)Staaten als potenzielle Partnerstädte ins Blickfeld des Interesses. Seit der gleichfalls in den neunziger Jahren eingeleiteten West-Öffnung gilt dies auch für Städte in der VR China. Rahmensetzend können jedoch auch spezifische kommunalpolitische Weichenstellungen sein, wie z.B. der Ausbau der Stadt Bonn zu einem Zentrum für internationale Zusammenarbeit.

Zu den maßgeblichen Auslösern für die Einrichtung von Städtepartnerschaften mit Entwicklungsländern und Transformationsstaaten zählen neben persönlichen Kontakten und Präferenzen der politischen Stadtspitzen oder der für die kommunale Entwicklungszusammenarbeit zuständigen Akteure Anfragen ausländischer Städte, Initiativen von politischen bzw. bürgerschaftlichen Bewegungen oder einflussreichen Einzelpersonen sowie die Auflage einschlägiger Förderprogramme der Europäischen Union oder anderer Institutionen. Über entscheidungsrelevante Kriterien für die Auswahl von Partnerstädten verfügen allerdings nur wenige der untersuchten Städte.

Ziele

Die von kommunaler Seite mit Entwicklungszusammenarbeit und Partnerschaftsarbeit verbundenen Ziele sind in der Regel sehr allgemeiner Natur; in der Mehrzahl der Städte wird bei der Zielformulierung allerdings nach Zielgebieten unterschieden. So haben Partnerschaften mit Städten in Transformationsstaaten "eine Öffnung nach Osten" und "eine Versöhnung mit den östlichen Nachbarn" zum Ziel; bei Partnerschaften mit Städten in der Volksrepublik China stehen Ziele wirtschaftlicher Art sowie ein multilateraler Erfahrungsaustausch im Vordergrund, und die Ziele, die mit Städtepartnerschaften in Entwicklungsländern verknüpft werden, reichen von der "Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen städtischer Bewohner" über die "Bereitstellung humanitärer Hilfe" bis zur "Hilfe beim Aufbau demokratischer Strukturen".

Aufgabenfelder und Kooperationsformen

Die Aktivitäten der praktizierten Partnerschaften finden in den unterschiedlichsten kommunalen Aufgabenfeldern statt. Diese reichen von der Wirtschaft bis zur Kultur, von sozialen Fragen bis zu Umweltangelegenheiten. Den größten Verbreitungsgrad haben Aktivitäten in den Bereichen Kultur (hier besteht kein Unterschied zu traditionellen Städtepartnerschaften) sowie Soziales und Gesundheit. In mehr als 80 Prozent der erfassten 62 Partnerschaften kommt es zu Aktivitäten in diesen beiden Aufgabenfeldern. Maßnahmen in den Bereichen Aus- und Weiterbildung, Wirtschaftsförderung oder Verwaltungshilfe weisen etwa zwei Drittel aller Partnerschaften auf. Schlusslicht ist der Umweltbereich; dieser spielt nur in etwa zwei Fünftel aller Fälle eine Rolle.

Für die Aktivitäten im Kulturbereich, oft auch im Wirtschaftssektor, trifft der Partnerschaftsbegriff noch am ehesten zu. Deutsche und ausländische Städte treten hier in der Regel als gleichberechtigte Akteure auf; der oft zitierte Austausch findet tatsächlich statt. In anderen Aufgabenfeldern geht es hingegen nur selten um einen Austausch zwischen den Partnern, sondern meist um einseitige Fördermaßnahmen der deutschen Seite (siehe Tabelle in der Printversion bzw. im PDF-Dokument dieser Ausgabe, Seite 24).

Die Formen, die Partnerschaftsaktivitäten im Einzelnen annehmen, sind ungeachtet der unterschiedlichen Aufgabenfelder meist die gleichen: Es geht um materielle und/oder finanzielle Unterstützungsleistungen, um den Erfahrungsaustausch, der von der einseitigen Beratung bis zu gegenseitigen Besuchen von Repräsentanten der Partnerstädte reichen kann, um konkrete Kooperationsvorhaben zwischen öffentlichen und/oder privaten Akteuren der Partnerstädte sowie um Maßnahmen zur Schulung bzw. Aus- und Weiterbildung von Vertretern ausländischer Partnerstädte.

Maßgebliche Akteure

Das Spektrum der in der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit und Partnerschaftsarbeit tätigen Akteure ist breit. Es umfasst öffentliche und private sowie kommunal oder außerkommunal verortete Organisationen und Institutionen. Das Engagement dieser Akteure hängt im Einzelfall von mehreren Faktoren ab: dem spezifischen Aufgabenbereich, den konkreten Aktivitäten und nicht zuletzt der staatlichen Zugehörigkeit einer Partnerstadt.

