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8.12.2006 | Von:
Juliana Ströbele-Gregor

Indigene Emanzipations-
Bewegungen in Lateinamerika

Einige demographische Daten

Der Anteil indigener Bevölkerung in den Ländern Lateinamerikas differiert stark. Das sagt aber wenig über den Grad der Politisierung, Mobilisierung und Organisierung aus. Auch in Ländern mit geringem indigenen Bevölkerungsanteil kann es eine starke indigene Bewegung und Präsenz auf der nationalen oder internationalen politischen Bühne geben - Beispiele sind Costa Rica oder Kolumbien. Doch zweifellos ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung eines Landes für den politischen Einfluss bedeutsam.

Die indigene Bevölkerung Lateinamerikas umfasst ca. acht bis zwölf Prozent, das entspricht etwa 40 bis 50 Millionen Menschen. Es gibt über 400 ethnische Gruppen und Völker und 917 gesprochene indigene Sprachen,[2] ein Zeichen der großen kulturellen Vielfalt. Die Anzahl der indigenen Bevölkerung nimmt erkennbar zu. Allerdings sind zahlreiche kleine Gemeinschaften, insbesondere in ökologisch sensiblen Regionen mit wertvollen Naturressourcen, vom Aussterben bedroht, weil ihre Lebensgrundlagen zerstört werden.

Die indigene Bevölkerung mit der größten ethnischen und kulturellen Vielfalt in einem Nationalstaat lebt in Mexiko, wenngleich sie mit 10,9 Millionen prozentual an der Gesamtbevölkerung nur 12,6 Prozent ausmacht (1992, letzte offizielle Schätzungen). Die Länder mit dem stärksten Bevölkerungsanteil sind Bolivien (Zensus 2002: 65 Prozent), Guatemala (Zensus 1994: 48 Prozent) und Ecuador (Zensus 1992: 35,3 Prozent).[3] Im größten Land Lateinamerikas, Brasilien, gibt es zwar 210 indigene Völker, doch leben diese überwiegend in Amazonien und machen nur ein bis eineinhalb Prozent der brasilianischen Bevölkerung aus. Wie auch in Kolumbien und Venezuela handelt es sich um kleinere Gemeinschaften, die noch stark an ihr Habitat (Lebensumfeld) angepasst sind. Das Vordringen von Viehzüchtern, Siedlern und die rücksichtslose Durchsetzung von Wirtschaftsinteressen externer Akteure bedrohen ihre Lebensräume und damit ihre Existenz als indigene Gemeinschaften.

Fußnoten

2.
Vgl. LASR - Latin American Newsletters, Special Report 2003, Indigenous peoples and power in Latin America, SR-03 - 04/Sept. 2003, S. 2.
3.
Zu den sehr unterschiedlichen Zahlenangaben vgl. Gregor C. Barie, Pueblos indígenas y derechos constitucionales en América Latina: un panorama, Mexico 2003, S. 37 - 46; GTZ (Hrsg.), Indigene Völker in Lateinamerika und Entwicklungszusammenarbeit, Eschborn 2004.