30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

8.12.2006 | Von:
Juliana Ströbele-Gregor

Indigene Emanzipations-
Bewegungen in Lateinamerika

Kulturelle Verschiedenheit und Identität

Im Alltagsleben hingegen fällt die Selbstdefinition viel komplexer aus. Zum einen existieren in allen Völkern Eigenbezeichnungen. Zum anderen haben über die Jahrhunderte Prozesse der biologischen und kulturellen Vermischung stattgefunden. Wie sich diese Indio-Mestizos ("Indio-Mestizen") gesellschaftlich zuordnen, hängt sowohl davon ab, welche soziale Stellung sie einnehmen, als auch vom Verhalten der europäischstämmigen Bevölkerung und des Staates ihnen gegenüber. Zum dritten werden im Alltagsleben situationsbedingt unterschiedliche soziale Identitäten eines Individuums angesprochen, die im gesellschaftlichen Kontext ein jeweils unterschiedliches Gewicht haben. Diese Situation lässt sich mit dem Konzept multipler Identitäten fassen.[1] Indigena-Sein ist demzufolge ein soziales Konstrukt, welches in der Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Bedingungen und in der Interaktion mit anderen Identitäten konstruiert wird: der Zugehörigkeit zur ethnischen oder religiösen Gruppe, zu einer sozialen Klasse, zur Herkunftsregion, zum Wohnort, zum Geschlecht und als Bürger oder Bürgerin eines Landes etc. Je nach Kontext werden diese Identitäten vom Individuum gewichtet.

Fußnoten

1.
Vgl. Carlos Iván Degregori, Identidad étnica. Movimientos sociales y participación política en el Perú, in: Alberto Adrianzén et. al., Democracia, etnicidad y violencia política en los países andinos, Lima 1993, S. 113 - 136.