30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

24.11.2006 | Von:
Bernhard Seliger

Die neue politische Ökonomie Ostasiens und die Rolle Chinas

Ausblick

Chinas Integration in die Weltwirtschaft sowie in die regionale Wirtschaft ist eine große Erfolgsgeschichte für das Land. Dabei war China, auch bedingt durch militärische Schwächen trotz der Größe seiner Armee und durch innenpolitische Konflikte, stets bemüht, den friedliebenden Charakter seiner wirtschaftlichen Expansion zu betonen. Diese Konzentration auf Wirtschaftswachstum und -integration statt politischer Machtausübung sollte durchaus auch in der Zukunft als ein Motiv chinesischer Außenwirtschaftspolitik ernst genommen werden. Dennoch haben sich in den letzten Jahren vermehrt die oben diskutierten Konflikte ergeben, die Chinas Rolle als rein wirtschaftliche Macht weniger glaubhaft erscheinen lassen. Insbesondere der trilaterale Wettbewerb mit Japan und den USA - um Rohstoffquellen und Energievorkommen, um Freihandelsabkommen und auch um politischen Einfluss in der Region - ist dabei eine Quelle potenzieller Konflikte.

Umfassende wirtschaftliche Integration in Ostasien, beispielsweise im Rahmen von ASEAN plus drei (China, Japan, Korea), weist einen Weg zur Entschärfung dieser Konflikte: Erstens führt eine Mischung großer und kleiner Staaten in einem größeren Integrationsgebiet zu einer Entschärfung des Problems der möglichen Dominanz eines Integrationspartners, Japans oder Chinas. Die Möglichkeit eines chinesischen oder japanischen Sonderwegs, der zu Konflikten mit den Nachbarn führt, würde dadurch erheblich verringert. Dabei hat sich in Europa gezeigt, dass eine maßvolle Überrepräsentation der kleineren Staaten als vertrauensbildende Maßnahme erfolgreich sein kann. Zweitens würde ein größeres Integrationsgebiet auch wirtschaftlich für alle beteiligten Staaten von Vorteil sein, da damit Verzerrungen in der Produktionsstruktur aufgrund von Handelspräferenzen eine kleinere Rolle spielen. Die Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums kann dann auch positive Effekte für die politische Kooperation haben.[8] Allerdings scheinen derzeit die politischen Hindernisse für eine umfassende Integration noch zu hoch zu sein. Eine Alternative könnte sein, zunächst nur auf einem einzigen Feld von gemeinsamem Interesse die Integration zu beginnen, zum Beispiel auf dem der Energiepolitik.[9] Allerdings müsste dieses Feld dann von den ungelösten politischen Konflikten isoliert werden, weil es sonst, wie jetzt etwa die nordostasiatischen Gipfeltreffen, zum Spielball politischer (und häufig innenpolitisch motivierter) Schachzüge würde.

Die Stellung Chinas im ostasiatischen Wirtschaftsraum der Zukunft bleibt eine offene Frage. Dabei spielen auch die Entwicklung Südasiens, insbesondere Indiens, und die Frage der geographischen oder kulturellen Begrenzung eines zukünftigen Integrationsraumes (z.B. die Einbeziehung Australiens und Neuseelands) eine wichtige Rolle. Diese Fragen lassen sich durch flexible institutionelle Gestaltung, etwa in Form einer umfassenden Freihandelszone und möglicher engerer Kooperation in anderen Gebieten - etwa bei der Währungspolitik - lösen. Die wichtigste Voraussetzung dafür bleibt aber der politische Wille, wirtschaftliche Zukunftsinteressen nicht durch historische Fragen und Prestigegehabe unnötig zu untergraben. Dies ist derzeit bei allen beteiligten Staaten nur bedingt gegeben.

Fußnoten

8.
Vgl. Bernhard Seliger, The Optimum Size of East Asian Economic Integration and the Role of Korea, in: Korea and World Affairs, 30 (summer 2006) 2 , S. 238 - 258.
9.
Vgl. Peter Beck, Northeast Asia's Undercurrents of Conflict, in: Asia Report, (2005) 108 (Seoul: International Crisis Group).