Die Zuständigkeit für Entwicklungspartnerschaften sowie Partnerschaften mit Städten in Transformationsstaaten und der Volksrepublik China liegt in den untersuchten Kommunen vielfach bei Dienststellen, die in unmittelbarer Nähe der Stadtspitze angesiedelt sind. Für Koordination und/oder Durchführung spezifischer fachlicher Aktivitäten sind in der Regel die jeweiligen Fachressorts der Städte und Stadtstaaten verantwortlich. Neben den Dienststellen der Verwaltung spielen in der kommunalen EZ auch eine Vielzahl verwaltungsexterner, häufig privater Organisationen und Institutionen eine maßgebliche Rolle. Zu diesen zählen Organisationen wie terre des hommes, Misereor oder das Deutsche Rote Kreuz; Freundschafts- und Fördervereine; Dritte- bzw. Eine-Welt-Initiativen; Netzwerke wie das Nord-Süd-Forum; Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung; Kammern und Verbände der gewerblichen Wirtschaft, einzelne Unternehmen mit vielfältigen Aktivitäten sowie nicht zuletzt öffentlich-rechtliche Organisationen auf Bundesebene, unter denen die Carl Duisburg Gesellschaft (CDG) und die GTZ als Vorfeldorganisationen des BMZ eine besondere Rolle einnehmen.

Wer die Kooperationspartner in den ausländischen Partnerstädten sind und in welchem Ressort sie angesiedelt sind, hängt in starkem Maße von den jeweiligen Verwaltungsstrukturen ab. Ungeachtet dieser Besonderheiten liegen die Zuständigkeiten für Partnerschaftsarbeit in der Regel bei der jeweiligen Stadtspitze oder - wie in der Bundesrepublik - bei Dienststellen in ihrer unmittelbaren Nähe.

Als weitere Akteure in der Partnerschaftsarbeit fungieren auch in ausländischen Städten die jeweils zuständigen Fachressorts sowie eine Reihe verwaltungsexterner Akteure, deren Zusammensetzung allerdings deutlich vom jeweiligen Zielgebiet abhängig ist. So spielen bei Partnerschaften mit Großstädten in der Volksrepublik China oder in Transformationsstaaten Akteure der Privatwirtschaft oder deren Verbände eine wichtige Rolle; in Städten der Entwicklungsländer sind hingegen häufig ehrenamtlich agierende Vereine und Initiativen in der Partnerschaftsarbeit tätig.

Rechtliche Grundlagen

Die Partnerschaften zwischen deutschen und ausländischen Städten basieren auf unterschiedlichen rechtlichen Grundlagen. Welche Form der rechtlichen Absicherung im Einzelnen gewählt wird, hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab: der spezifischen Partnerschaftspolitik des deutschen Partners und dem Zielgebiet (Entwicklungsland, Transformationsstaat, Volksrepublik China), dem die ausländische Partnerstadt zuzuordnen ist.

Im Wesentlichen lassen sich folgende Formen derrechtlichen Absicherung unterscheiden: Partnerschaftsverträge, auf denen vor allem traditionelle Partnerschaften bestehen; Partnerschaftsurkunden, die von manchen Städten parallel mit Partnerschaftsverträgen abgeschlossen werden; Kooperationsvereinbarungen, die als Vorstufe von Partnerschaftsverträgen fungieren; Erklärungen, die insbesondere von der Hansestadt Hamburg unterhalten werden, sowie Projektverträge oder auch Ratsbeschlüsse. In einigen Städten kommen auch mehrere dieser Rechtsformen zum Einsatz (so z.B. in Bonn, München oder Stuttgart).

Finanzierung

Die finanzielle Ausstattung der federführenden Dienststellen für Partnerschaftsaktivitäten weist deutliche Unterschiede auf. Diese resultieren aus der spezifischen Mittelallokation (zentral oder dezentral), dem Status einer Stadt (Stadtstaat oder Kommune) und der jeweiligen Situation des Gesamthaushalts. In Städten bzw. Stadtstaaten, in denen die Mittel für Partnerschaftsaktivitäten zentral verwaltet werden, ist die Ausstattung der zuständigen Dienststelle in der Regel hoch. In Städten mit dezentraler Mittelallokation - und dies ist die Mehrzahl der untersuchten Städte - stehen für Partnerschaftsaktivitäten hingegen meist Mittel einzelner Fachbehörden zur Verfügung, die häufig weit über denen der federführenden Dienststelle liegen. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen neben den Leistungen der öffentlichen Hand auch Zuwendungen von privater Seite wie ehrenamtliche Tätigkeiten, Spenden Privater, Bereitstellung von Sachmitteln sowie Sponsoring von Seiten privater Unternehmen und Banken.

Fazit

Die Aktivitäten von Städten und Gemeinden im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit sind zwar rechtlich nicht unumstritten, sie sind aber inzwischen - dies lässt sich bilanzierend feststellen - in vielen Städten zu einem festen Bestandteil kommunaler Politik geworden. Aus der Sicht kommunaler Akteure weisen sie unbestreitbare Vorteile auf: Sie sind meist kleinteilig konzipiert und damit den konkreten Bedingungen vor Ort angemessen, spontan und bedarfsorientiert realisierbar; ferner unabhängiger von den spezifischen Konstellationen nationaler und internationaler Interessen als staatliche Entwicklungspolitik und durch eine Verzahnung von Innen- und Außenorientierung gekennzeichnet; zudem erfolgen sie zwischen Akteuren der gleichen, d.h. der kommunalen Ebene.

Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung, die Einführung der Budgetierung sowie allgemein zunehmende finanzielle und personelle Engpässe in deutschen Städten und Gemeinden haben in jüngerer Zeit jedoch zu einem spürbaren Rückgang bei den kommunalen Mitteln für die Finanzierung partnerschaftlicher Aktivitäten geführt. Gleichzeitig haben die zunehmende Verstädterung in Entwicklungsländern und die Dezentralisierungspolitiken der zentralstaatlichen Ebene dieser Länder den Beratungsbedarf von Städten und Gemeinden vergrößert und das Interesse an den Prinzipien der kommunalen Selbstverwaltung verstärkt. Folge dieser Entwicklung sind zunehmende Bemühungen, Mittel anderer Fördermittelgeber einzuwerben. Hierfür kommen insbesondere die Länder, Bundesministerien wie das BMZ oder deren Vorfeldorganisationen CDG und GTZ, aber auch die Europäische Union in Betracht.

Die spezifischen Vorteile ihrer Aktivitäten wollen kommunale Akteure bei einer Inanspruchnahme externer Unterstützung jedoch auch weiterhin gewahrt wissen. Um die bisherige Selbständigkeit und Unabhängigkeit deutscher Kommunen bei Partnerschaftsaktivitäten durch die Kooperation mit externen/staatlichen Mittelgebern nicht zu gefährden, sollen sich externe Unterstützungsleistungen daher auf folgende Bereiche konzentrieren:

  • Förderhilfen bei kleinen Projekten oder begrenzten Aktivitäten;

  • Bereitstellung finanzieller und/oder personeller Mittel zur Intensivierung bzw. Erweiterung partnerschaftlicher Aktivitäten;

  • Erleichterung und Förderung der Kommunikation vor Ort (Errichtung von "Kommunikationsbrücken") sowie nicht zuletzt

  • Hilfe bei der Projektbetreuung in den ausländischen Partnerstädten.

  • Fußnoten

    1.
    Werner Heinz und Nicole Langel sind die Autoren des Kapitels "Entwicklungspartnerschaften als Teil der Entwicklungszusammenarbeit", das auf einer von ihnen im Auftrag der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) erstellten Studie (Kommunale Entwicklungspartnerschaften, Difu-Materialien, 3/2002) basiert. Walter Leitermann ist Autor des Kapitels "Die Rolle des Deutschen Städtetages in der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit".
    2.
    Vgl. hierzu insbesondere Uwe Andersen, Grundlegende Probleme der Entwicklungsländer, in: Information zur politischen Bildung, (1996) 252, S. 6.
    3.
    Vgl. ebd., S. 8ff.
    4.
    Alle Daten aus: Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Hrsg.), Eine Zukunft für Städte schaffen. Entwicklungspolitik im urbanen Jahrhundert, BMZ Spezial 015, Berlin 2000, S. 1.
    5.
    Vgl. hierzu Akin L. Mabogunje, Decentralization as a strategy to strengthen democracy and sustainable development in African local governments, Manuskript, Ibadan 2000, S. 2. Mabogunje weist in seinem Beitrag darauf hin, dass Dezentralisierung in vielen Fällen nichts anderes ist als eine Dekonzentration staatlicher Zuständigkeiten, da Kontroll- und Steuerungskompetenzen in der Hand des Staates bzw. der herrschenden Regierungspartei verbleiben.
    6.
    Vgl. Matthias von Schwanenflügel, Entwicklungszusammenarbeit als Aufgabe der Gemeinden und Kreise, Berlin 1993, S. 35.
    7.
    Vgl. Winfried Krause, Kommunale Entwicklungshilfe, in: Paul von Kodolitsch (Hrsg.), Kommunale "Außenpolitik", Zur Auslandsarbeit der Gemeinden und zu innerdeutschen Städtepartnerschaften, Difu-Materialien 2/89, S. 54.
    8.
    Vgl. Andreas Langmann, Entwicklungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland, in: Informationen zur politischen Bildung, (1996) 252, S. 45.
    9.
    Vgl. ebd., S. 12.
    10.
    BMZ (Hrsg.), Jahresbericht 1998, S 1.
    11.
    Vgl. Paul von Kodolitsch, Einleitung, in: ders. (Anm. 7) , S. 8.
    12.
    Vgl. Die Niederschrift über die Sitzung des Arbeitskreises III "Kommunale Angelegenheiten" der Arbeitsgemeinschaft der Innenministerien der Bundesländer am 3./4. Oktober 1985 in Reinbek, Top 7: Auslandsarbeit der Kommunen, in: P. v. Kodolitsch (Anm. 7), S. 153.
    13.
    Vgl. Rat der Gemeinden und Regionen Europas/Deutsche Sektion (Hrsg.), Die Partnerschaften der Städte, Gemeinden und Kreise, Köln 1998, S. 9ff.
    14.
    Vgl. BMZ (Anm.10), S.7.
    15.
    Darunter werden Kooperationsbeziehungen zwischen deutschen Städten und Kommunen in Entwicklungsländern, Transformationsstaaten und der Volksrepublik China verstanden.