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16.3.2006 | Von:
Reinhard Fatke
Martin Biebricher

Jugendbeteiligung - Chance für die Bürgergesellschaft

Transparenz schaffen, Beteiligung stärken

Projekte und Angebote zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen erleben nicht zuletzt vor dem Hintergrund der oben beschriebenen gesellschaftlichen Herausforderungen einen regelrechten Boom: Viele Kommunen definieren "Kinderfreundlichkeit" sowiedamit verbundene bessere Teilhabechancen für junge Menschen als ein zentrales Zukunftsthema. Zahlreiche innovative Einzelprojekte zeigen, dass verbesserte Partizipationsangebote gerade auch unter herausfordernden finanziellen bzw. sozialen Rahmenbedingungen erfolgreich sein können.

Dennoch gibt es Handlungsbedarf: Viele Beteiligungsangebote und -verfahren leiden unter mangelnder Nachhaltigkeit und sind oftmals nicht oder nur wenig mit anderen Projekten im kommunalen und schulischen Raum vernetzt. Starke, ohnehin beteiligungsaffine Zielgruppen werden vor allem durch parlamentarische, der Lebenswelt Erwachsener entlehnte Angebote strukturell bevorzugt. Die pädagogischen Fachkräfte in kommunalen Jugendeinrichtungen und Schulen sind häufig nicht ausreichend qualifiziert, um komplexe Verfahren und Planungsprozesse zielgruppengerecht zu moderieren. Auch das vorhandene empirische Wissen reicht nicht aus, um zuverlässige Aussagen über das Mitwirkungspotenzial von Kindern und Jugendlichen, die bevorzugten Beteiligungsformen und die Nutzung der bestehenden Angebote zu treffen. Insbesondere die Frage, wie Kommunen gezielt die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen stärken und ihre Angebote besser an den Nutzern ausrichten können, ist bisher unbeantwortet geblieben.

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen hat die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit ihren Partnern UNICEF und dem Deutschen Kinderhilfswerk unter dem Titel "mitWirkung!" eine Initiative zur Stärkung der Kinder- und Jugendpartizipation in der Kommune gestartet. Die Initiative hat zum Ziel, dass sich junge Menschen aktiv und informiert in die Gestaltung des demokratischen Gemeinwesens einbringen. Aus dieser übergeordneten Zielsetzung wurden folgende Teilziele abgeleitet: - Herstellung von Transparenz über die gegenwärtige Partizipationssituation junger Menschen durch eine umfassende empirische Untersuchung; - Identifizierung von Beispielen guter Praxis zur strukturellen Absicherung von Partizipation im kommunalen Gemeinwesen; - Entwicklung von Strategien für die Aktivierung junger Menschen und Schaffung von Referenzmodellen für vorbildliche Kinder- und Jugendbeteiligung im Rahmen ausgewählter Modellprojekte; - nachhaltige und flächige Verankerung von Kinder- und Jugendpartizipation durch Transfer der Projektergebnisse.

Alle Teilziele der Initiative "mitWirkung!" sind darauf ausgerichtet, öffentliches Bewusstsein für die Notwendigkeit der Beteiligung junger Menschen zu schaffen.

Grundlegende Voraussetzung dafür, dass Kinder- und Jugendpartizipation auf kommunaler Ebene strategisch gestärkt und nachhaltig verankert werden kann, ist eine umfassende Analyse der gegenwärtigen Partizipationssituation von Kindern und Jugendlichen. Dabei geht es um zweierlei: erstens um eine beschreibende Bestandsaufnahme der Partizipationsangebote auf kommunaler Ebene und des tatsächlichen Partizipationsverhaltens junger Menschen und zweitens um die Identifizierung derjenigen Bedingungen, die für Mitwirkung, Beteiligung und Mitgestaltung in der Kommune förderlich bzw. hinderlich sind.

Zu diesen Bedingungen gehören, so ist zu vermuten, insbesondere folgende Einflussfaktoren: auf Seiten der Kommune die Partizipationsmöglichkeiten, zur Verfügung gestellte Ressourcen, politische Unterstützung, Informationsstrategien; auf Seiten der Kinder und Jugendlichen ihre Partizipationserfahrungen aus Familie, Schule und Freizeitbereich und die Zufriedenheit, die sie mit dem Prozess und mit den Ergebnissen verbinden, ferner ihre Kenntnis bestehender Partizipationsmöglichkeiten, ihr politisches Interesse und das Partizipationsengagement ihrer Freunde.