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28.12.2005 | Von:
Jürgen Leibold
Steffen Kühnel
Wilhelm Heitmeyer

Abschottung von Muslimen durch generalisierte Islamkritik?

Rückzug als Folge generalisierter Abwertung des Islam?

Es stellen sich zwei komplexe Fragen: Erstens: Welche Einstellungen gegenüber Muslimen und ihren Glaubensrichtungen finden wir in der Mehrheitsgesellschaft und welche Reaktionen auf Seiten der muslimischen Minderheit lassen sich feststellen bzw. sind zu erwarten? Zweitens: Werden die Distanzen auf beiden Seiten größer, und was würde dies bedeuten angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen sich abzeichnender Segregationsprozesse in großen Städten,[1] möglicherweise sich verstärkender Desintegration von Teilen der jüngeren Generation muslimischer Migranten[2] und der abzusehenden Verschiebung der Relationen zwischen Mehrheit und Minderheit in Städten und Stadtteilen? Über das Zusammenwirken dieser Prozesse sind unseres Erachtens nur unzureichende Analogien zu anderen Ländern möglich. Aber es ist zumindest plausibel, dass einerseits die generalisierte Abwertung des Islam in der Mehrheitsbevölkerung sich verstärkt und eben dies andererseits von Teilen der Muslime zum Anlass genommen wird, notwendige und differenzierte kritische Fragen abzuwehren und sich in das religiöse Milieu zurückzuziehen.


Fußnoten

1.
Vgl. Sozialraumanalyse - Soziale, ethnische und demographische Segregation in den nordrhein-westfälischen Städten. ILS, Dortmund-Bochum 2003.
2.
Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland, Berlin 2005, S. 94ff.