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24.2.2004 | Von:
Wilfried Buchta

Ein Vierteljahrhundert Islamische Republik Iran

Ausblick

Wenn man versucht, die Erfolge und Misserfolge eines Vierteljahrhunderts Islamische Republik zu bilanzieren, muss man sich die Frage nach den Kriterien stellen, die anzulegen sind. Misst man nach dem Kriterium der Systemstabilität, so ist unbestritten, dass das neue Regime seine Kontrolle durch den Aufbau von zahlreichen Institutionen abzusichern und zu perpetuieren verstand, die seinen Fortbestand noch für längere Zeit sichern dürften. Misst man die Republik jedoch an dem, was die Ideologie der Revolution und deren Führer der großen Mehrheit der Iraner, die den Sturz des Schahs wollten und ihnen folgten, versprachen, wie etwa soziale Gerechtigkeit, fällt die Bilanz anders aus. Eines muss man sich vor Augen halten: Es waren die enormen Schwierigkeiten mit der rapiden Modernisierung und den tief greifenden sozialen und wirtschaftlichen Wandlungsprozessen, die viele Iraner dazu bewegten, im Islam ihr Heil zu suchen, zumal die "importierten" westlichen Philosophien und Konzepte wie Nationalismus, Sozialismus und Konstitutionalismus gescheitert waren. So schlug Ayatollah Khomeini die Lösung vor, die vielen als die authentischste, vertrauteste und einfachste erschien - nämlich eine Rückkehr zu den Grundprinzipien des Islam als Heilmittel für die gegenwärtige Malaise in einer muslimischen Gesellschaft. Die Revolution endete jedoch keineswegs mit dem Sturz des Schahs und der Errichtung der Islamischen Republik. In vielerlei Hinsicht war die Übernahme der Regierungsgewalt nur die erste Phase, denn danach musste die Revolution beweisen, dass ihre religiös-ideologischen Dogmen zur Überwindung der sozialen Krise genügten. Dass das islamische Regime relativ erfolgreich ein Vierteljahrhundert lang die politische Stabilität der Revolutionsherrschaft zu sichern verstand, ist unbestritten. Ebenso unbestritten ist aber sein Scheitern bei dem Versuch, revolutionär-islamische Dogmen zu effektiven Instrumenten für die Lösung stetig wachsender politischer, sozialer und wirtschaftlicher Probleme zu machen, die bereits zu einem Großteil selbst die Ursachen der Revolution von 1979 waren. Die Frage, welche Konsequenzen sich aus diesem Scheitern ableiten, dürfte in den kommenden Jahren zunehmend relevanter werden.