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9.11.2007 | Von:
Sven Plöger

Wetter und Klimawandel - Essay

Was ist Wetter, was ist Klima?

"Irgendetwas stimmt doch nicht mehr bei unserem Wetter - früher war doch alles ganz anders!" Sehr oft hört man diesen oder ähnliche Sätze. Nach einem fast schon "heißen Herbst" 2006 folgte ein Winter, der keiner war, und dann kam auch noch der schwere Sturm "Kyrill" hinzu, der im Januar ganz Deutschland erfasste. Und der April? Er war der sonnigste und trockenste seit Beginn regelmäßiger Messungen. Außerdem waren von September 2006 bis Juni 2007 alle Monate wärmer, als sie dem Durchschnitt nach hätten ausfallen sollen. Über den Sommer dieses Jahres klagten indes viele.

Was wir erlebt haben, ist Wetter - der augenblickliche Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort. Nur das Wetter können wir mit unseren Sinnesorganen fühlen, eben da, wo wir uns gerade befinden. Und Wetter ist in unseren mittleren Breiten sehr variabel und bringt - auch ohne Klimawandel - immer mal wieder Extreme zustande: z.B. die Stürme "Lothar" und "Kyrill" in jüngster Zeit, aber auch große Sturmfluten im Mittelalter, durch die sich ganze Küstenlinien massiv verändert haben. Hitzewellen gehören ebenso dazu wie große Winterkälte mit viel Schnee - was wir ja noch im Winter 2005/2006 erleben konnten.

Im Unterschied dazu ist Klima gemitteltes Wetter. Aus demographischen Gründen wird meist über 30 Jahre gemittelt, die Dauer einer menschlichen Generation. Ebenso wird räumlich gemittelt, entweder für eine große Region oder - Stichwort "globales Klima" - über den ganzen Erdball. Klima kann man nicht fühlen oder spüren, es ist ein statistischer Begriff, dem alle spannenden Wetterlagen durch die Mittlung zum Opfer fallen müssen. Wenn wir es im Winter 2006/2007 mit großer Wärme zu tun hatten, es aber - wie gehabt - gleichzeitig in den USA ungewöhnlich kalt ist, so kann am Ende möglicherweise exakt der Mittelwert erreicht werden, weil sich Warmluft- und Kaltluftvorstoß ausgleichen.

Dies ist der Grund, weshalb Wetterextreme an einem Ort keinen Klimawandel anzeigen können, das kann lediglich ihre Häufung über einen langen Zeitraum. Und weil wir ja gleichzeitig immer nur an einem Ort sein können, ist unser individuell gefühltes und persönlich erlebtes Wetter kein guter Indikator, um Klimaveränderungen zu beurteilen - vor allem dann nicht, wenn man berücksichtigt, wie selektiv unsere Erinnerungen an Wetterereignisse der Vergangenheit sind. Benötigt wird zur objektiven Bewertung also ein dichtes, globales Wetterstationsnetz und in zunehmendem Maße die immer genauer werdenden Messungen von Satelliten.