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15.5.2006 | Von:
Belwe, Katharina

Editorial

Aufgrund des demographischen Wandels in Deutschland ist mit gravierenden sozialen, politischen und ökonomischen Auswirkungen auf die Kommunen zu rechnen. Die Strategien ostdeutscher Kommunen, die sich schon lange auf Schrumpfungspfad befinden, könnten Modellcharakter für die Stadt- und Regionalplanung haben.

In Deutschland leben derzeit 82 Millionen Menschen; nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes werden es im Jahr 2050 nur noch gut 75 Millionen sein. Die Hälfte der Bevölkerung wird dann älter als 48, ein Drittel 60 Jahre alt oder älter sein. Die Gesellschaft schrumpft und altert gleichermaßen: Die Lebenserwartung der Menschen nimmt stetig zu, gleichzeitig werden immer weniger Kinder geboren. Immer weniger junge Frauen und Männer entscheiden sich dafür, eine Familie zu gründen.

Aufgrund dieser Entwicklung ist mit gravierenden sozialen, politischen und ökonomischen Auswirkungen auf die Kommunen zu rechnen, die davon allerdings sehr unterschiedlich betroffen sein werden. Neben stark schrumpfenden Gemeinwesen wird es Stagnations- und Wachstumsräume geben. Viele Kommunen und Regionen - nicht nur in Deutschland - sehen sich schon seit längerer Zeit mit demographischer Schrumpfung und deren Folgen konfrontiert. Und das Problem konzentriert sich keineswegs nur auf Ostdeutschland, wenngleich die Lage dort besonders dramatisch ist.

Die von der Wissenschaft prognostizierte demographische Entwicklung schlägt sich bislang nur unzureichend in der Kommunalpolitik nieder. Sie liegt zumeist außerhalb des Zeithorizontes der in Wahlperioden agierenden verantwortlichen Politikerinnen und Politiker. So wird vielfach unter Missachtung der künftigen demographischen Rahmenbedingungen weiterhin einseitig auf Wachstum gesetzt. Kommunen, die sich - wie beispielsweise Johanngeorgenstadt im Erzgebirge - schon lange auf dem Schrumpfungspfad befinden, gehen indes andere Wege. Ihre Strategien könnten Modellcharakter für die Stadt- und Regionalplanung haben.