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1.4.2004 | Von:
Ulrich Nitschke
Michael Marwede

Chancen kommunaler Entwicklungszusammenarbeit

Lernen im Nord-Süd-Dialog

Es wird gezeigt, an welchen kommunalen Handlungsfeldern die internationale Zusammenarbeit ansetzen kann. Trotz knapper Kassen ist eine zukunftsfähige und Eine-Welt-verträgliche Entwicklung unserer Städte und Gemeinden möglich.

Vorbemerkungen

Vor gut zwei Jahren ist von Bund, Ländern und diversen Organisationen wie kommunalen Spitzenverbänden und Nichtregierungsorganisationen die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt[1] ins Leben gerufen worden. Diese hat inzwischen nach einer umfassenden Umfrage in deutschen Kommunen zu Nachhaltigkeitsthemen und -aktivitäten 2002[2] gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden und den Nichtregierungsorganisationen fünf kommunale Zukunftsthemen identifiziert:





  • Bürger- und Beteiligungshaushalt;

  • Kommunale Partnerschaften;

  • Interkulturelle Kompetenzbildung;

  • Fairer Handel und kommunales Beschaffungswesen;

  • Kulturen der Welt vor Ort.

    Diese fünf Themen werden im Folgenden als Chancen und Herausforderungen zur Stärkung der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit, d.h. als Potenzial zur Entwicklung kommunaler Nachhaltigkeitsstrategien, dargestellt.

    Darüber hinaus fließen in den Beitrag erste Ergebnisse der Studie "Handlungsspielräume der deutschen Kommunen für Eine-Welt-Aktivitäten" ein, welche die Servicestelle im Jahr 2003 vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) erstellen ließ. Diese Studie wird derzeit ausgewertet. Untersuchungsgegenstand war die Ermittlung globaler Zusammenhänge in kommunalen (Pflicht-)Aufgaben. Dieses Vorgehen hat sich in einer Zeit tiefer Einschnitte in die kommunalen Haushalte geradezu aufgezwungen. Nur die radikale Neuorientierung in den kommunalen Aufgaben und Dienstleistungen ermöglicht eine konsequente Entwicklung kommunaler Nachhaltigkeitsstrategien.

    Das Team der Servicestelle erarbeitet auf der Basis der Zukunftsthemen und der Studie hierzu - gemeinsam mit seiner Beteiligungsstruktur[3] - konstruktive Empfehlungen für die Arbeit in und mit Kommunalverwaltungen und -politik. Die oben genannten fünf Zukunftsthemen und die dazugehörigen Beratungstools für lokale Akteure sollen im Beitrag vorgestellt werden. Das Ziel besteht dabei darin, die kommunale Selbstverwaltung - ein Fundament deutschen Föderalismusverständnisses - wieder zu beleben. Kommunale Entwicklungszusammenarbeit - d.h. die Multikulturalität und Internationalität der deutschen Kommunen - ist dabei eine erstaunlich ergiebige Ressource, die bisher kaum genutzt wird. Mit den fünf oben genannten Zukunftsthemen soll der Handlungsspielraum der Kommunen erweitert werden.


  • Fußnoten

    1.
    Profil der Servicestelle (in Englisch und Deutsch verfügbar): www.service-eine-welt.de.
    2.
    Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (Hrsg.), Globales Handeln lokal verankern. Befragung 2002 der Kommunen und Nichtregierungsorganisationen zum Stand der Lokalen Agenda 21 und der Eine-Welt-Arbeit in Deutschland, Bonn 2003 [vergriffen]. Download: www.service-eine-welt.de.
    3.
    Insbesondere die Programmkommission (Vertreter der kommunalen Spitzenverbände und des Dachverbandes der Nichtregierungsorganisationen).