30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

8.12.2006 | Von:
Juliana Ströbele-Gregor

Indigene Emanzipations-
Bewegungen in Lateinamerika

Das Panorama

Vor dem Hintergrund extremer gesellschaftlicher Ungleichheit und damit verbundener ungelöster sozialer Konflikte und uneingelöster Erwartungen hinsichtlich der gesellschaftlichen Gleichstellung, kultureller Anerkennung und Überwindung von Armut und Marginalisierung, hat die Ethnisierung des Politischen in Lateinamerika unaufhörlich zugenommen. Forderungen und Gesellschaftsvisionen, die bis Anfang der 1980er Jahre in der Terminologie des Klassenkampfes erfolgten, werden nun zunehmend mit ethnischen Legitimierungsdiskursen begründet. In diesem Kontext haben die indigenen Bewegungen - zumindest in jenen Ländern, in denen Indígena einen Großteil der Bevölkerung stellen - eine wichtige Rolle übernommen.

Sie gründen eigene politische Parteien, beteiligen sich an regionaler Entwicklungsplanung, stellen Parlamentarier, Bürgermeister, Kreisverwaltungen, Senatoren und derzeit einen Präsidenten. Sie agieren in internationalen Gremien, in denen sie Unterstützung für ihre Forderungen suchen. Und sie haben Reformen von Landesverfassungen und Gesetzen bewirkt. Zu dieser politischen Präsenz und Wirkungskraft indianistischer Diskurse haben nicht zuletzt die internationalen Debatten über Menschenrechte, Rechte von Minderheiten und Anerkennung von kultureller Diversität sowie das damit einhergehende Engagement von internationalen Hilfsorganisationen und Experten beigetragen.