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13.11.2006 | Von:
Axel Pohl
Andreas Walther

Benachteiligte Jugendliche in Europa

Maßnahmen gegen das frühe Verlassen des Bildungssystems

Die folgende Übersicht beginnt bei den eher strukturbezogenen, präventiven Ansätzen und endet bei den individualisierenden, kompensatorischen:
  • Schulreformen zur Modernisierung von Bildungsgängen in Bezug auf Dauer und Durchlässigkeit, den Ausbau beruflicher Bildungsgänge und die Entwicklung nationaler Bildungsrahmensysteme;
  • Bildungsgeld zum Ausgleich sozialer Ungleichheit; entweder individuell, bedarfsbezogen oder als Koppelung familialer Sozialleistungen an den Schulbesuch der Kinder;
  • Beratung zur Problemlösung und Unterstützung bei Bildungsentscheidungen durch Vertrauenslehrer, Schulsozialarbeiter oder spezialisierte Berater für alle Schüler;
  • Stützunterricht und sonderpädagogische Maßnahmen innerhalb der Regelschule durch individualisierte Lehrpläne, zusätzliches Personal sowie flexible Unterrichtsformen;
  • 'Second-Chance'-Schulen zum Nachholen von Abschlüssen, entweder in Verbindung mit beruflicher Bildung oder in Abendschulen;
  • Anerkennung informeller Kompetenzen im Kontext nationaler Bildungsrahmensysteme bzw. in Zentren zur Feststellung, Anerkennung und Zertifizierung;
  • (Berufs)vorbereitende Maßnahmen in Bezug auf persönliche Kompetenzen, Bewerbungstraining, Praktika, Ausbildungsvorbereitung, die jedoch nur zum Teil auf die spätere Ausbildung anrechenbar sind.
Berücksichtigt man den Zusammenhang zwischen individuellen Bildungsentscheidungen und strukturellen Bedingungen, so erscheint es folgerichtig, dass sich Länder mit niedrigen Bildungsquoten oder einer rapiden Abnahme in den vergangenen Jahren durch eine Koordination von Maßnahmen auszeichnen, in denen Schulreformen mit finanzieller Unterstützung sowie individueller Beratung kombiniert sind. Dies gilt vor allem für Dänemark, Slowenien und das Vereinigte Königreich, aber auch für die rumänische "Strategie für den verbesserten Zugang benachteiligter Gruppen zu Bildung und Ausbildung". Griechenland ist insofern ein Ausnahmefall, als es dort durch primär individualisierende Maßnahmen gelang, die Rate niedriger Bildungsabschlüsse zu halbieren.

Eine wesentliche Rolle spielen dabei Abendschulen, die von sechs Prozent der 14- bis 24-Jährigen besucht werden. Schließlich sollte erwähnt werden, dass in manchen Ländern nach wie vor lernschwache Schülerinnen und Schüler in Sonderschulen unterrichtet werden, in denen sie entweder keine oder nur gering anerkannte Abschlüsse erwerben (etwa die Roma in der Slowakei, während Deutschland EU-weit die höchste Sonderschulrate aufweist). Tabelle 3 der PDF-Version gibt Aufschluss über die quantitative und qualitative Bedeutung einzelner Maßnahmetypen in den nach dem Anteil früher Abgänger aus dem Bildungssystem sortierten Ländern.