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28.12.2005 | Von:
Andrea Janßen
Ayça Polat

Soziale Netzwerke türkischer Migrantinnen und Migranten

Erklärungen für die Netzwerkeigenschaften

Fasst man die Ergebnisse zusammen, ergeben sich aus den sozialen Netzwerken neben beschränkten Ressourcen auch Restriktionen, durch welche sich die Integration verlangsamen kann. Wie lassen sich die Eigenschaften der Netzwerke von Migranten erklären?

Die Ursachen für Größe, Zusammensetzung und Leistungsfähigkeit der sozialen Netzwerke sind vielfältig: Der Migrationshintergrund der Interviewten hatte zur Folge, dass das Netz im Aufnahmeland zunächst extrem klein war und die Familie in dieser Situation eine besondere Relevanz erhielt. Im Zuge der Migration von der Türkei nach Deutschland blieb den Migrantinnen und Migranten in der Regel nur der engste Familienkern von Eltern und Geschwistern. Zugleich konnten die Eltern der zweiten Generation meist nur wenige Kontakte in Deutschland aufbauen. Dies hatte zur Folge, dass ihre Kinder überwiegend im kleinen Familienkreis aufwuchsen.

Auch eine kulturell begründete Distanz gegenüber Deutschen, die ein Teil der Befragten äußert, trägt zur Familienzentrierung und zur ethnischen Homogenität bei. Andere Lebensgewohnheiten und ein anderes Verständnis der Freizeitgestaltung werden als Erklärungen dafür genannt, die freie Zeit lieber mit Angehörigen der eigenen ethnischen Gruppe zu verbringen. Wie aus Studien bekannt ist, spiegelt die soziale Distanz der türkischen Migranten gegenüber Deutschen die soziale Distanz der Deutschen gegenüber Türken wider. So gaben nach einer repräsentativen Umfrage über die Hälfte der deutschen Befragten an, sie hätten eine große soziale Distanz gegenüber Türken.[8] Die Netzwerkeigenschaften sind jedoch nicht nur durch die Migration bedingt oder kulturell definiert, sondern haben auch schichtspezifische Ursachen, da es sich bei der sozialen Homogenität, der Familienzentriertheit und dem begrenzten sozialen Kapital auch um Eigenschaften handelt, die ebenso für Arbeiterhaushalte festgestellt wurden.[9]


Fußnoten

8.
Vgl. Gaby Straßburger, Heiratsverhalten und Partnerwahl im Einwanderungskontext. Familie und Gesellschaft. Band 10, Würzburg 2003, S. 38.
9.
Vgl. Norbert Elias/John L. Scotson, Etablierte und Außenseiter, Frankfurt/M. 1993.