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15.1.2004 | Von:
Willi Leibfritz

Auswirkungen des Terrorismus auf die Volkswirtschaften und die Wirtschaftspolitik

Auswirkungen über höhere Risikoabsicherung

Ein dritter Transmissionsweg, der das mittelfristige Wachstum reduzieren kann, ist der Anstieg der Risikoabsicherung, also eine Verteuerung der Versicherungsprämien. Die Verluste für die Versicherungen einschließlich Rückversicherungen aufgrund dieser Terroranschläge belaufen sich Schätzungen zufolge auf 30 bis 58 Mrd. US-Dollar; die große Spanne zeigt die Unsicherheit dieser Schätzungen. Betroffen sind hier insbesondere Lebens- und Gebäudeversicherungen - die reinen Gebäudeschäden sollen etwa 15 Mrd. US-Dollar betragen -, Auto- und Flugzeugversicherungen sowie Versicherungen für Lohn- und Geschäftsausfälle. In der Geschichte der Versicherungswirtschaft ist dies der bisher größte Schadensfall. Er traf natürlich nicht nur die Erst-, sondern auch die Rückversicherer. Da der Versicherungsmarkt und insbesondere der Rückversicherungsmarkt ein globaler Markt ist, waren auch andere Länder von diesen Versicherungsschäden betroffen; einige sehr bedeutende Rückversicherungsunternehmen (Lloyd's, Münchnener Rück, Schweizer Rück) haben bekanntlich ihren Sitz in Europa und in Deutschland.

Dieser extrem hohe Schadensfall ist für die Versicherungswirtschaft auch deshalb so schwer verkraftbar, weil es in den Jahren zuvor auch schon hohe Schadensfälle durch Naturkatastrophen gegeben hatte. So verursachte Hurrican Andrew in Florida im Jahr 1992 Versicherungsschäden in Höhe von 21 Mrd. US-Dollar. Die Schadenssumme im Zusammenhang mit dem 11. September beträgt das Doppelte. Gravierend ist auch, dass sich die Kapitalbasis der Versicherungsunternehmen durch die Kursverluste an den Aktienmärkten stark verschlechtert hat. Die Versicherungsunternehmen waren also nicht nur auf der Passivseite ihrer Bilanz, sondern auch auf der Aktivseite betroffen. Durch die inzwischen eingetretene Erholung der Aktienmärkte hat sich allerdings die Situation wieder etwas verbessert.

Trotz dieser hohen Belastungen gab es keine größeren Zusammenbrüche von Versicherungsunternehmen, was durchaus bemerkenswert ist angesichts der Schadenshöhe. Die Versicherer haben auf diesen Schock reagiert, indem sie die Versicherungsprämien anhoben. Die Anhebung trifft insbesondere die Luftfahrt, aber auch den Transportsektor insgesamt, die Gebäudevermietung, den Tourismussektor und die Energiegewinnung. Bei besonders sensiblen Bauten wie Kraftwerksanlagen war die Anhebung der Versicherungsprämien besonders stark. Letztlich trägt der Verbraucher die höheren Versicherungsprämien über entsprechend höhere Preise. Man kann beobachten, dass die Versicherungsprämien immer nach Großschäden steigen, weil die Versicherungsunternehmen ihre Kapitalbasis wieder aufbessern. Anschließend sinken die Prämien wieder. Trotz des jüngsten Anstiegs liegen die Prämien im Durchschnitt derzeit noch unter dem Spitzenwert der neunziger Jahre.[14]


Fußnoten

14.
Zwischen 1990 und 1993 haben die Rückversicherer die Prämien weltweit nahezu vervierfacht (Anstieg um rund 270 Prozent). Bis 1999/2000 sanken sie dann wieder um über 60 Prozent. Im Jahr 2001 stiegen sie um 37 Prozent und im Jahr 2002 um schätzungsweise rund 25 Prozent; vgl. Guy Carpenter (www.guycarp.com).