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9.11.2007 | Von:
Sven Plöger

Wetter und Klimawandel - Essay

Klimaveränderungen und der Mensch

Klimageschichtlich befinden wir uns derzeit im Holozän - einer Warmphase, die seit etwa 10 000 Jahren andauert. Diese ist eingebettet in eine Folge von Eiszeitzyklen mit einer Periode von etwa 100 000 Jahren, wobei die rund 90 000 Jahre dauernden Kaltphasen den viel kürzeren Warmphasen gegenüberstehen. Verursacht werden diese Zyklen durch periodische Schwankungen der Erdbahn um die Sonne. Auch im Holozän unterlag das Klima Schwankungen: Vor 6000 bis 7000 und noch einmal vor 4000 bis 5000 Jahren im "Hauptoptimum" der Nacheiszeit war das Klima wärmer und feuchter als heute - mit einer grünen Sahara. Auch ein "römisches Optimum" ist nachzuweisen, welches Hannibal die Überquerung der Alpen erleichterte, oder das "mittelalterliche Optimum", als die Normannen das "grüne Land" (Grönland) haben besiedeln können. Demgegenüber steht die so genannte "kleine Eiszeit", die bis ca. 1850 andauerte und zu Gletschervorstößen und Hungersnöten führte.

Schaut man in die allerjüngste Zeit, so ist festzustellen, dass die Mitteltemperatur auf unserem Globus in den vergangenen hundert Jahren um 0,7 Grad Celsius angestiegen ist. Das klingt nach wenig, ist aber vor dem Hintergrund des globalen Temperaturanstieges von gerade mal rund fünf Grad seit Ende der letzten Eiszeit vor 10 000 Jahren ein hoher Wert. Entscheidend ist die Geschwindigkeit der Änderung, die wir derzeit erleben, nicht der absolute Zahlenwert der Erwärmung. Wichtig ist es, nochmals zu betonen, dass es sich hier um den globalen Wert handelt. Regionale Änderungen, die durch lokale Effekte in weit kürzeren Perioden deutlich stärker ausfallen können, gab es selbstverständlich immer schon.

Nun stellt sich die Frage, weshalb die Erwärmung derzeit so schnell vonstatten geht. Hier kommt der Mensch ins Spiel. Durch von ihm verursachte Treibhausgasemissionen verstärkt er den natürlichen Treibhauseffekt. Diesen gibt es dank Wasserdampf, Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas und vielen anderen Gasen, und er sorgt dafür, dass die globale Mitteltemperatur bei uns nicht -18, sondern +15 Grad Celsius beträgt. Der zusätzliche Eintrag von Treibhausgasen durch den Menschen (allein beim CO2; sind es derzeit jährlich rund 25 Milliarden Tonnen weltweit) verstärkt diesen Effekt und sorgt für einen weiteren Temperaturanstieg. Zwölf der 13 wärmsten Jahre waren zwischen 1994 und 2006 zu verzeichnen.

Betrachtet man die Szenarienrechnungen, die in der Klimaforschung durchgeführt werden, so ist nach heutigem Forschungsstand mit hoher Wahrscheinlichkeit ein globaler Temperaturanstieg von etwa drei Grad Celsius bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu erwarten. Dabei überlagert sich der anthropogene Klimawandel mit den stets stattfindenden natürlichen Veränderungen, welche sich von Region zu Region mal gegenseitig verstärken und mal abschwächen werden. Statistische Signifikanztests jedoch weisen mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 Prozent darauf hin, dass neben den natürlichen Einflüssen auf das Klima ein weiterer Antrieb gewirkt haben muss, um eine Temperaturänderung in so kurzer Zeit zu bewirken. Dieser weitere Antrieb ist der Mensch, dessen Einfluss auf das Klima damit als erheblich angesehen werden kann.

Neben der Temperatur ändern sich auch andere Parameter - der wichtigste davon ist die Niederschlagsverteilung. Dass es in einer wärmeren Atmosphäre zu intensiveren Niederschlägen kommen kann, ist nicht verwunderlich, denn wärmere Luft ist in der Lage, deutlich mehr Wasserdampf aufzunehmen als kalte. Dennoch zeigen Modellrechnungen auch, dass in bereits jetzt sehr trockenen Gebieten in Zukunft noch häufiger mit Dürreperioden gerechnet werden muss.

Natürlich bringt eine Klimaveränderung - gerade eine Erwärmung - auch Positives mit sich. Einige Regionen werden profitieren, sei es durch neue Anbaumöglichkeiten oder bessere Bedingungen für den Tourismus. In der Summe werden wir aber eher mit negativen Folgen konfrontiert, seien das Überschwemmungen durch Starkniederschläge oder den Meeresspiegelanstieg, Hagelschlag, Dürren und damit verbundene Waldbrände, die Ausbreitung von Krankheiten, Hitzebelastungen, Eisschmelze und das Abtauen von Permafrostböden, die Wäldern und menschlichen Bauwerken Halt geben.