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15.1.2004 | Von:
Willi Leibfritz

Auswirkungen des Terrorismus auf die Volkswirtschaften und die Wirtschaftspolitik

Das makroökonomische Management hat nach den Anschlägen des 11. September 2001 funktioniert. Trotzdem belasten die höheren staatlichen und privaten Sicherheitskosten die Volkswirtschaften und die Weltwirtschaft.

Einleitung

Mit den Anschlägen des 11. September 2001 hat der internationale Terrorismus mit rund 3 000 Toten, zahlreichen Verletzten und Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe eine neue Dimension erreicht. Es war in erster Linie eine menschliche Tragödie für die Betroffenen und ihre Angehörigen, wodurch die Frage nach den ökonomischen Auswirkungen naturgemäß in den Hintergrund tritt. Dennoch stellen sich aus ökonomischer Sicht mehrere Fragen. Die Anschläge hatten große Auswirkungen auf einzelne Wirtschaftsbereiche, insbesondere die Luftfahrt, den Tourismus und die Versicherungswirtschaft, doch blieben die gesamtwirtschaftlichen Folgen relativ gering. Ein Grund war darin zu sehen, dass das kurzfristige wirtschaftspolitische Krisenmanagement der Amerikaner effizient war und sich die Konjunktur unmittelbar nach den Anschlägen nicht nur in den USA, sondern auch weltweit stabilisierte. Mittelfristige Belastungen für die Volkswirtschaften ergeben sich aber insbesondere infolge der höheren Kosten für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, doch dürften sich die Belastungen insgesamt im Rahmen halten - vorausgesetzt, es kommt nicht zu weiteren großen Anschlägen. Die in der Folge der Terroranschläge geführten Kriege in Afghanistan und im Irak sowie die Kosten der andauernden Truppenstationierung in diesen Ländern haben jedoch die Militärausgaben und das Budgetdefizit der USA stark ansteigen lassen. Die höheren Ausgaben für Militär und innere Sicherheit wirken zwar kurzfristig nachfragestimulierend, doch senken sie tendenziell die gesamtwirtschaftliche Produktivität und damit das mittelfristige Wachstum, weil Ressourcen aus produktiveren Bereichen abgezogen werden.


Im Folgenden wird zunächst das ökonomische Krisenmanagement unmittelbar nach den Anschlägen beschrieben. Des Weiteren werden die mittelfristigen Auswirkungen diskutiert, wobei es darum geht aufzuzeigen, über welche verschiedenen Wirkungskanäle der Terrorismus die wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen kann und in welcher Größenordnung sich - aus heutiger Sicht - diese Einflüsse bewegen. Die endgültige Höhe dieser Folgen hängt natürlich davon ab, wie sich der internationale Terrorismus weiter entwickelt.[1]


Fußnoten

1.
Dieser Artikel basiert auf den Arbeiten der OECD zu den ökonomischen Auswirkungen des Terrorismus. Vgl. OECD, Economic Outlook 71, Paris, June 2002; P. Lenain/M. Bonturi/V. Koen, The economic consequences of terrorism, in: OECD Economics Department, Working Papers No. 334, Paris 2002. Die in dem Artikel geäußerten Ansichten sind die des Autors und müssen nicht notwendigerweise denen der OECD entsprechen.