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25.1.2006 | Von:
Dennis Mocigemba

Computer und Nachhaltigkeit

Elektroschrott und Ressourcenverbrauch

Wie eingangs angedeutet, sehen sich Hardwareproduzenten seit einiger Zeit zunehmend nicht nur mit sozialen, sondern auch mit ökologischen Forderungen konfrontiert. So gründete sich im Jahr 2001 in den USA die Computer Take Back Campaign (CTBC) mit dem Ziel, Hersteller von Hardware zu einem verantwortlichen Umgang mit Altgeräten, zur Mitgestaltung von Gesetzesinitiativen, Formulierung von Recyclingzielen und Etablierung von Rücknahmesystemen zu bewegen. Mit der jährlich veröffentlichten Computer Report Card versucht die CTBC, eine Währung zu etablieren, die Auskunft über die Rücknahmeaktivitäten eines Produzenten im Vergleich zu seinen Verkaufsmengen erlaubt. Die Inaktivität der großen Hersteller führt laut CTBC derzeit häufig dazu, dass Elektroschrott über unseriöse Recyclingfirmen in Entwicklungsländer verschifft und dort nicht fachgerecht entsorgt wird, nicht selten durch (schlecht bezahlte und ungenügend geschützte) Häftlinge in Gefängnissen. Schätzungen zufolge exportieren allein die USA bis zu 80 Prozent ihres Elektroschrotts nach Indien, China und Pakistan, wo Computer ohne Schutzvorrichtungen zerlegt oder offen verbrannt werden. Elektroschrott verursacht heute das weltweit am schnellsten wachsende Abfallproblem.

Problematisch ist das Recycling von Computer-Hardware, weil sich nur etwa fünf bis zehn Prozent eines Geräts wiederverwerten lassen. Der Rest lässt sich durch Verbrennung allenfalls in Form von Energie wieder nutzen. Bis zu zehn Prozent des Gesamtvolumens eines PCs müssen endgelagert werden.[4] Während Rücknahmesysteme bei anderen Elektrogeräten bereits gut funktionieren, ist die Quote fachgerecht recycelter Computer noch sehr gering. Das eingangs erwähnte ElektroG ist der Versuch des deutschen Gesetzgebers, die Produktverantwortung durch die Hersteller zu erhöhen, indem diese die Entsorgungskosten der Altgeräte tragen müssen. Damit soll ein ökonomischer Anreiz für eine umweltschonende Produktionsweise geschaffen werden.

Neben der Frage nach der Wiederverwertung von Elektroschrott ist aus ökologischer, aber auch aus wirtschaftlicher Perspektive vor allem die Frage nach dem Ressourcenverbrauch von Informationstechnologie interessant: Während der Energieverbrauch in der Produktionsphase von Hardware, insbesondere von Prozessoren, weiterhin steigt, sinkt der Energieverbrauch in der Nutzungsphase seit Jahren stetig. Entsprechende Siegel wie etwa das EPA-Siegel der US-Umweltbehörde oder das schwedische TCO 95 sollen den Verbraucher auf besonders energiesparende und somit langfristig günstigere Hardwarekomponenten hinweisen und nachhaltige Konsumprozesse anregen.

Die Optimierung der Hardware führt zu erhöhter Effizienz. Einzelne Geräte oder Komponenten verrichten bei gleichbleibendem Energieverbrauch höhere Leistungen. Dennoch werden mit solchen Effizienzsteigerungen absolut betrachtet nicht zwingend Ressourcen eingespart. Das Phänomen, dass Effizienzsteigerungen einzelner Geräte oder Komponenten durch eine wachsende Verbreitung und Nutzung dieser Geräte ausgeglichen oder sogar überkompensiert werden, nennt sich rebound effect. Hoffnungen darauf, Informationstechnologie würde bestimmte energieintensive Praktiken des Alltags wie beispielsweise den Papierverbrauch reduzieren, werden immer wieder enttäuscht. Langfristig werden Effizienzsteigerungen nur dort zu einer im Sinne von Nachhaltigkeit erwünschten Wirkung führen, wo sie mit Suffizienzstrategien einhergehen, die z. B. die absolute Gütermenge begrenzen oder auf eine energiesparende Gerätenutzung abzielen, eingebettet in Lebensstile und alltägliche Praktiken.[5]


Fußnoten

4.
Vgl. Thomas Beschorner et al., Institutionalisierung von Nachhaltigkeit. Eine vergleichende Untersuchung der organisationalen Bedürfnisfelder Bauen & Wohnen, Mobilität und Information & Kommunikation, Berlin 2005, S. 198.
5.
Vgl. Lorenz M. Hilty/Thomas F. Ruddy, Towards a Sustainable Information Society, in: Informatik/Informatique, 4 (2000), S. 8.