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11.3.2004 | Von:
Wolfgang E. Heinold
Ulrich Spiller

Der Buchhandel in der Informationsgesellschaft

Weg von den Konzernen?

Während die Zahl der Fusionen sowie Zukäufe gestiegen ist und damit einhergehend immer mehr bisher einzeln geführte Verlage in Konzernen aufgegangen sind, lässt sich in jüngster Zeit ein auffallender Gegentrend beobachten - nämlich die Absetzbewegung von Verlegern aus dem Konzernverband. So hat Arnulf Conradi 1998 seinen 1994 gegründeten Berlin-Verlag an Bertelsmann verkauft und sich im Jahr 2003 einvernehmlich vom Konzern getrennt. Der Kochbuch-Verleger Friedrich-Karl Sandmann hatte seine 1984 gegründete Zabert Sandmann GmbH zunächst in den Heyne Verlag eingebracht und dort als selbständigen Verlag weitergeführt. Nach dem Tod von Verleger Rolf Heyne wurde Zabert Sandmann zusammen mit dem Heyne Verlag an die Axel Springer AG veräußert. Nach zwei Jahren gelang es Sandmann, seine Anteile an dem Verlag vom Springer-Konzern zurückzukaufen. So entkam Sandmann dem Schicksal, dass diese zusammen mit der gesamten Gruppe Ullstein Heyne List an Random House bzw. Bonnier weiterverkauft wurden. "Was mich betrifft, hat sich der Rückkauf der Springer-Anteile aus zwei Gründen als richtig erwiesen: Erstens bin ich in meinem Handeln unabhängig, was mir einen größeren Freiraum im Denken und im Umsetzen von Ideen verschafft. Zweitens entscheide ich über die Höhe der Wertberichtigungen und damit auch über die Ergebnishöhe und die sich daraus ergebenden Investitionen."[18] Sandmann weiß, dass diese Freiheit Geld erfordert und vor allem den Mut zum Risiko. Wie Sandmann haben auch Gerd Frederking und Monika Thaler gehandelt, als sie den Verlag Frederking und Thaler Ende 2001 von Random House zurückkauften, den sie nur wenige Jahre zuvor in die Gruppe eingebracht hatten. Ein weiterer Fall: Als der Thienemann Verlag an die Bonnier-Gruppe ging, erwarben die Verleger Günter Ehni und Hansjörg Weitbrecht die Rechte am Imprint "Edition Erdmann" zurück, um zusammen mit der Lektorin Gudrun Rothermel einen wiederum eigenständigen Verlag aufzubauen. Auch der österreichische Verlag Kremayr & Scheriau ging aus dem Besitz von Bertelsmann bzw. Random House an die Alteigentümer zurück. Offensichtlich haben die Konzerne Probleme damit, ein verlegerisches Lebenswerk in seiner Individualität zu erhalten. "Die Controller", sagt Monika Thaler, "nehmen immer mehr Einfluss auf die Titelproduktion, und das gilt nicht nur für Random House."[19] Friedrich-Karl Sandmann hat die Kritik an dieser Entwicklung auf die Formel gebracht, er als Verleger wolle Spürsinn an die Stelle von Controlling setzen. Das Ehepaar Frederking-Thaler setzt darauf, dass seine Kinder den Verlag eines Tages weiterführen. Geht die Entwicklung also zurück zum guten alten Familien- und Eigentümerverlag?


Fußnoten

18.
"Kreativität und Schnelligkeit", in: Börsenblatt. Wochenmagazin für den Deutschen Buchhandel, 170 (2003) 3, S. 14f.
19.
Zitiert nach: Margrit Philipp, Duft der Freiheit, in: Börsenblatt. Wochenmagazin für den Deutschen Buchhandel, 170 (2003) 16, S. 10 - 13.