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1.4.2004 | Von:
Bärbel Dieckmann
Maria Hohn-Berghorn

Kommunale Zusammenarbeit in der Praxis

Bonn und seine Projektpartnerstadt Ulan Bator

Die Programmstruktur

Das Projekt bestand im Wesentlichen aus vier Komponenten:

Training für Verwaltungsexperten aus Ulan Bator in Bonn

In den drei jeweils vierwöchigen Trainingsphasen wurden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt:

In Phase 1 waren dies die politischen Grundlagen der Bundesrepublik Deutschland, der kommunalen Selbstverwaltung und die politischen und administrativen Strukturen der Stadt Bonn; praxisbezogene Einblicke in die Bereiche Stadtplanung, Umweltschutz und Katasterwesen; globale Einblicke in andere Bereiche einer modernen Großstadtverwaltung, insbesondere Wirtschafts- und Strukturförderung, Rechnungswesen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Personalverwaltung.

In Phase 2 ging es um die fachliche Vertiefung in den Bereichen Stadtplanung, Vermessungs- und Katasterwesen.

Phase 3 diente dem Kennenlernen verschiedener Aspekte des Umweltmanagements; mittels Rollenspielen wurden Ausblicke auf die weitere Zusammenarbeit zwischen Bonn und Ulan Bator gegeben.

Implementierungsbesuche in Ulan Bator

Zwischen den jeweiligen Trainingsphasen in Bonn fanden Gegenbesuche von Experten der Stadtverwaltung Bonn in Ulan Bator statt. Diese leisteten Beratungshilfe bei der Erstellung des Stadtentwicklungsplanes. Darüber hinaus wurden Schulungsmaßnahmen für einen größeren Kreis von Multiplikatoren in der Stadtverwaltung durchgeführt, um das Projekt auf eine breitere Basis zu stellen.

Learning by Doing

In den Phasen zwischen den Besuchen setzten dieVerwaltungsmitarbeiter aus Ulan Bator das Gelernte um, indem sie den Distriktplan für das Dari-Ekh-Viertel Schritt für Schritt entwickelten. Um die Kommunikation zwischen beiden Städten auch in den Zeiten aufrechtzuerhalten, in denen kein Expertenaustausch stattfand, richtete die Stadt Bonn im Internet einen "Workspace" zum schnellen und problemlosen Austausch von Informationen, Fotos und Dokumenten ein. Dies scheiterte jedoch letztendlich an der mangelhaften technischen Ausstattung in Ulan Bator.

Einsatz einer VN-Freiwilligen im Dari-Ekh-Distrikt

Kurz nach dem Start des Tacis-City-Twinning-Projektes eröffnete das in Bonn ansässige Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen (VN) die Möglichkeit, Freiwillige auch in Projekten von Kommunen einzusetzen.[1] Diese Chance ergriff die Stadt Bonn, um eine aktive Beteiligung der Bevölkerung am Planungsprozess in Dari-Ekh sicherzustellen. Eine junge Mongolin arbeitete als lokale VN-Freiwillige ein Jahr lang mit der Bevölkerung zusammen. Ziel ihrer Arbeit war es, die Prioritäten und Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu definieren und die Stadtplaner davon zu überzeugen, diese in die Planung mit einzubeziehen. Die VN-Freiwillige, die von den Stadtplanern beider Städte mit ausgewählt worden war, fungierte als permanentes Bindeglied zwischen 140 Haushalten im Jurtenviertel, der Stadtregierung, der Distriktverwaltung und der Nichtregierungsorganisation World Vision. Letztere wollte in dem Viertel einen Kindergarten und ein Gesundheitszentrum errichten. Nach Überwindung anfänglich großer Skepsis wurde die VN-Freiwillige akzeptiert, die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit erkannt und die Schwellenangst vor Partizipationsprozessen allmählich überwunden. Die Verbindung des Tacis-City-Twinning-Programms mit dem neuen Programm von UNV war für das Projektergebnis überaus förderlich.


Fußnoten

1.
Das Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen (United Nations Volunteers - UNV) fördert freiwillige Einsätze als Entwicklungskonzept. Es mobilisiert erfahrenes und engagiertes Personal, das vor Ort oder online mit lokalen Gemeinden und Institutionen arbeitet, um ihre Fähigkeit zu stärken, die Gestaltung ihrer Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Ihr vordringlichstes Ziel dabei ist es, durch ihren Einsatz auf lokaler Gemeindeebene Vertrauen aufzubauen.