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16.11.2007 | Von:
Tobias Debiel
Daniel Lambach
Birgit Pech

Geberpolitiken ohne verlässlichen Kompass?

In den letzten zwei Jahrzehnten hat der internationale entwicklungspolitische Diskurs mehrere Wandlungen durchlebt. Aber erst die terroristischen Anschläge des 11. September 2001 wirkten als Katalysator für eine Neuausrichtung des gesamten Diskurses.

Einleitung

In den letzten zwei Jahrzehnten hat der internationale entwicklungspolitische Diskurs mehrere Wandlungen durchlebt. Am Ende der 1980er Jahre begannen Teile der Gebergemeinschaft, "gute Regierungsführung" (Good Governance) zum Königsweg aus der Armutsfalle auszurufen. Das Konzept erfuhr zunächst einen kometenhaften Aufstieg und erreichte seinen Zenit in den 1990er Jahren. Danach wurde es zunehmend wieder in Zweifel gezogen. Die terroristischen Anschläge des 11. September 2001 wirkten als Katalysator für eine Neuausrichtung des gesamten Diskurses. "Gescheiterte Staaten" standen mit einem Mal ganz oben auf der Agenda. Seither redet alle Welt von "schwierigen Partnern" (difficult partnerships), "LICUS" (Low Income Countries Under Stress) und "fragilen Staaten" - und das zu Recht.[1] Die Entwicklung einer signifikanten Anzahl von Ländern wird vom chronischen Versagen - oder gar dem totalen Zusammenbruch - staatlicher Institutionen blockiert. Die Definition von Staatsversagen mag umstritten sein, seine Wirkung auf die sozioökonomische Entwicklung ist es nicht: Hinsichtlich zentraler Indikatoren wie dem Pro-Kopf-Einkommen (PKE) bzw. der Kinder- und Müttersterblichkeit ist die Lage deutlich schlechter als in anderen Ländern mit geringem Einkommen. Faktisch sind die Millennium Development Goals (MDGs) für diese Länder unerreichbar. Dies stellt eine gewaltige strategische Herausforderung für die Geberländer dar, die sie gerade erst begonnen haben anzugehen.[2]












Mit diesem Artikel möchten wir die Wege und Wendungen entwicklungspolitischen Denkens aufzeigen, anhand derer sich die aktuellen Debatten um State-Building über die letzten zwei Jahrzehnte zurückverfolgen lassen.

Fußnoten

1.
Vgl. OECD Development Assistance Committee (OECD/DAC), Development Co-operation in Difficult Partnerships, Paris: OECD Document DCD/DAC(2002)11/REV1, 16 May 2002; World Bank, World Bank Group Work in Low-income Countries under Stress. A Task Force Report, Washington, D. C. 2002; U.K. Department for International Development (DFID), Why We Need to Work More Effectively in Fragile States, London 2005.
2.
Vgl. DFID (Anm. 1), S. 9; ausführlich Tobias Debiel/Daniel Lambach/Dieter Reinhardt, "Stay Engaged" statt "Let Them Fail". Ein Literaturbericht über entwicklungspolitische Debatten in Zeiten fragiler Staatlichkeit, Duisburg (INEF-Report, Nr. 90/2007).