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16.11.2007 | Von:
Watzal, Ludwig

Editorial

Die Entwicklungszusammenarbeit gerät immer häufiger in die Kritik. Trotz dieser Kritik kann es einen Ausstieg aus der Entwicklungszusammenarbeit schon aus Gründen der Solidarität, Gerechtigkeit und Verantwortung für die "Eine Welt" nicht geben.

Nach Jahrzehnten intensiver Entwicklungszusammenarbeit bleiben die Resultate bescheiden. Was einst so hoffnungsvoll in Lateinamerika, Afrika und Asien begann, endete nicht selten in einem "failed state". Das politisch-gesellschaftliche Desaster, das in vielen Staaten der "Dritten Welt" herrscht, kann jedoch nicht der Entwicklungspolitik angelastet werden. Folglich ist überzogene Kritik, die sich in Schlagworten wie "Tödliche Hilfe" oder "Wir retten die Welt zu Tode" ausdrückt, zwar nicht grundlos, aber sie ist maßlos übertrieben. Neben dieser Pauschalverurteilung gibt es eine institutionelle Kritik, welche die "Entwicklungshilfeindustrie" im Auge hat.

Pro und Contra Entwicklungszusammenarbeit personifizieren sich auf internationaler Ebene in zwei Wissenschaftlern: William Easterly und Jeffrey Sachs. Ersterem zufolge hat die Hilfe kaum zu Entwicklung geführt, ist oft unnötig, ja in manchen Fällen sogar kontraproduktiv gewesen. Gemessen am finanziellen Aufwand sei sie fehlgeschlagen. Mit beißender Kritik überzieht Easterly die alte "Entwicklungsideologie". Im Gegensatz dazu fordert Sachs einen "big push" für die Entwicklungszusammenarbeit. Ein ökonomisches Programm für eine gerechtere Welt soll das Ende der Armut herbeiführen.

Einen Ausstieg aus der Entwicklungszusammenarbeit kann es schon aus Gründen der Solidarität, Gerechtigkeit und Verantwortung für die "Eine Welt" nicht geben. Schon allein die verheerende Aids-Epidemie im südlichen Afrika verlangt das Engagement der Staatengemeinschaft. Solange Milliarden in Rüstungsgüter und sinnlose Kriege gesteckt und nicht in die Bildung von "Humankapital" investiert werden, ist Kritik an der Entwicklungszusammenarbeit mit der "Dritten Welt" wenig überzeugend.