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17.2.2006 | Von:
Ullrich Bauer

Die sozialen Kosten der Ökonomisierung von Gesundheit

Rationalisierung und Rationierung

Patientenbezogene Entscheidungen werden als Folge prospektiver Finanzierungsformen zunehmend durch die einzelwirtschaftlichen Ziele der Krankenhäuser bestimmt. Die strenge Budgetorientierung führt in der Behandlungspraxis dazu, dass wichtige medizinische Leistungen sozial selektiv erbracht werden, das heißt, wichtige Versorgungsleistungen werden durch den Versuch zu Kostenverringerungen rationiert. In der internationalen Diskussion sind die Probleme krankenhauswirtschaftlicher Rationalisierung und Rationierung - als Personalverknappung und als Verknappung medizinischer Leistungen aus ökonomischen Gründen - bereits erkannt.[5]

Weniger und schlechter ausgebildetes Klinikpersonal (quantitativer und qualitativer Stellenabbau) führt zu höheren Komplikationsraten während der Behandlung sowie insgesamt zu einer höheren Mortalitätsquote unter den Patienten. Auf Seiten des Personals steigt die Fluktuation, Arbeitsunfälle passieren häufiger, die Arbeitszeitverdichtung und psychische Belastung aufgrund der Unsicherheit des Arbeitsplatzes sowie die Burn-out-Rate nehmen zu. Solche Negativentwicklungen für das Klinikpersonal galten bisher als US-amerikanisches Phänomen, sie stellen mittlerweile aber auch in Deutschland eine gut sichtbare Folge voranschreitender Ökonomisierungs- und Privatisierungstendenzen dar.[6]


Fußnoten

5.
Vgl. Friedrich Breyer/Hartmut Kliemt/Felix Thiele (Hrsg.), Rationing in Medicine. Ethical, Legal and Practical Aspects, Berlin u.a. 2002.
6.
Vgl. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR), Koordination und Qualität im Gesundheitswesen. Gutachten, Berlin 2005, S. 321 (Ziffer 410); Maria Schubert/Bianca Schaffert-Witvliet/Sabina De Geest, Auswirkungen von Kosteneinsparungsstrategien und Stellenbesetzung auf die Ergebnisse von Patienten und Pflegefachpersonen. Eine Literaturübersicht, in: Zeitschrift Pflege, 18 (2005), S. 320 - 328.