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16.3.2006 | Von:
Eckhard Priller
Annette Zimmer

Dritter Sektor: Arbeit als Engagement

Strukturbesonderheiten

Initiiert und auch zu einem beachtlichen Teil von bürgerschaftlichem Engagement getragen, zeichnen sich Dritte-Sektor-Organisationen im Vergleich zu den Organisationen und Einrichtungen der Konkurrenzsektoren Markt und Staat durch Strukturbesonderheiten aus. Hierzu zählt vor allem, dass sie nachhaltig auf die Ressource "Solidarität" angewiesen sind. Ohne kontinuierlichen Zufluss von "Solidarität", deren Gestaltungsformen von einfacher Mitgliedschaft, freiwilliger Mitarbeit und ehrenamtlichem Engagement über Geld- und Sachspenden bis hin zur Unterstützung der von den Organisationen vertreten Werte und Ziele reichen, sind Dritte-Sektor-Organisationen, im deutlichen Gegensatz zu marktwirtschaftlichen, aber auch staatlichen Einrichtungen, nicht lebensfähig. Als "Wertgemeinschaften" sind diese Organisationen daher mit einem unschätzbaren gesellschaftlichen Integrationspotenzial ausgestattet.

Neben der "Wertorientierung" konstituiert die Multifunktionalität der Organisationen eine weitere Strukturbesonderheit.[4] Handlungs- und steuerungstheoretisch betrachtet, zeichnen sich Dritte-Sektor-Organisationen durch einen Funktionsmix aus, der eine ökonomische, politische wie auch gesellschaftlich-integrative Komponente umfasst. Mit der ökonomischen Funktion der Dienstleistungserstellung haben sie Anteil am Sektor Markt. Besonders unter diesem Gesichtspunkt besitzen sie - wie noch zu zeigen sein wird - sowohl international als auch in Deutschland eine besondere arbeitsmarktpolitische Relevanz. Aufgrund ihrer Funktion der Bündelung, Artikulation und Vermittlung von Interessen sind Dritte-Sektor-Organisationen zugleich politische Akteure, denen vor dem Hintergrund zunehmender Parteienverdrossenheit als "Themenanwälte" eine wichtige Bedeutung für das politische Gemeinwesen zukommt. Gleichzeitig sind sie häufig lokal verankerte und sich über Mitgliedschaft konstituierende Gemeinschaften, die wichtige Funktionen der sozial-kulturellen Integration und Sozialisation übernehmen. Im Folgenden wird vor allem auf die integrative Funktion sowie auf die arbeitsmarktpolitische Relevanz von Dritte-Sektor-Organisationen eingegangen.


Fußnoten

4.
Vgl. A. Zimmer/E. Priller (Anm. 3), S. 21ff.