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8.12.2006 | Von:
Günther Maihold

Alte Konflikte und neue politische Kräfte im Andenraum

Andenregion: Konfliktzone oder gesellschaftspolitischer Experimentierraum?

Die Veränderung der Gesellschaften Boliviens, Perus und Ecuadors durch die jüngsten Wahlprozesse hat trotz der unterschiedlichen Ergebnisse unter politischen Vorzeichen doch eine neue Etappe der Demokratieentwicklung eingeläutet: Traditionelle Akteure wie Parteien wurden deutlich abgestraft, neue Allianzen wie der MAS haben sich als Mehrheitspartei etablieren können.

Andere Kräfte unter der Leitung von Evo Morales in Bolivien und Rafael Correa in Ecuador haben Regierungsverantwortung erhalten und müssen ihre Wähler zufrieden stellen. Die Wahlen haben insoweit nichts an den Konflikten geändert, aber möglicherweise der Form des Konfliktaustrags eine neue Richtung gegeben. Gegenwärtig weist diese weniger auf institutionelle Wege als auf die Auseinandersetzung "auf der Straße" hin; insofern haben die neu gewählten Regierungen der Region eine große Verantwortung, ihrer Politik jene Inhalte zu geben, die die sozialen Kräfte zusammenführen und Ausgleich sowie Kohärenz stiften. Nur dann wird es möglich sein, die Dynamik der Konflikte zu kontrollieren und die Stabilität der demokratischen Entwicklung zu bewahren.

Auch die neuen politischen Kräfte müssen durch programmatische Substanz, weniger durch symbolische Akte, zur Weiterentwicklung der Demokratie in der Region beitragen. Andernfalls dürften für den Andenraum die Chancen auf eine friedliche Transformation schnell sinken.