30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

9.2.2006 | Von:
Kathrin Kaschura

Politiker als Prominente - die Sicht der Zuschauer

Analyse der Interviews

Das Ziel der qualitativen Analyse bestand darin, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Einstellungen und Meinungen der Rezipienten gegenüber Politikerauftritten in Personality-Talks aufzuzeigen. Die Interviews wurden in mehreren Schritten ausgewertet. Im Anschluss an die Kategorisierung des Datenmaterials erfolgte eine charakterisierende Darstellung der Einzelfälle, die gleichzeitig eine Interpretation der erhobenen Daten darstellte. Dieser Analyseschritt diente der Rekonstruktion subjektiver Motive der Rezeption oder Nicht-Rezeption sowie der individuellen Wirkung von Politikerauftritten. In einem weiteren Schritt wurden Verfahren des Fallvergleichs, der Kontrastierung von Fällen und der Typenbildung angewandt. Diese zielen auf die Reduktion der Komplexität des Untersuchungsgegenstandes, wodurch Zusammenhänge deutlicher hervortreten.

Dieser Prozess dient der Anregung der Hypothesenbildung"über allgemeine kausale Beziehungen und Sinnzusammenhänge" hinaus.[7] Als Abschluss dieses Analyseschrittes und zentrales Ergebnis wurde die Bildung und Darstellung von vier idealtypischen Nutzern bzw. Nicht-Nutzern von Politikerauftritten in Personality-Talks vorgenommen. Max Weber hat den Begriff des Idealtypus in den Sozialwissenschaften geprägt. Er versteht darunter eine begriffliche "Konstruktion" oder eine "Synthese", die in ihrer "begrifflichen Reinheit [...] nirgends in der Wirklichkeit empirisch vorfindbar" ist.[8] Der Idealtypus ist folglich eine Abstraktion von real existierenden Einzelphänomenen, die zugespitzt formuliert werden, wobei die Besonderheit des Einzelfalls darin enthalten ist und erklärt wird. Zu diesem Zweck wird jeweils ein möglichst optimaler Fall aus den Gruppierungen ausgewählt, der als repräsentativ gelten kann. Mit seiner Hilfe werden einzelne charakteristische Merkmale pointiert dargestellt und idealtypisch zugespitzt.[9]


Fußnoten

7.
Udo Kelle/Susann Kluge, Vom Einzelfall zum Typus. Fallvergleich und Fallkontrastierung in der qualitativen Sozialforschung, Opladen 1999, S. 9.
8.
Max Weber, Die Objektivität` sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis, in: Ders., Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, hrsg. von Johannes Winckelmann, Tübingen 1988, S. 190 - 191, zit. nach Susann Kluge, Empirisch begründete Typenbildung, Opladen 1999, S. 62.
9.
Vgl. U. Kelle/S. Kluge (Anm. 7), S. 95 f.