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17.1.2005 | Von:
Khalid Y. Khalafalla

Der Konflikt in Darfur

Geographischer und ethnischer Hintergrund

Darfur - die Heimat der Fur - umfasst ein Gebiet, das etwa der Größe Frankreichs entspricht. Historisch war Darfur bis zur Niederlage seines letzten Sultans, Ali Dinar, im November 1916 gegen die von den Briten angeführten Truppen nicht Teil des Sudans.

Geographisch kann man Darfur in vier Zonen einteilen: die Halbwüste im Norden, das qoz-Land in der Mitte des Ostens, das Lehmbecken im Süden und das zentrale Gebirge Gabal Marra.[6] Die Bevölkerung von Darfur setzt sich aus einer Vielfalt verschiedener ethnischer Gruppen zusammen. Diese Gruppen betreiben unterschiedliche wirtschaftliche Aktivitäten, dennoch kann man sie in drei Hauptgruppen unterteilen:[7] - sesshafte eingeborene Stämme: Dazu gehören das Volk der Fur, die entlang des Gabal Marra leben und dura (Sorghumhirse) sowie dukhn (Hirseart) als Grundnahrungsmittel anbauen. Weiter gehört das Volk der Masalit dazu, die in den Tälern des äußersten Westen von Darfur leben, die Daju und Tunjur, die traditionell erste herrschende Elite in Darfur, sowie die Qimr; - nomadische oder halbnomadische nichtarabische Stämme: Hierzu zählen die Zaghawa, der große Stamm im Nordwesten von Darfur, die als Nomaden leben; die Badayat und die Meidob im Nordosten von Darfur, die Halbnomaden sind und Schaf- und Ziegenherden halten; - arabische Stämme: Dazu gehören sesshafte Araber wie die Messiriya, nomadische Kamelhirten wie die Zaiydiya und nomadische Rinderhirten, die unter dem Namen Baggara bekannt sind. In Darfur leben vier Hauptgruppen der Baggara: Rizaiqat, Habbaniya, Ta'aisha, und Beni Helba.

Obwohl es Stammesterritorien (dars) gibt, innerhalb derer jeder Stamm sich von anderen abgrenzt, lebten diese Gruppen nicht isoliert voneinander, sondern waren bis zu einem gewissen Grad in größere Austauschsysteme integriert. Außerdem gibt es Mischehen. Tatsächlich war der erste Sultan der Fur der Nachfahre eines arabischen Vaters und einer Fur-Prinzessin. Man nannte ihn Sulyman Solong, was Sulyman der Araber bedeutet. Die saisonalen Veränderungen von Weiden und Wasserquellen führen jedoch zu erheblichen Wanderungsbewegungen in den Stammesterritorien, was aufgrund des Wettbewerbs um natürliche Lebensgrundlagen häufig Konflikte nach sich zieht.


Fußnoten

6.
Qoz bedeutet stabilisierte Dünen, die bevorzugt für die Landwirtschaft genutzt werden. Jebel/Gabal bedeutet Berg.
7.
Vgl. H. A. MacMichael (Anm. 4); A. B. Theobald, Ali Dinar: Last Sultan of Darfur 1898 - 1916, in: Longmans, (1965).