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12.12.2005 | Von:
Michael Konken

Medienmacht und Medienmissbrauch

Medien und Meinungsforscher

Im Mittelpunkt der wahlabendlichen Kritik von Gerhard Schröder standen die Demoskopen, aber auch die Medien, die angeblich unkritisch Zahlen der Meinungsforscher übernommen hätten. Hierbei wird vergessen, dass auch die der SPD nahe stehenden Meinungsforschungsinstitute nicht wesentlich von den Vorhersagen der anderen Meinungsforscher abwichen. Immer wieder wurde bis zum Wahlabend durch Meinungsforscher und Journalisten deutlich gemacht, dass zeitweise bis zu 40 Prozent der Bevölkerung noch unentschlossen hinsichtlich ihrer Wahlentscheidung waren: eine Zahl, die ein hohes Potenzial für Überraschungen in sich trug. Es war nicht verwunderlich, dass der Trend, der in der Öffentlichkeit zu beobachten war, sich am Wahlsonntag verfestigte. Die positive Stimmung für die CDU zu Beginn des Wahlkampfes mit fast 48 Prozent wurde von den Meinungsforschern zunächst durchaus realistisch eingeschätzt. Der für die CDU negative Umschwung war letztlich ein kontinuierlicher, schwer kalkulierbarer Prozess, der sich aufgrund einer unprofessionellen Wahlkampfführung und unterschiedlicher Meinungen im Kompetenzteam entwickelte. "Wir haben deshalb auch immer wieder gesagt, dass die Wahlenscheidung bis in die letzen Stunden offen ist", sagte ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann in der "Berliner Zeitung", und weiter: "Als die ZDF-Werte Herrn Schröder im Aufwind sahen, habe ich ihn die Zahlen nicht kritisieren gehört."[5]

Was wäre gewesen, wenn die Medien auf die Veröffentlichung von Meinungsumfragen verzichtet hätten? Wäre dann der Vorwurf der Wahlmanipulation nicht umso folgerichtiger gewesen? Meinungsumfragen gehören zur Wahlberichterstattung - auch wenn ihre Ergebnisse keine hundertprozentigen Prognosen für den Wahlausgang zulassen.


Fußnoten

5.
R. Mielke (Anm. 3).