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12.12.2005 | Von:
Frank Brettschneider

Bundestagswahlkampf und Medienberichterstattung

Kardinale Fehler im Wahlkampf

Lange Zeit schien der Wahlsieg der Union sicher. Die SPD hatte kein Wahlkampfthema, schien chancenlos und war demoralisiert. Normalerweise kann die Opposition eine solche Wahl nicht verlieren. Ein unprofessionelles Themenmanagement der Wahlkampfleitung der Union brachte die SPD wieder zurück ins Spiel. Dies gilt sowohl für den strategischen wie für den operativen Bereich. Der Wahlkampf wurde emotionslos und mit zu geringer kommunikativer Disziplin geführt. Vor allem aber wurden drei Kardinalfehler begangen: Der erste strategische Fehler bestand darin, statt eines Angriffswahlkampfes auf Rot-Grün einen gouvernementalen Wahlkampf zu führen. Somit lenkte die Union die Aufmerksamkeit weg von der Regierungsbilanz hin zu den eigenen Regierungsvorstellungen.

Den zweiten Fehler beging die Union damit, die eigenen Vorstellungen sehr detailliert darzustellen, ohne sie aus einer übergeordneten, überzeugenden Kernbotschaft abzuleiten, die wirtschafts- mit sozialpolitischen Themen hätte verbinden können. "Sozial ist, was Arbeit schafft" geht zwar als Botschaft in die richtige Richtung, reicht aber bei weitem nicht aus. Der dritte Fehler war es, der SPD ihr Wahlkampfthema frei Haus zu liefern. Durch die Berufung Paul Kirchhofs wurde das absehbare Risiko eingegangen, auf einem sehr sensiblen Themenfeld massiv unter Druck zu geraten. Warum die Wahlkampfleitung dieses Risiko eingegangen ist, bleibt ihr Geheimnis. Wozu es führte, ist hingegen klar: Die SPD konnte ihr Positiv-Thema "Soziales" in der Medienberichterstattung verankern und bei der steuerpolitischen Kompetenz mit der Union gleichziehen. Wofür die Union in der Steuerpolitik stand, blieb den Wählerinnen und Wählern unklar.

Alles zusammengenommen, hat sich die Union selbst geschlagen. Ihr gelang, was der SPD nicht gelungen wäre: den komfortablen Vorsprung in kürzester Zeit auf fast Null zusammenschmelzen zu lassen. So war die Unions-Strategie vor allem eines: Ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte.