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13.6.2005 | Von:
Siegfried Grundmann

Wissenschaft und Politik: Einsteins Berliner Zeit

Verspottet und ausgebürgert

Den Schlusspunkt unter Einsteins Berliner Zeit haben die Nationalsozialisten gesetzt, und damit den Schlusspunkt unter ein glanzvolles Kapitel deutscher Wissenschaftsgeschichte. Einstein war für sie ein Feind in höchster Vollendung: ein Jude, und weil Differenzierungen nicht mehr wichtig zu sein schienen, wurde er zum "Kommunisten" gemacht, verspottet, ausgebürgert; Konten und Sommerhaus wurden konfisziert. Das Deutsche Reich, einst stolz, ihn unter den Seinen zu wissen, war froh, den Juden Einstein endlich los zu sein.

Einstein hörte nicht auf, Pazifist zu sein, er musste sich aber der Einsicht beugen, mit seiner Haltung in der Frage der Vermeidung eines neuen Krieges gescheitert zu sein. Er erkannte - wie er am 14. Juli 1941 formulierte-, "daß der bisherige Standpunkt nicht aufrechtzuerhalten war, wenn nicht die Macht in der ganzen Welt in die Hände von den schlimmsten Feinden der Menschheit geraten soll. Gegen organisierte Macht gibt es nur organisierte Macht"[22]. Einem Kritiker seiner veränderten Haltung erwiderte er am 28. August 1933: "Bei Verhältnissen, wie sie bis zum Ende des vorigen Jahres in Europa geherrscht haben, war nach meiner Meinung die Militärdienstverweigerung ein wirksames Mittel zur Herstellung gesünderer und würdigerer Zustände in Europa. Nun ist es aber - hoffentlich für nicht lange Zeit - anders geworden. Wissen Sie nicht, daß in Deutschland fieberhaft gerüstet wird? (...) Ich hasse Militär und Gewalt jeder Art. Ich bin aber fest davon überzeugt, daß heute dieses verhasste Mittel den einzigen wirksamen Schutz bildet."[23]

Einstein musste eine Niederlage eingestehen. Rückblickend, scheint es, war er manchmal sehr "naiv". Aber die "Realisten"? Haben sie denn Kriege aus der Welt geschafft? Wissen sie denn, wie man Kriege verhindern kann? Einstein hat niemals aufgehört, für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Völkerverständigung zu kämpfen - mit den Waffen eines Intellektuellen, der Macht des Wortes, des Glaubens, der Überzeugung. Ein Utopist, aber Utopisten wie diesen Einstein braucht die Welt.


Fußnoten

22.
Zitiert nach Ze'ev Rosenkranz, Albert Einstein. Privat und ganz persönlich. Jüdische National- und Universitätsbibliothek, Jerusalem 2004, S. 115.
23.
Albert Einstein, Über den Frieden. Weltordnung oder Weltuntergang?, hrsg. von Otto Nathan und Heinz Norden, Vorwort von Bertrand Russell, Neu-Isenburg 2004, S. 248.

Mehr zum Thema: Siegfried Grundmann, Einsteins Akte. Wissenschaft und Politik - Einsteins Berliner Zeit. Mit einem Anhang über die FBI-Akte Einsteins, Berlin-Heidelberg-New York 20042.