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24.11.2006 | Von:
Heinrich Kreft

China - Die soziale Kehrseite des Aufstiegs

Wachsende soziale Differenzierung

Im Rückblick haben die Wirtschaftsreformen in China zu erheblichen sozialen Verwerfungen geführt. China hat sich innerhalb von 20 Jahren von einer der egalitärsten zu einer der ungleichsten Gesellschaften entwickelt. Die wachsende soziale Ungleichheit und gewaltige Einkommensunterschiede zeigen sich insbesondere zwischen Stadt und Land, aber auch innerhalb der städtischen und ländlichen Schichten. 1990 betrug die Einkommensdifferenz zwischen den 20 Prozent der Bevölkerung mit dem höchsten und den 20 Prozent mit dem niedrigsten Einkommen etwa das Vierfache. Dieser Unterschied hat sich inzwischen weiter vergrößert; er beträgt heute beinahe das Dreizehnfache. Verfügten die 20 Prozent der Bevölkerung mit dem höchsten Einkommen zu Beginn der Reformen im Jahr 1990 noch über etwa 39 Prozent des Gesamteinkommens, liegt dieser Wert inzwischen bei über 80 Prozent. Das United Nations Development Programme (UNDP) gibt die Einkommensdiskrepanz zwischen der obersten und der untersten Zehn-Prozent-Gruppe mit 11 zu 1 an,[1] so dass jetzt selbst offizielle chinesische Stellen von einer bedrohlichen Ungleichverteilung der Einkommen sprechen.

Da ein Großteil der Einkommen statistisch nicht erfasst wird, dürften die Einkommensunterschiede in der Realität noch wesentlich größer sein. So erklärt es sich, dass immer noch 26 Millionen Chinesen zu den absolut Armen gezählt werden müssen, die weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben, während sich das Land gleichzeitig zu einem boomenden Markt für teure Autos und andere Luxusimporte entwickelt hat (vgl. Tabelle1 der PDF-Version).

Fußnoten

1.
Vgl. UNDP, China Human Development Report 2005, Februar 2006.