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16.11.2007 | Von:
Michael Grimm

Ökonomische Konsequenzen von AIDS-Epidemie in Entwicklungsländern

Die Verteilungswirkungen

Für die Veränderung der Einkommensverteilung ist es entscheidend, in welchem Segment der Verteilung sich die von HIV/AIDS betroffenen Haushalte befinden. Liegen diese eher im oberen Teil, wäre zu erwarten, dass die Ungleichheit zurückgeht und die Armut aufgrund des durch die gesamtwirtschaftlichen Veränderungen leicht gesunkenen Durchschnittseinkommens leicht ansteigt. Sind dagegen eher die ärmeren Haushalte betroffen, kann der Effekt auf die Armut erheblich stärker sein und könnte gar die Anstrengungen im Rahmen der Jahrhundertentwicklungsziele zur Halbierung der Armut zwischen 1990 und 2015 konterkarieren. Bei einer gleichmäßigen Verteilung der HIV/AIDS-Epidemie über die verschiedenen Einkommensgruppen ist es wahrscheinlich, dass die Einkommensverteilung nur unwesentlich berührt wird und die Armut entsprechend der makroökonomischen Wirkungen nur leicht ansteigt.

Da HIV/AIDS von Land zu Land sehr unterschiedlich über die Bevölkerung verteilt ist, sind auch die empirischen Ergebnisse zu den Verteilungswirkungen stark vom Länderkontext abhängig. Simulationen für die Elfenbeinküste zeigen so gut wie keine Änderung in der Ungleichheit und der Armutsquote.[8] Dies lässt sich zum einen damit erklären, dass dort nicht die ärmsten der Armen, sondern eher die untere Mittelschicht von HIV/AIDS betroffen ist und dass viele Betroffene der Gruppe der Erwerbslosen und Nebenverdiener zuzurechnen sind, so dass das Haushaltseinkommen in den betroffenen Haushalten oft nur schwach, unter Umständen sogar positiv und nicht negativ berührt wird. Andere Studien schätzen beispielsweise für die Länder Ghana und Kenia auch nur moderate Erhöhungen der Armutsquote von ca. 0 - 2,8 Prozentpunkten. Für die stark von HIV/AIDS betroffenen Länder Swasiland und Sambia ergeben sich aufgrund der höheren Prävalenzraten Erhöhungen der Armutsquoten von vier bis acht Prozentpunkten.[9] Wenn auch die jeweils verwendeten Methoden zur Abschätzung dieser Effekte nicht vollständig vergleichbar sind, zeigen sie doch das ungefähre Ausmaß der Verteilungs- und Armutseffekte. Die Größenordungen situieren sich damit in einem Bereich, der in einigen afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern mit strukturellen Anpassungsprogrammen in Verbindung gebracht wurde. Sie liegen aber erheblich unter denen, die in einigen südostasiatischen und lateinamerikanischen Ländern mit den schweren Währungskrisen in Verbindung gebracht wurden.

Fußnoten

8.
Vgl. D. Cogneau/M. Grimm, The impact of AIDS mortality on the distribution of income in Côte d'Ivoire, in: Journal of African Economies, (i.E.).
9.
Vgl. G. Salinas/M. Hacker, HIV/AIDS: The impact on poverty and inequality. IMF Working Paper WP/06/126, Washington, D.C. 2006.