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1.4.2004 | Von:
Bärbel Dieckmann
Maria Hohn-Berghorn

Kommunale Zusammenarbeit in der Praxis

Bonn und seine Projektpartnerstadt Ulan Bator

Kooperation zwischen Städten - eine neue Dimension?

Mit den ständig wachsenden Einwohnerzahlen, aber auch mit ihrem Einfluss beginnen die Verantwortlichen der Städte langsam zu verstehen, wie wichtig interkommunale Zusammenarbeit ist, um sich gemeinsamen Herausforderungen wie der Luftverschmutzung und dem Klimawandel zu stellen. Die neue Dimension der Kooperationen zwischen Städten ergänzt die staatliche und nichtstaatliche Entwicklungszusammenarbeit. Sie kann sie allerdings nicht ersetzen. Manche von höherer Ebene aus gesteuerten Entwicklungsansätze scheitern daran, dass "kommunale Selbstverwaltung" theoretisch so schwer verständlich zu machen ist. Die Notwendigkeit von Dezentralisierung lässt sich am besten durch konkrete Projekte - Kontakte und Zusammenarbeit auf der Ebene der Kommunen - vermitteln, in denen Experten eine gemeinsame Basis haben. Der Grund liegt auf der Hand: Alle Veränderungen beginnen letztendlich bei den Menschen.

Kommunen sollten sich jedoch nicht überschätzen. Sie sind nicht in der Lage, ein großes Wasserprojekt durchzuführen, einen Fluss zu begradigen, eine Brücke zu bauen, einem Hochschullehrer neues Wissen zu vermitteln. Dafür gibt es andere, weitaus sachkundigere Experten und Organisationen. Sie können allerdings kommunale Fachkräfte für eingegrenzte Gebiete und für einen begrenzten Zeitraum entsenden. Sie können kurzfristige Beratungshilfen für spezielle kommunale Ressorts anbieten. Sie könne kleine technische Unterstützung leisten. Sie können Verwaltungspraktikanten aus- und weiterbilden. Vor allem aber können sie Nichtregierungsorganisationen motivieren, mit ihrem Projekten beim jeweiligen städtischen Partner anzusetzen. Sie können kleine Teilbereiche in Projekten großer Entwicklungsorganisationen ausfüllen. Durch die Zusammenarbeit von Städten kann etwas angestoßen, angeregt, auf den Weg gebracht, eine Ausgangsbasis für die weitere Entwicklung geschaffen werden. Den so genannten "entwickelten Kommunen" wird damit zugleich die Chance geboten, über den Tellerrand ihres Aufgabenfeldes hinauszublicken, Kontakte zu Nichtregierungsorganisationen, zu Kirchen, zu den unterschiedlichsten Institutionen zu knüpfen. Dies wirkt sich letztendlich wieder positiv auf die Kommune aus.

Städte können im Rahmen von Partnerschaften und Kooperationen auch einen Beitrag zur Eine-Welt-Komponente der Lokalen Agenda 21 leisten. Durch Aktionen, durch Berichte, vor allem aber auch durch Außenkontakte der Bürgerinnen und Bürger der Kommunen wird Entwicklungszusammenarbeit konkret fassbar. Kommunale Entwicklungszusammenarbeit trägt zur entwicklungspolitischen Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung bei, vor allem weil die Projekte klein und überschaubar sind.