BUNDESTAGSWAHL 2021 Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

15.1.2004 | Von:
Willi Leibfritz

Auswirkungen des Terrorismus auf die Volkswirtschaften und die Wirtschaftspolitik

Auswirkungen auf die Ausgaben für Sicherheit und Militär

Ein weiterer Kostenfaktor, über den der Terrorismus das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen könnte, sind die höheren konsumtiven Staatsausgaben für Polizei und Militär. Diese höheren Ausgaben müssen letztlich über höhere Steuern oder eine Senkung anderer Kosten finanziert werden. Die höhere Steuerbelastung wie auch die Verdrängung produktiverer Staatsausgaben (z.B. für Infrastruktur) senken den gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsanstieg und den Lebensstandard. Allerdings muss man hier zwischen kurzfristigen und längerfristigen Wirkungen unterscheiden. Kurzfristig können höhere konsumtive Staatsausgaben die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und das Wachstum erhöhen, wie sich auch in den USA nach den Anschlägen vom 11. September gezeigt hat und auch bei den höheren Ausgaben für den Krieg im Irak.[12] In den USA sind die Verteidigungsausgaben von 295 Mrd. US-Dollar oder drei Prozent des BIP im Jahr 2000 auf rund 410 Mrd. US-Dollar oder 3,8 Prozent des BIP im Jahr 2003 gestiegen. In den nächsten zwei Jahren dürften sie weiter auf rund 4,5 Prozent des BIP steigen. Die Militärausgaben sind damit (um Preissteigerungen bereinigt) wieder ähnlich hoch wie in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre, also der Zeit des Kalten Krieges. Die Friedensdividende für die Beendigung des Kalten Krieges wäre damit durch den "Krieg gegen den Terrorismus" wieder aufgezehrt. Dies gilt allerdings nur für die Betrachtung der Absolutbeträge. Bezogen auf das BIP betrugen die Militärausgaben zur Zeit des Kalten Krieges knapp sechs Prozent. Bei dieser Betrachtung wäre nach dem Anstieg von drei auf 4,5 Prozent die Friedensdividende noch nicht vollständig, aber immerhin zur Hälfte aufgezehrt. Auch dies ist ein starker Anstieg. Gleichzeitig wurden ja auch die Ausgaben im nichtmilitärischen Bereich deutlich erhöht, insbesondere durch die verschiedenen "Homeland-Security"-Programme (insbesondere verstärkte Grenzkontrollen, bessere Flugsicherung und der Aufbau von Informationssystemen).

Die innere Sicherheit war schon vor den Anschlägen vom 11. September ein relativ großer Bereich, der aber seitdem weiter ausgebaut wird. Im Jahr 2001 entfielen in den USA rund drei Millionen Arbeitsplätze auf diesen Sektor (Polizei, Feuerschutz, Justiz und Gefängnisse, private Sicherheitskräfte usw.). Die gesamte Lohnsumme betrug in diesem Bereich im Jahr 2001 96,2 Mrd. US-Dollar. Prognosen zufolge gehört der Sicherheitsbereich auch in den nächsten Jahren zu den zehn Dienstleistungsbereichen mit dem größten Personalzuwachs. So prognostizierte das Department of Labour im Dezember 2001, dass im Zeitraum 2000 bis 2010 das Personal im Sicherheitsbereich um rund 390 000 aufgestockt werden wird (zum Vergleich: Verkaufspersonal 510 000, Krankenschwestern 560 000, Experten für Computer-Hardware 490 000, Softwareexperten 380 000).


Fußnoten

12.
Die Tatsache, dass diese kriegsbedingte Produktionssteigerung in den USA auf der anderen Seite zu vielen Toten und Verletzten und großen Sachschäden geführt hat, zeigt allerdings in makaberer Weise, was sich unter dem Oberbegriff gesamtwirtschaftliche Nachfrage eines Landes alles verbergen kann und wie kurz diese einseitige ökonomische Betrachtungsweise greift.