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24.2.2004 | Von:
Mangol Bayat-Philipp

Die Beziehungen zwischen den USA und Iran seit 1953

Der Weg zur iranischen Revolution

Viele Beobachter sind zu dem Schluss gekommen, dass der Samen für die Revolution 1979 bereits in den Jahren 1953 und 1963 gesät worden sei. Der Sturz von Mosaddeq habe das Versagen des weltlichen Nationalismus als Ideologie für die iranischen Massen unterstrichen. Zur gleichen Zeit erlangte Khomeini im Exil eine Bedeutung als Führungspersönlichkeit wie kein anderer Oppositionsvertreter. Eine zu rasche Modernisierung hatte demnach das soziale Gefüge der iranischen Gesellschaft zerrissen, und der schiitische Islam ersetzte erfolgreich die weltlichen Ideologien bei der Mobilisierung der revolutionären Massen.

Die islamische Erneuerungsbewegung war Mitte der fünfziger Jahre von der Regierung initiiert worden, um den Kampf gegen den Kommunismus und die radikale Linke aufzunehmen. Neben dem Eintreten für eine Ausweitung der Reformen hatte sie die Schaffung sozio-religiöser Einrichtungen unterstützt, die eine gemäßigte, sozial progressive Interpretation des schiitischen Islam vertraten; diese sollten die jungen Iraner von weltlichen sozialistischen Ideologien fern halten. Viele Ayatollahs, die sich an diesem vom Staat geförderten Programm beteiligten - wie Mahmut Tabatabai, Morteza Motaheri und Mohammad Hosain Beheshti -, schlossen sich während der Revolution Khomeini an, zusammen mit ihren Schülern und einem Netz von Gefolgsleuten. Das Programm war während des Kalten Krieges integraler Bestandteil der US-Politik in der muslimischen Welt und sollte die Rolle des Islam als Bollwerk gegen den Kommunismus unterstreichen. Diese Politik war in Iran in den fünfziger Jahren und bis hinein in die siebziger Jahre unbestreitbar erfolgreich.

Nach Nassers Tod wurde diese Politik auch in Ägypten sowie in Sudan, in Indonesien, Malaysia, Algerien und im Südlibanon verfolgt, um nur einige Länder zu nennen. Die islamischen Laien-Ideologen, die für die sozio-religiösen Einrichtungen eine modernistische Sichtweise des Islam entwickelten (Mehdi Bazargan, Ibrahim Yazdi, Ali Shariati, Abolhasan Banisadr und andere), hatten nahezu ausnahmslos europäische und amerikanische Universitäten besucht und nicht die traditionellen theologischen Seminare. Vor Ort setzten sich die religiösen Netzwerke aus Absolventen nichtkirchlicher staatlicher Schulen und Universitäten zusammen, an denen nach westlichen Studienplänen unterrichtet wurde. Die theologischen Schulen zogen die intellektuell weniger begabten Studenten an, meist aus ärmeren Städten und Dörfern auf dem Land. Dabei boten die staatlichen Schulen und Universitäten, die sich in den siebziger Jahren im ganzen Land stark vermehrten, allen Studenten aus städtischen wie ländlichen Regionen eine kostenlose Ausbildung an.

Die Innenpolitik des Schahs förderte nach 1953 - mit Unterstützung der USA und der amerikanischen Finanzhilfe zur bildungspolitischen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung - das Wachstum der Mittelschicht und der unteren Mittelschicht. Der dramatische Anstieg des internationalen Ölpreises Anfang der siebziger Jahre machte die iranische Regierung finanziell unabhängig von amerikanischer Freigebigkeit und erleichterte die Ausweitung der Bildungsprogramme im In- und Ausland. Die gebildete Mittelschicht und die untere Mittelschicht dieses amerikanischen Satellitenstaates, die weitgehend ein Produkt der Pahlewi-Politik darstellte, bildete die Basis für die Revolution von 1979. Denn die wirtschaftliche und soziokulturelle Entwicklung ging einher mit politischer Unterentwicklung.

Der Ölreichtum der siebziger Jahre gab dem Schah und seinen Beratern die Mittel an die Hand, um das Militär auf- und das Land zu einer Regionalmacht auszubauen. Die Ambitionen des Schahs deckten sich mit den politischen Interessen der USA. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte sich Großbritannien vom Persischen Golf zurückgezogen. Washington entschloss sich dazu, Iran als neuen Polizisten in der Region einzusetzen - in der Annahme, das Land bleibe politisch stabil und auf westlicher Linie. Am 30. Mai 1972 machten US-Präsident Richard M. Nixon und Außenminister Henry A. Kissinger auf dem Rückweg von Moskau Station in Teheran. Dieses Treffen führte zu einer radikalen Neuausrichtung der amerikanisch-iranischen Beziehungen. In einer zweistündigen Diskussion soll Nixon den Schah freimütig gebeten haben: "Beschützen Sie mich."[14] Dieser kam der Aufforderung gerne nach. Denn Nixon hatte seinerseits zugesagt, Iran hoch entwickelte Militärtechnologie zu verkaufen. In den folgenden vier Jahren kaufte der Schah moderne Waffen im Wert von rund neun Milliarden US-Dollar. In der Folge verwickelte er Iran in regionale Konflikte wie am Horn von Afrika. Iranische Soldaten kämpften auch im Auftrag der Westmächte, um in Oman einen Aufstand gegen den Herrscher - einen Protegé der Briten - zu unterdrücken. Bis 1975 unterstützte Iran rebellierende Kurden in Irak - im Einklang mit den USA und Israel, die versuchten, das revolutionäre Regime in Bagdad zu destabilisieren.

Über den wachsenden Widerstand gegen diese militärischen Abenteuer des Schahs, die sich - im Bündnis mit den nichtmuslimischen Staaten USA und Israel - gegen muslimische Bruderstaaten richteten, ist viel geschrieben worden. Das gilt auch für die Feindseligkeit des Schahs gegenüber den arabischen Ländern; diese ging so weit, dass Iran im Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973 Israel mit Öl versorgte.

Auch die Korruption der herrschenden Elite in Iran und der Verlust der kulturellen Identität sind beschrieben worden. Mitte der siebziger Jahre, als selbst ernannte Guerilla-Gruppen Gewalt gegen amerikanische Beamte und Ziele ausübten, schrillten in Washington die Alarmglocken,. Die iranische Opposition war allerdings noch sehr zersplittert und uneins. Als Präsident Jimmy Carter 1976 sein Amt antrat, glaubte die neue Regierung, Iran könne gerettet werden. Carter wahrte zwar sehr viel mehr Distanz als seine Vorgänger, hielt aber an der amerikanischen Überzeugung fest, ein sicherer und stabiler Iran sei von großer Bedeutung für die strategischen Interessen der USA in der Region.


Fußnoten

14.
Nicht genannte Quelle, zit. in: G. Sick, All Fall Down: America's Tragic Encounter with Iran, New York 1986, S. 16.