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16.3.2006 | Von:
Brigitte Geißel

Kritische Bürgerinnen und Bürger - eine Gefahr für Demokratien?

Profile und Merkmale der Typen

Unterscheiden sich die Profile der untersuchten Typen? Welche Typen weisen in besonders starkem Maß jene Merkmale auf, welche als demokratieförderlich erachtet werden? Die Tabelle gibt einen Überblick über die signifikanten Zusammenhänge zwischen Typen und den demokratiefreundlichen Ausprägungen der ausgewählten Merkmale.

Systematische Unterschiede zwischen den Typen sind in der Tabelle der PDF-Version deutlich zu erkennen. Unter den Kritikbereiten sind die ausgewählten demokratieförderlichen Merkmale überdurchschnittlich häufig vertreten, wobei die Unterschiede zwischen den nicht kritikbereiten und den kritikbereiten Demokraten zwischen einem und 14 Prozentpunkten betragen. Partizipation, hier definiert als politisches Engagement über den Wahlakt hinaus, ist bei den kritikbereiten Demokratenam deutlichsten ausgeprägt; 91 Prozent von ihnen sind politisch engagiert. Damit sind sie aktiver als die Nichtkritikbereiten und die Personen mit undemokratischer Systempräferenz. Die Kritikbereiten sind auch am häufigsten bereit, die Demokratie zu verteidigen. Und sie weisen den höchsten Prozentsatz an kenntnisreichen Personen auf. Dasselbe gilt für die demokratische und politische Identifikation. Die Kritikbereiten haben ebenfalls ein höheres politisches Kompetenzgefühl als die anderen Gruppen, wenngleich der Unterschied zu den nichtkritikbereiten Demokraten vernachlässigbar ist. Demokratieförderliche Merkmale sind also beim kritikbereiten Typus insgesamt häufiger zu finden als bei den Nichtkritikbereiten sowie bei Personen mit undemokratischer Systempräferenz.

Die Differenzen zwischen den kritikbereiten und den nicht kritikbereiten Demokraten unterscheiden sich dabei sowohl in den neuen als auch den alten Bundesländern kaum. In beiden Teilen Deutschlands weisen die kritikbereiten und nicht kritikbereiten Demokraten jeweils ähnliche Profilunterschiede auf.

Erstaunlich ist auf den ersten Blick, dass auch die Befürworter eines undemokratischen Regierungssystems in hohem Ausmaß zur Verteidigung von Demokratie bereit sind. Möglicherweise haben auch jene Bürger, die ein Einparteiensystem oder eine Diktatur in Krisenzeiten befürworten, ein - wenn auch nicht im wissenschaftlichen Sinn konsistentes - Demokratieverständnis. Eine Verteidigungsbereitschaft bei geringer Informiertheit oder überdurchschnittlicher Entfremdung wird sich jedoch kaum positiv auf die Konsolidierung und Stabilität einer Demokratie auswirken. Allerdings zeigt diese Besonderheit auch, dass die Befragten mit undemokratischer Systempräferenz gesondert und detaillierter ausgewertet werden müssen, als es im Rahmen dieses Beitrags möglich ist.