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16.3.2006 | Von:
Thomas Gensicke

Bürgerschaftliches Engagement in Deutschland

Gemeinschaftsaktivität und freiwilliges Engagement 1999 - 2004

Bilanziert man die Daten des Freiwilligensurveys 2004 zunächst unabhängig von den einzelnen Bereichen, so können 70 Prozent der Bevölkerung (ab 14 Jahren) als "gemeinschaftsaktiv" eingestuft werden. Das heißt, diese Menschen sind über ihre privaten und erwerbsbezogenen Zwecke hinaus in Vereinen, Organisationen, Gruppen und Einrichtungen am öffentlichen Leben beteiligt. Diese öffentliche Beteiligung der Bevölkerung ist seit 1999 um vier Prozentpunkte gestiegen. Mit der gewachsenen Gemeinschaftsaktivität ist im gleichen Zeitraum auch das freiwillige Engagement gestiegen. Mindestens eine freiwillige Tätigkeit übten im Jahr 1999 34 Prozent der Bevölkerung aus, im Jahr 2004 waren es 36 Prozent (Vgl. Grafik 1 der PDF-Version).[6] Die gestiegene öffentliche Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern hat sich somit in etwa gleicher Proportion auch in die längerfristige Übernahme von Aufgaben, Arbeiten und Funktionen umgesetzt.

Die Veränderungen des freiwilligen Engagements zwischen 1999 und 2004 waren im Vergleich der Bundesländer unterschiedlich (Vgl. Grafik 2 der PDF-Version). Auch die Verteilung des Engagements stellt sich 2004 regional recht differenziert dar (Vgl. Grafik 3 der PDF-Version).[7]

Die meisten Länder, in denen das freiwillige Engagement zugenommen hat, liegen im Norden Deutschlands. Das hat zu einer Verringerung des Süd-Nord-Gefälles beigetragen, das 1999 deutlich zu erkennen war. An der Spitze dieser nördlichen Wachstumsregion liegen Niedersachsen sowie die Region Berlin-Brandenburg. Im Südwesten ragt besonders Rheinland-Pfalz mit einem deutlichen Anstieg des freiwilligen Engagements heraus. Baden-Württemberg behielt auf der Basis eines durchschnittlichen Wachstums des Engagements von zwei Prozentpunkten auch 2004 seinen unangefochtenen Spitzenplatz unter den Bundesländern. Obwohl das freiwillige Engagement in den ostdeutschen Ländern insgesamt deutlich gewachsen ist, bleiben diese mit 31 Prozent noch deutlich hinter den westdeutschen Ländern zurück (37 Prozent).

Der deutsche Freiwilligensektor ist sehr vielfältig strukturiert. Betrachtet man das freiwillige Engagement hinsichtlich seiner verschiedenen Bereiche, so stellt der Sektor "Sport und Bewegung" den mit Abstand größten Sektor freiwilligen Engagements dar (Vgl. Grafik 4 der PDF-Version). Es folgen die größeren Bereiche "Schule und Kindergarten", "Kirche und Religion" sowie "Kultur und Musik". Der Bereich "Soziales" ist seit 1999 am stärksten gewachsen und nimmt nunmehr mit dem Bereich "Kultur und Musik" bereits den dritten Rang ein. "Freizeit und Geselligkeit" ist der einzige Bereich, in dem das Ausmaß freiwilligen Engagements zurückgegangen ist, sodass dieser vom dritten auf den sechsten Rang zurückfiel. Wird zusätzlich die deutliche Entwicklung im (kleineren) Bereich der "Jugend- und Bildungsarbeit" berücksichtigt, ist festzuhalten, dass in Deutschland zwischen 1999 und 2004 kinder- und jugendbezogenes sowie soziales Engagement am meisten an Bedeutung gewonnen haben, Bereiche des freiwilligen Engagements, die besonders für Frauen bedeutsam sind.


Fußnoten

6.
Die Berichterstattung des Freiwilligensurveys verwendet oft vereinfachend ein Schema von drei Bevölkerungsgruppen: Freiwillig Engagierte sind öffentlich aktiv und haben in diesem Zusammenhang mindestens eine freiwillige Tätigkeit längerfristig übernommen. "Nur" Aktive sind zumindest teilnehmend aktiv, haben aber darüber hinaus keine freiwillige Tätigkeit übernommen. Die verbleibende Gruppe sind diejenigen, die keine öffentlichen Gemeinschaftsaktivitäten in Vereinen, Organisationen, Gruppen und Einrichtungen ausüben (weder "nur" teilnehmend, noch in Form freiwilliger Tätigkeiten).
7.
Betrachtet wird hier und später in den Tabellen 1 und 2 zur Vereinfachung nur der Anteil der freiwillig Engagierten in den einzelnen Ländern.